«Liebe ist ein Mord, der dich am Leben lässt»

Vergangene Woche ging die Premiere von «Orpheus & Eurydike» im Neuen Theater Dornach über die Bühne. Speziell daran: Die Aufführung endet dort, wo für die meisten die Geschichte erst beginnt.

Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspieler: Theater Junges M spielt, erzählt und tanzt die Geschichte von «Orpheus & Eurydike». Foto: Cornelius Hunziker
Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspieler: Theater Junges M spielt, erzählt und tanzt die Geschichte von «Orpheus & Eurydike». Foto: Cornelius Hunziker

Man meint, ihre Geschichte zu kennen: Der talentierteste Musiker der Antike, Orpheus, der es sogar schaffte, Steine zu Tränen zu rühren, verliert seine über alles geliebte Frau Eurydike nach nur kurz weilendem Liebesglück. Vor lauter Trauer sieht Orpheus keinen anderen Ausweg mehr, als mit seiner Leier und seiner Stimme bewaffnet in die Unterwelt hinabzusteigen, um sie wieder zurückzuholen. Durch die atemberaubende und unvergleichbare Schönheit seines Gesangs schafft Orpheus das Unmögliche: Hades und Persephone gewähren ihm, Eurydike wieder ins Reich der Lebenden zu holen. Unter einer Bedingung: Auf dem Weg zurück nach oben darf Orpheus sich keinesfalls umdrehen, um nach ihr zu sehen. Kurz vor dem Erreichen des rettenden Tageslichts wird Orpheus von seinen Zweifeln und der Sehnsucht überwältigt – er dreht sich zu ihr um und sieht sie noch ein letztes Mal, bevor sie für immer zurück in die Schattenwelt gezogen wird.

Harfe und Querflöte statt Gesang und Leier

Bei der Inszenierung, die als Co-Produktion von Sprachhaus M und dem Neuen Theater selbst entstanden ist, steht die Geschichte davor im Zentrum: Wer waren «Orpheas» und «Evrithiki», woher kamen sie und welche Entwicklung machten sie durch? Die Namen wurden dabei stets griechisch ausgesprochen, was nach kurzer Umgewöhnung den Effekt verstärkte, hier eine neue Erzählung von etwas Altbekanntem zu erleben.

Das Bühnenbild bestand aus mehreren Plastikkübeln, die gespiegelt auf jeder Seite der Bühne platziert waren. Nebenbei lagen einige Holzstäbe, die gemeinsam mit den Wasserbehältern auf unterschiedlichste Art und Weise in Szene gesetzt wurden: als Schwert, als Ruder, als Sense, als Brücke oder als Bindeglied zwischen zwei Figuren. Ebenfalls nennenswert war die Raumkomposition: Neben den Schauspielerinnen und Schauspielern gehörten auch zwei Musikerinnen und Musiker zum Ensemble, deren Instrumentenplätze jeweils mitten auf den gut gefüllten Publikumsrängen aufgebaut waren.

Troubadour des Helikon

Im Prolog der Aufführung fiel bald schon der Satz «Liebe ist ein Mord, der dich am Leben lässt», womit gleich die Stimmung und das Setting für die folgende Erzählung gesetzt wurden. An vielen Stellen wurde der Text zuerst von einem Ensemblemitglied auf Griechisch gesprochen, bevor er entweder auf Deutsch wiederholt oder mit Übertiteln eingespielt wurde. Das verlieh dem Ganzen ein zusätzliches Element von Authentizität und Nahbarkeit, mit dem man in die «Vorgeschichte» von Orpheus und Eurydike eintauchte: Orpheus wurde als Sohn der Muse Kalliope und des Flusses Oiagros geboren. Er wurde nach seiner Geburt von allen Musen gesegnet – oder geküsst, wie man so schön sagt. Er wuchs behütet auf und zog später mit seiner Leier und seiner unvorstellbar schönen Stimme durch die Welt und war überall willkommen. «Er war ein Troubadour, ein Rockstar des Berges Helikon», doch irgendwann stieg ihm der Ruhm zu Kopf, und er brannte aus. Seine geniale Muse erlosch, und er wanderte orientierungslos umher, wo er dann in einem unbedeutenden Tempel auf Eurydike traf, die dort der Jagdgöttin Artemis dienen musste.

Sie verliebten sich unsterblich ineinander und heirateten kurz darauf, jedoch ohne die Gunst der Göttin Artemis, der Eurydike verpflichtet war. Nach kurzem Liebesglück wurde sie verflucht, und Artemis liess jede Lebenslust aus Eurydike weichen. Orpheus versuchte alles, um seine grosse Liebe davon zu befreien, und schloss sich in der Hoffnung auf Antworten den räuberischen Argonauten an. Acht lange Jahre war er weg, doch kurz vor seiner Rückkehr wird Eurydike auf der Flucht vor Hirte Aristaios, der ihr nachstellt, von einer Giftschlange gebissen und stirbt.

Ganz am Ende des rund 90-minütigen Theaterstücks kam man zu dem Punkt, an dem für die meisten bisher die bekannte Geschichte von Orpheus und Eurydike begann, und füllte eine Lücke, von der man nicht wusste, dass es sie gab, und doch am Ende froh ist, sie geschlossen zu haben.

Weitere Vorstellungen: 13. / 14. / 15. März im Neuen Theater Dornach. Tickets und weitere Informationen: neuestheater.ch

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