Tollkühne Fahrer in ihren knatternden Boliden

Mit dem «Gempen-Memorial» erweckt der ACS den Mythos der früheren Bergprüfungsfahrt zu neuem Leben. Ein Volksfest war es auch schon damals.

Das historische Bild: Die erstmaligen Ausgabe der Bergprüfungsfahrt vom 21. Oktober 1911 endete auf der Höhe des Friedhofs in Gempen. Foto: ZVG/Dornacher Chronik
Das historische Bild: Die erstmaligen Ausgabe der Bergprüfungsfahrt vom 21. Oktober 1911 endete auf der Höhe des Friedhofs in Gempen. Foto: ZVG/Dornacher Chronik

Thomas Brunnschweiler

Wenn am Samstag, 10. September, die Oldtimer die kurvenreiche Gempner Bergstrecke erklimmen, werden die Herzen vieler Autofans höher schlagen. Bestimmt werden auch die beiden Dornacher Franz Kilcher und Max Wetterwald — beide Jahrgang 1934 — ebenfalls wieder an der Strecke stehen. So wie damals im Jahre 1947, als die letzte Bergprüfungsfahrt stattfand. Die beiden Senioren erinnern sich noch gut an jenes Ereignis. «Von der Stimmung ist mir vieles geblieben», sagt Wetterwald, «in den Trainings rasten die Autos mit über 100 km/h die Hauptstrasse hinauf. Heute wäre so etwas verboten, damals war es eine Attraktion.» Wetterwald machte eine hautnahe Begegnung mit dem roten Alfa Romeo des Siegers Jean Studer. «Während des Trainings stand der Wagen, der schon damals alle Blicke auf sich zog, bei der Tankstelle von Käch. Ich berührte den heissen Auspuff und verbrannte mir daran die Finger.»


Viel Staub aufgewirbelt
Kilcher wie Wetterwald erinnern sich an die staubige Naturstrasse, die in den Kurven nur notdürftig geteert und ansonsten mit einer ölhaltigen Flüssigkeit bespritzt wurde. «Staub wurde aufgewirbelt», sagt Wetterwald, «die Autos spulten durch und schleuderten in den Kurven. Mehr als heute war das Können der Fahrer gefragt.» Die meisten Menschen sahen dem Spektakel oberhalb der Strasse zwischen dem Munitionsdepot und der sogenannten Gerisauer-Kurve zu. «Damals war dort noch eine Wiese und kein Wald wie heute. Es hatte sicher über 1000 Leute dort», so Wetterwald. Franz Kilcher erinnert sich an die Tribüne beim Ramstel, die für zahlende oder Ehrengäste bestimmt war. «Es war ein riesiges Volksfest», erinnert sich Kilcher, «das Gempenrennen hat viel zu meiner späteren Begeisterung für Rennwagen beigetragen.»


Mythos Gempenrennen
Bereits 1909 machte sich die Sektion Basel des ACS auf die Suche nach einem Austragungsort. Trotz der Gefährlichkeit der Strecke entschied man sich für eine Gempen-Bergprüfungsfahrt.
Am 21. Oktober 1911 war es soweit und es fiel erstmals der Startschuss für das Teilnehmerfeld. Die Rennstrecke mass 5,6 Kilometer und wies 323 Meter Höhenunterschied auf. Die Solothurner Regierung gab die Gempenstrecke unter der Bedingung frei, dass man von einer «Bergprüfungsfahrt» sprach und nicht von «Rennen». Die nächsten Bergprüfungsfahrten fanden 1912 und 1914 statt. Dann unterbrach der Erste Weltkrieg die Serie. Von 1922 bis 1926 fand die Gempen-Bergprüfungsfahrt jedes Jahr statt. Am 23. April 1923 schwärmte das Tagblatt für das Birseck, Birsig- und Leimental: «Ruhe ist wieder eingekehrt im Ramstal und verwundert sind nur noch die blinkenden Bäume und der hohe Wald, die gestern allzu stark aus ihrem Frühlingsdasein aufgeweckt worden sind. Aber schön wars doch. Unheimlich schön.» Insgesamt wurde im Zeitraum von 1911 und 1947 neunmal das offizielle Gempenrennen durchgeführt.

Im Jahr 1924 nahmen Autos von 18 Marken teil, deren Namen heute nicht mehr geläufig sind: Amilcar, Ansaldo, Bignan, Hispano-Suiza, Lanois, Pic-Pic oder Zedel. 10 000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das Rennen. Die Bergprüfungsfahrt von 1925 wurde als geschlossenes Clubrennen ausgetragen. Von den 32 Teilnehmern waren vier Damen. Die Bestzeit von Campari entsprach einem Stundenmittel von 66,66 Stundenkilometern. Nur Käufer des offiziellen Programms durften die Rennen an der Gempenstrasse verfolgen, was in der Presse als «etwas preussisch» kritisiert wurde.


Zahlungsunwillige Zuschauer
Die letzte offizielle Bergprüfungsfahrtvon Dornach nach Gempen fand, wie erwähnt, am 14. September 1947 statt. Auch damals war der Eintrittspreis ein Thema und das Mitteilungsblatt des Automobil-Clubs der Schweiz Sektion Basel stellte fest, «dass sich Tausende von Zuschauern ohne Bezahlung des Eintrittsgeldes in äusserst unsportlicher Weise gedrückt hatten».

 

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