Neue Frauengruppe: vom Zuhören zum Mitreden

Vor kurzem formierte sich die Gruppe «Frauen für Dornach». Ihr Anliegen: mehr weibliche Mitwirkung und Sichtbarkeit im Dornacher Dorfleben und darüber hinaus.

Wollen Brücken bauen: (v. l.) Lisa Wüst, Christine Dettli, Wiebke Dibbern, Barbara Stettler (vorne), Brigitte Kaldenberg und Monica Palatini von der Gruppe «Frauen für Dornach». Foto: Florin Bürgler
Wollen Brücken bauen: (v. l.) Lisa Wüst, Christine Dettli, Wiebke Dibbern, Barbara Stettler (vorne), Brigitte Kaldenberg und Monica Palatini von der Gruppe «Frauen für Dornach». Foto: Florin Bürgler

Welche Relevanz und welches Mobilisierungspotenzial für das Thema in der Luft liegen, zeigte die Debatte rund um die Streichung der Gelder für die Prävention von Gewalt an Frauen vor wenigen Wochen auf eindrückliche Art und Weise: Innert kürzester Zeit wurden schweizweit eine halbe Million Unterschriften gesammelt. Für Barbara Stettler aus Dornach ist das ein Mut machendes Zeichen dafür, was möglich ist, wenn sich Frauen solidarisieren und gemeinsam ihre Stimme erheben. Allgemein sei eine zunehmende Tendenz hin zu Spaltung und Egoismus in der Gesellschaft zu spüren, die sie bereits im Jahr 2020 dazu bewegte, in Dornach, wo sie seit vielen Jahren zu Hause ist, selbst etwas anzureissen, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Stettler gründete das Netzwerk «Kraft des Dorfes», das eine bewusstere Nachbarschaft und das Zusammenleben wieder mehr in den Fokus rücken will. Dafür werden mehrmals im Jahr Anlässe wie die sogenannten Potlucks organisiert, an denen interessierte Leute aus Dornach beim gemeinsamen Mitbring-Buffet miteinander in den Austausch kommen.

Mit ihrer neuen Initiative setzt sich die engagierte Dornacherin nun konkret für folgendes Thema ein: die Mitwirkung und Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum, beziehungsweise eben gegen den Mangel davon. Als Beispiel zieht Stettler das Szenario einer typischen Gemeindeversammlung heran: «Frauen haben tendenziell den Drang, sich selbst eher zurückzunehmen und das eigene Wissen und Können beziehungsweise den Mehrwert einer eigenen Wortmeldung ständig zu hinterfragen. Im Gegensatz dazu melden sich Männer häufig schneller zu Wort und vertreten ihre Positionen mit hohem Selbstbewusstsein.» Dadurch blieben wertvolle Einsichten und Perspektiven unberücksichtigt, die das gesellschaftliche und politische Miteinander bereichern und voranbringen würden.

Räume sind zum Nehmen da

Stettler betont, dass sich die Anliegen, die sie mit den Gleichgesinnten in der Gruppe «Frauen für Dornach» verfolgen möchte, nicht grundsätzlich gegen Männer richten – vielmehr möchten sie ein ganzheitliches Denken in den Fokus rücken: «Wir erwarten nicht, dass uns jemand einfach so mehr Raum gibt. Uns geht es darum, dass wir lernen, mutiger Raum zu beanspruchen.» Sie fügt einen interessanten Punkt an: Während Männernetzwerke in Zünften oder im Militär gesellschaftlich und historisch verankert und respektiert seien, würde die Organisation und Mobilisierung von Frauen häufig schnell als feministische Verschwörung abgetan. Damit habe «Mann» die Stimmen von Frauen über die Zeit hinweg kleingehalten, die nun auch im öffentlichen Raum fehlen würden. Um das zumindest in Dornach anzugehen, hat Stettler besagte Initiative ins Leben gerufen und bereits rund 15 interessierte Mitstreiterinnen versammeln können. Bei der ersten gemeinsamen Sitzung vergangene Woche seien erste Ansätze diskutiert worden, vieles sei aber erst noch am Entstehen und der Rahmen offen, vor allem auch für weitere interessierte Frauen aus Dornach, die sich in irgendeiner Form einbringen möchten.

Optimismus und Tatendrang

In den nächsten Monaten werde sich zeigen, was sich daraus entwickelt – Ideen gäbe es laut Stettler schon mal so einige: Gesprächskreise bilden, Arbeitsgruppen ins Leben rufen, Workshops zum Thema Auftrittskompetenz durchführen oder mit Kulturaktionen auf sich aufmerksam machen. Die Initiantin von «Frauen für Dornach» blickt jedenfalls mit einer gesunden Portion Optimismus und Tatendrang nach vorne: «Ich wünsche mir, dass wir eine grosse, vielfältige Frauengruppe unterschiedlichen Alters werden – unabhängig vom politischen Hintergrund – und gemeinsam lernen, uns in öffentlichen Räumen liebevoll wie auch hartnäckig einzubringen.»

Weitere Artikel zu «Dornach und Dorneckberg», die sie interessieren könnten

Umfangreicher Massnahmenkatalog
Dornach und Dorneckberg14.01.2026

Umfangreicher Massnahmenkatalog

Der Gemeinderatverabschiedete an seiner ersten Sitzung im neuen Jahr das Legislatur-programm – neu mit einem Slogan.
Spielt Anne Frank: die deutsche Sopranistin Meike Hartmann. Foto: zVg
Dornach und Dorneckberg07.01.2026

Das Tagebuch der Anne Frank:Ein musikalisches Seelen-Porträt

Das Neue TheaterDornach bringt ab dem17. Januar «Das Tagebuch der Anne Frank» auf die Bühne. Sopranistin Meike Hartmann gibt einen Einblick in die…
Tritt ab: Lorenz Altenbach im Garten des Klosters Dornach, dessen Stiftungsrat er 20 Jahre lang präsidierte.Foto: Tobias gfeller
Dornach und Dorneckberg17.12.2025

Vom Freiwilligenprojekt zum KMU

Nach knapp 20 Jahren im Amt gibt Lorenz Altenbach das Präsidium der Stiftung Kloster Dornach ab. Mit dem Stiftungsrat hat er mehrere wegweisende Entscheidungen…