Vielseitiger Tastenvirtuose

Am nächsten Sonntag spielt der Pianist Benjamin Engeli mit dem Orchester Dornach im Goetheanum das Klavierkonzert Nr. 4 von Beethoven. Das «Wochenblatt» sprach mit ihm über seine Beziehung zu Dornach und zur Musik.

Kraftvoller und doch subtiler Anschlag: Der Pianist Benjamin Engeli bei der Probe. Foto: Thomas Brunnschweiler
Kraftvoller und doch subtiler Anschlag: Der Pianist Benjamin Engeli bei der Probe. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Wochenblatt:Herr Engeli, Sie zählen zu den vielseitigsten Pianisten der jungen Generation, sind Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und musizierten schon auf praktisch jedem Kontinent. Wie ergab sich das Konzert in Dornach?
Benjamin Engeli: Es ist bereits das dritte Mal, dass ich mit dem Orchester Dornach musiziere, und mit dem Dirigenten Jonathan Brett Harrison sogar schon zum fünften Mal. Ich schätze seine Arbeit sehr und habe die beiden Konzerte vor vier bzw. sieben Jahren in Dornach in bester Erinnerung. Es war Jonathans Wunsch, zu seinem 20-Jahr-Jubiläum als Dirigent dieses Orchesters das wunderschöne Werk von Beethoven aufzuführen, und es hat mich natürlich sehr gefreut, dass er dabei an mich als Solisten gedacht hat.

Neben Ihrer solistischen Karriere spielen Sie beim Tecchler Trio und beim Gershwin Piano Quartet. Wie bringen Sie dies und Ihre zusätzliche Arbeit als Dozent für Kammermusik an der Hochschule für Musik in Basel unter einen Hut?
Benjamin Engeli: Ich liebe es, in eine Rolle zu schlüpfen und dort mit vollem Einsatz so viel wie möglich zu erreichen und die Musik zum Klingen zu bringen. Dabei scheint mir das Wichtigste, dass die Neugierde niemals gestillt ist, zu ergründen, was sich hinter den Noten verbirgt, was uns der Komponist mitteilen möchte, welche Emotionen transportiert werden. Dann spielt es keine Rolle mehr, in welcher Formation oder Funktion ich gerade tätig bin.

Sie wurden in Ihrer Ausbildung von Adrian Oetiker und Homero Francesch betreut und erhielten zudem Unterricht von Maurizio Pollini und Andràs Schiff. Können Sie sagen, in welcher Weise Sie von den letzteren profitieren konnten?

Benjamin Engeli: Um es pointiert – und damit auch sehr vereinfacht – zu formulieren: Maurizio Pollini ist der akribische Arbeiter, Andràs Schiff der inspirierte Künstler. Beides sind Grundvoraussetzungen für einen Musiker. Bei Pollini ging es vor allem auch um Neue Musik, und er hat niemals locker gelassen, bis jeder Ton an seinem ihm bestimmten Platz war. Schiff hat sich in der Arbeit mit mir auf Mozart beschränkt, und dort die ganze Welt des Genies quer durch alle musikalischen Gattungen ergründet. Die eigentliche «Arbeit» der pianistischen Ausbildung verdanke ich Adrian Oetiker und Homero Francesch.

Das Klavierkonzert Nr. 4, G-Dur, op. 58 von Beethoven ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Klavierliteratur. Welches Verhältnis haben Sie persönlich zu diesem Werk?
Benjamin Engeli: Es ist das einzige der fünf Konzerte Beethovens, welches ich bisher noch nicht aufgeführt habe. Wahrscheinlich ist es gut, dass ich bis jetzt damit warten konnte. Es ist ein wunderbares, aber gleichzeitig auch sehr heikles und fragiles Werk, das von kleinen Nuancen lebt und bei dem man dem entsprechend viel falsch machen kann. Man kann sagen, dass es mit seinen vielen Girlanden und Temposchwankungen den Weg bereitet zu den grossen romantischen Konzerten, und trotzdem hat es bei aller Fortschrittlichkeit etwas Mildes, Abgeklärtes und Rückwärtsgewandtes. Hier den richtigen Ton zu treffen, ist nicht einfach, aber man wird dafür reich belohnt.

Konzert im Goethanum am Sonntag, 6. November, 16.30 Uhr. Verkauf: Raiffeisenbank Oberdornach sowie <link http: www.orchester-dornach.ch orchester-dornach.ch external-link-new-window>www. orchester-dornach.ch.

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