Region kämpft für neuen Bahnhof

Die Haltestelle Dornach-Apfelsee soll erst nach 2045 entstehen. Die Gemeinde erhält Unterstützung der Kantone.

Dornach-Apfelsee: Hier soll die neue S-Bahn-Haltestelle entstehen. Foto: Kenneth Nars
Dornach-Apfelsee: Hier soll die neue S-Bahn-Haltestelle entstehen. Foto: Kenneth Nars

Mindestens 15 Jahre später – und ob sie dann tatsächlich kommt, steht in den Sternen: Das Vorhaben des Bundes, die S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee nicht 2030, sondern erst nach 2045 zu bauen, ist für die Gemeinde ein Schock. In der bundesrätlichen Vernehmlassungsvorlage Verkehr ’45 ist das seit Jahren geplante Projekt nicht mehr enthalten. Mit vereinten Kräften will die Region gegen die Streichung des für die Entwicklung Dornachs essenziell wichtigen Bahnhofs kämpfen.

In Dornach befindet sich mit dem Wydeneck eines der grössten Transformationsareale in der Region Basel. Die Arealentwicklerin Hiag hat vor, im Gebiet der einstigen Swissmetal in den nächsten rund 20 Jahren ein neues Quartier für rund 2000 Bewohnende zu errichten. Die Hiag hatte von Anfang an die Bedeutung der nun bedrohten S-Bahn-Haltestelle hervorgehoben. Auf Anfrage schreibt Mediensprecherin Laura Roth: «Die S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee ist ein zentraler Baustein für die Entwicklung des Wydeneck-Areals.»

Die Planung des Areals mit rund 600 bis 700 Wohnungen, bis zu 500 Arbeitsplätzen und Investitionen von rund 600 bis 650 Millionen Franken sei auf den Bau der Haltestelle abgestimmt worden. «Sie bildet das Rückgrat des Mobilitätskonzepts und ist eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige und gut erschlossene Entwicklung», erklärt Roth. «Eine langfristige Verschiebung würde nicht nur die Entwicklung des Wydeneck-Areals erschweren, sondern auch Investitionen in erheblichem Umfang in der Region gefährden.» Die Hiag ersuche die Regierungen von Solothurn und Baselland sowie die Standortgemeinden, sich gegenüber Bund und SBB «für eine unterbruchsfreie Weiterführung dieses Projektes einzusetzen».

Bus und Tram wären keine Alternativen

In Dornach rennt das Unternehmen offene Türen ein. Die Vernehmlassung des Bundes für die Vorlage Verkehr ’45 läuft noch bis zum 9. Oktober. Am vergangenen Freitag hat der Dornacher Gemeinderat seine Stellungnahme verabschiedet. Neben Dornach würde die neue Haltestelle auch Vorteile für die Nachbargemeinde Aesch mit sich bringen, wo ein Quartier mit der Haltestelle einen nahen Zugang zur S-Bahn erhalten würde.

«Die S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee ist ein wesentlicher Baustein für die nachhaltige Entwicklung eines bedeutenden Entwicklungsgebiets im Birstal», sagt der Dornacher Gemeindepräsident Daniel Urech (FWD/Grüne). In der Stellungnahme an den Bund schreibt Dornach, Haltestelle und Siedlungsentwicklung seien seit Jahren aufeinander abgestimmt. Eine gleichwertige Erschliessung per Bus oder Tram sei nicht gegeben.

Dornach hatte mit der Hiag bereits eine Teilzonenrevision für das Wydeneck-Areal erarbeitet. Diese stand beim Beschluss über die Vernehmlassungsvorlage kurz vor der öffentlichen Auflage. Hintergrund der Planungen in Dornach war ein Beschluss der eidgenössischen Räte aus dem Juni 2019. Damals entschieden National- und Ständerat, die S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee in den Ausbauschritt 2035 des Bundes aufzunehmen.

Ein von Verkehrsminister Albert Rösti (SVP) in Auftrag gegebener Bericht des ETH-Professors Ulrich Weidmann warf diese Pläne jedoch im vergangenen Oktober über den Haufen. Das Gutachten stufte die Haltestelle in Dornach lediglich als «interessante Option» für die Zeit nach 2045 ein. Dazu schreibt Michael Müller, Mediensprecher beim Bundesamt für Verkehr, auf Anfrage: «Aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel und wegen eines Strategiewechsels bei der Infrastrukturplanung hin zu grossen strukturrelevanten Schlüsselprojekten schlägt der Bundesrat nebst etwa 70 anderen Projekten die Haltestelle Dornach-Apfelsee zur Streichung vor.»

Auch die beiden Basel hatten Anfang September erklärt, für die S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee kämpfen zu wollen, und die Streichung als «nicht hinnehmbar» bezeichnet. Dasselbe gilt auch für die S-Bahn-Haltestelle Basel-Neuallschwil, die ebenfalls erst nach 2045 gebaut werden soll. Die beiden Regierungen fordern, dass die Haltestellen zwingend Teil des Ausbauschritts 2035 bleiben. Beide Kantone haben Stellungnahmen zur Vorlage Verkehr ’45 formuliert.

Eidgenössische Räte entscheiden 2027

Wie sie gestern Dienstag mitteilte, hat sich auch die Solothurner Regierung in die Vernehmlassung eingebracht. In einer Medienmitteilung heisst es: «Die Streichung der S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee lehnt der Regierungsrat ab.» In der Stellungnahme führt die Regierung aus: «Bereits beschlossene Projekte dürfen nicht auf der Grundlage eines noch nicht abgeschlossenen Angebotskonzepts, einer groben Angebotsskizze 2045 und noch ausstehender Verkehrsperspektiven definitiv aufgehoben werden.» Dornach-Apfelsee sei mit der Entwicklung Wydeneck, dem Buskonzept, den Fuss- und Veloverbindungen und der Mobilitätsdrehscheibe abgestimmt.

Ein wenig Zeit bleibt noch, um in Bern zu weibeln. Nach Abschluss der Vernehmlassung wird der Bundesrat zuhanden des Parlaments eine Botschaft formulieren. Der definitive Entscheid der eidgenössischen Räte fällt im Jahr 2027.

Weitere Artikel zu «Dornach und Dorneckberg», die sie interessieren könnten

«Erpressungsversuch» der Bürgerlichen?
Dornach und Dorneckberg30.09.2026

«Erpressungsversuch» der Bürgerlichen?

Die zweite Budgetklausur stand unter dem Zeichen einer Eingabe von FDP und SVP. Deren Sparanträge stiessen auf Widerstand – und säten Missmut in der…
Feuerwehrersatz muss neu drei Jahre länger bezahlt werden
Dornach und Dorneckberg23.09.2026

Feuerwehrersatz muss neu drei Jahre länger bezahlt werden

An der Dornacher Gemeindeversammlung beschlossen die Anwesenden, die drei Traktanden ohne Anpassungen zu übernehmen. Zum Schluss wurde noch über das Budget…
Die treibenden Kräfte: Gelgia Herzog und Patrick Tschan in der Wydekantine. Foto: Tobias Gfeller
Dornach und Dorneckberg23.09.2026

Kulturlokal auf Helfersuche

Die Wydekantine hat sich in wenigen Jahren zum anerkannten Konzerthaus entwickelt. Um die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, sucht das Team nach neuen…