Was darf Schulraum kosten?

Dornach braucht neuen Schulraum. Der Standort Brühl soll als Erstes erneuert werden. Das Wochenblatt hat bei einem Rundgang vor Ort mit Bildungschefin Maria Montero Immeli über die Projektvarianten gesprochen.

«Panama»: Das Siegerprojekt überzeugte durch Flexibilität in der Nutzung.Visualisierung: zvg

«Panama»: Das Siegerprojekt überzeugte durch Flexibilität in der Nutzung.Visualisierung: zvg

Provisorien rund um den Schulhof: Der Platz im Schulgebäude am Standort Brühl reicht längst nicht mehr aus.Foto: Fabia Maieroni

Provisorien rund um den Schulhof: Der Platz im Schulgebäude am Standort Brühl reicht längst nicht mehr aus.Foto: Fabia Maieroni

Die Dornacher Schulgebäude sind – wie so einige in den umliegenden Gemeinden – in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Das Primarschulgebäude Brühl stammt aus den 1960er-Jahren, ein zusätzlicher Trakt D wurde in den 1990er-Jahren angebaut. Provisorien umrahmen den Schulhof – denn der Platz reicht heute nicht mehr für alle Schülerinnen und Schüler aus. Deshalb hat die Gemeinde im vergangenen Jahr einen Architekturwettbewerb für die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage lanciert. «Panama» heisst das Siegerprojekt, das Anfang Jahr von der Gemeinde vorgestellt wurde. Das Zürcher Architekturbüro Mentha Walther hat die Jury durch eine einfache Grundstruktur und flexible Aufteilung überzeugt.

Die Planung sieht neben neuen Schulräumen auch Platz für einen Kindergarten, einen Bewegungsraum sowie eine Tagesstruktur vor. Letztere bietet aktuell der Verein Mitti im Treff 12 an.

Der Bedarf an Schulraum ist in den vergangenen Jahren gestiegen – die flexible Nutzung von Räumen für Unterricht, Gruppenarbeiten oder individuellen Förderunterricht sei dabei entscheidend, sagt Gemeinderätin Maria Montero Immeli (Mitte), die das Ressort Bildung verantwortet. «Der Lehrplan setzt voraus, dass Schülerinnen und Schüler individuell gefördert werden. Auch Kinder der Tagesschule Dornach werden hier integrativ unterrichtet.» Dafür ist der Schulraum nicht ausgerichtet: Trakt D ist nicht rollstuhlgängig.

Preis hängt von Klassenzimmern und Ort des Baus ab

Der Gemeinderat hat die Verwaltung im Juni beauftragt, Einsparpotenzial in der Höhe von 5 bis 10 Millionen Franken aufzuzeigen. Nun liegen vier Varianten der Schulraumerweiterung vor. Dabei unterscheiden sie sich im Wesentlichen bei der Anzahl Klassen – beziehungsweise Kindergartengruppen – und dem Ort, wo der Neubau realisiert wird. Bei der teuersten Variante wären 18 Klassenzimmer und zwei neue Kindergärten vorgesehen, bei den anderen drei günstigeren Varianten plant die Gemeinde mit nur 15 Klassen und einem Kindergarten. Die Sanierung und Erweiterung des Trakts A/B (Mittelstufe) ist bei allen Varianten enthalten.

Die Kosten variieren je nach Variante zwischen rund 44 Millionen und 33 Millionen Franken. Die hohe Preisspanne lässt sich damit erklären, dass die Schulräume an unterschiedlichen Orten gebaut werden. Bei der günstigsten Variante etwa würden Tagesstruktur und Bewegungsraum neben dem Kindergarten auf der freien Wiese (Parzelle 3167) gänzlich neu erstellt, Trakt D bliebe unverändert bestehen. Bei anderen Varianten würde dieser Trakt neu gebaut. Die Kosten für die Sanierung von Trakt A/B sind bei allen Varianten miteinberechnet.

Günstiger bauen, später aufstocken?

Aus Sicht von Fach- und Lehrpersonen sei der Bedarf an neuem Schulraum dringend: «Wir können dem Lehrauftrag nicht vollständig nachkommen, weil etwa bei Gruppenarbeiten die Räumlichkeiten fehlen. Die Schülerinnen und Schüler müssen dann auf dem Gang arbeiten», so Montero Immeli. Dazu kämen beengte Verhältnisse für Lehrpersonen im Aufenthaltsraum oder in den Büros der Schulleitung.

Der Bedarf sei anhand von Prognosen der Schülerzahl ermittelt worden. «Kurzfristig nimmt die Zahl der Schülerinnen und Schüler ab, dann soll sie gemäss Prognosen allerdings wieder ansteigen», sagt die Bildungschefin und verweist auf neue Wohnquartiere wie das Wydeneck, wo Hunderte Wohnungen geplant sind. Das wirft die Frage auf, weshalb die Gemeinde nicht von Anfang an mit ausreichend Klassenzimmern rechnet. Montero sagt: «Der Gemeinderat muss sich genau diese Frage stellen. Wollen wir genügend Schulräume bauen, die vielleicht in den ersten Jahren anderweitig genutzt werden, oder wollen wir den Schulraum knapp bemessen und dann in einigen Jahren die neuen Gebäude aufstocken?» Für eine spätere Erweiterung des Schulraums bei einem Anstieg der Schülerzahlen könnten Gebäudeteile bei allen Varianten ergänzt werden. Bei den meisten Varianten würde der neue Trakt D aufgestockt. Für jene Variante, bei welcher der heutige Trakt D bestehen bliebe, müsste eine andere Lösung gefunden werden, so Montero Immeli.

4 Millionen Franken für Provisorien

Wie der Schulbetrieb während der Bauarbeiten weitergeht, muss die Gemeinde noch klären. Die Bauverwaltung schlägt vor, die Bauzeit auf zwei bis zweieinhalb Jahre zu begrenzen und den Unterricht in Provisorien auszulagern. Diese schlagen mit 4 Millionen Franken zu Buche. Werde der Bau bei laufendem Betrieb realisiert, verdopple sich die Dauer und der Bauablauf sei durch Einschränkungen, Mehrkosten und höhere Projektrisiken erschwert.

Der Gemeinderat hat die Projektteamgruppe zusammen mit Mentha Walther beauftragt, Varianten zwei, drei und vier vertieft auszuarbeiten. Auf dieser Grundlage will der Gemeinderat schliesslich eine definitive Variante bestimmen, die der Gemeindeversammlung voraussichtlich am 3. März 2027 vorlegen wird. Dort kann der Souverän dann auch entscheiden, ob er den Neubau mit oder ohne einen Bewegungsraum realisiert haben will.

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