Mit Franz Hohler auf Kirschblütenpfaden
Auf Einladung von Nebelfrei kam Schriftsteller Franz Hohler am vergangenen Donnerstag nach Nuglar-St.Pantaleon. Während eines Spaziergangs mit der Bevölkerung las er Geschichten vor, die in der Gegend spielen.

«Ich führe ein alphabetisches Verzeichnis über die Orte, an denen ich aufgetreten bin. Mit Nuglar-St. Pantaleon schliesst sich eine Lücke», sagte Schriftsteller Franz Hohler, der auf Einladung von Nebelfrei Nuglar-St.Pantaleon zu einem Spaziergang mit der Bevölkerung gekommen war. Hohler hatte 2003 in seinem Text «Das Kirschblütenfest» über eine Wanderung in der Gegend geschrieben. «Wir haben in den vergangenen Jahren an unseren Kirschblütenspaziergängen öfters diese Wanderung organisiert und dabei den Text vorgelesen. Bei einer Lesung von Franz Hohler dachte ich mir, es wäre doch eine schöne Sache, ihn in unsere Gemeinde einzuladen, damit er selbst seinen Text vorliest. Also schrieb ich ihn an. Wer nichts wagt, gewinnt nichts», so Christine Schriber, die als Vorstandsmitglied vom Ortsverein Nebelfrei den Anlass initiiert hatte. Ihr Ansinnen trug Früchte, der Schriftsteller sagte zu.
Gegen 100 Neugierige hatten sich am vergangenen Donnerstag um 18 Uhr auf den Dorfplatz in Nuglar versammelt, um der von Franz und Ursula Hohler angeführten Prozession zu folgen. Beim rund zweistündigen Rundgang um die Dörfer machte der Umzug dreimal Station, um Hohlers Lesung zu lauschen. «Als ich 60 Jahre alt wurde, beschloss ich, jede Woche eine Wanderung zu machen und darüber zu schreiben. Daraus entstand das Buch ‹52 Wanderungen›», erzählte Hohler an der ersten Station und las den Text «Das Kirschblütenfest» vor, welcher auch in Nuglar spielt. Darin suchte Hohler damals nach der Post in Nuglar, weil sein Bruder Poststempel sammelte. «Ich fragte eine Frau, wo die Post sei, und sie sagte mir die Wahrheit: Im Volg! Die Zeiten, da Nuglar ein eigenes Postgebäude und eine ganztags funktionierende Post hatte, sind vorbei.»
Der wandernde Schriftsteller
Überhaupt wurde deutlich, dass Hohler äusserst gerne Spaziergänge und Wanderungen unternimmt. «Ich machte einen Spaziergang und schrieb darüber unter dem Titel ‹Schwarzbubenland›. Dann unternahm ich einen weiteren Spaziergang, dann noch einen und noch einen. Beim vierten dachte ich mir: Daraus gibt es wohl wieder ein Buch. Tatsächlich kam es so. Das Buch heisst ‹Spaziergänge›». An der zweiten Station las Hohler aus eben diesem Buch vor und die Anwesenden dürften sich von den Worten des Schriftstellers durchaus geschmeichelt gefühlt haben. So schrieb Hohler etwa von «Nuglar, im Mekka der Kirschbäume». Weiter ging Hohler in seinem Text auf die Nachbargemeinde Seewen ein, in welcher er die ersten vier Lebensjahre verbrachte.
«Oh, ich wusste gar nicht, dass Sie noch leben!»
An der dritten Station las Hohler über «Allmählichkeitsschäden», ein Wort, welches für ihn mit dem Alter einhergehende Veränderungen auf den Punkt bringt. Dazu gab er noch eine kleine Anekdote zum Besten: «Neulich wurde ich auf der Strasse von einem Mann angesprochen, der mich erkannt hatte. Er war ganz erstaunt und sagte: ‹Oh, ich wusste gar nicht, dass Sie noch leben!›» Hohler hat am ersten März dieses Jahres seinen 83. Geburtstag gefeiert und noch immer tritt er jeden Monat an Lesungen auf. «Ich bin gerne ein lebender Dichter», so Hohler lachend.
«Als ich 60 Jahre alt wurde, beschloss ich, jede Woche eine Wanderung zu machen und darüber zu schreiben. Daraus entstand das Buch ‹52 Wanderungen›».


