Dorneckberg: Private Aktionsgruppe stellt ihre Massnahmen gegen Raserei vor
Am Dienstagabend fand nach dem ersten Austausch im Januar ein zweiter Anlass der mittlerweile gegründeten «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» statt. Vor rund 60 Personen wurde der erarbeitete Massnahmenkatalog für den Sommer präsentiert.

«Wir sind hier zusammengekommen, weil sich die Verkehrssituation rund um den Dorneckberg so zugespitzt hat, dass es nicht mehr erträglich ist», sagte Jacqueline Ehrsam zu den rund 60 Interessierten, die am Dienstagabend den Weg ins Feuerwehrmagazin Gempen fanden. Im Vergleich zur ersten Veranstaltung, die am 13. Januar stattfand und rund 50 Personen anzog, schien das Anliegen in der Zwischenzeit also nicht an Relevanz eingebüsst zu haben. Wenig überraschend: Denn nach den bekannten Horrorgeschichten von Kollisionen mit Todesfolgen in den letzten Jahren ereignete sich gerade vor wenigen Wochen erneut ein Selbstunfall auf der Gempenstrasse eines erst 17-jährigen Töfffahrers, der schwer verletzt mit der Rega ins Spital gebracht werden musste.
Problematisch sei für Ehrsam neben der Sicherheit aber zudem auch die Lärmbelastung, die durch die Überbeanspruchung des Dorneckbergs vom Freizeittourismus bis zu illegalen Strassenrennen entstehe, worunter die Lebensqualität der Anwohnenden erheblich leide. «Das können wir nicht mehr einfach so hinnehmen, wir haben doch ein Recht auf Ruhe, welches hier gestört wird», sagte Ehrsam, die deswegen gemeinsam mit Anwohner Lorenzo Vasella vor einigen Monaten das Heft selbst in die Hand nahm – dies auch, weil sie von der Politik zu wenig Tatendrang wahrnehmen.
Informationen, Sensibilisierung und politische Vorstösse
Nach dem Treffen Mitte Januar, bei dem erste Ideen zusammengetragen wurden, folgte auch ein erster Austausch mit dem Gemeinderat Gempen. In einem nächsten Schritt arbeitete die private Aktionsgruppe von rund zehn Personen aus dem ersten Strauss an Ideen konkretere Vorschläge aus, die nun beim zweiten Anlass der mittlerweile gegründeten «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» vorgestellt wurden. Mitgründer Vasella stellte die möglichen Massnahmen für den kommenden Sommer vor, die sich in drei Kategorien aufteilen liessen: Unter «Informationen sammeln» fallen Lärm- und Verkehrsmessungen wie auch das Führen von Gesprächen mit «Töfffahrern und Posern». In die Kategorie «Sensibilisierung» gehören Plakatkampagnen, die Kommunikation mit Fahrschulen wie auch die Option einer Demonstration, die sich über den Strassenrand des Bergs erstrecken soll. Als dritter Hebel werden «politische Vorstösse» genannt, worunter beispielsweise die Einreichung einer Motion fällt, die den Treffpunkt am «Dreieck» – ein Hotspot für viele der erwähnten Poser – unattraktiver machen soll. Zudem soll der Kontakt zu Kanton und Polizei gesichert werden und es liegen weitere Ideen auf dem Tisch, wie das Einführen von Parkgebühren, das Einrichten von Begegnungszonen oder die nächtliche Einschränkung des Zugangs zum Gempenturm prüfen zu lassen. Die allgemeine Reduktion auf Tempo 60 auf der Gempenstrasse ausserorts sei kein offiziell formulierter Vorschlag, da es diesbezüglich intern und in der Bevölkerung verschiedene Meinungen geben würde, meinte Vasella.
Spürbare Frustration
Welche Massnahmen wie schnell und überhaupt umgesetzt werden können, hänge vor allem davon ab, wie viele Freiwillige sich finden lassen und wie viel Geld zusammenkommt, beispielsweise für die Druckkosten der Plakate oder Flyer. Nach den Ausführungen steckten die Anwesenden die Köpfe zusammen und besprachen, ob und wenn ja für welche Arbeitsgruppe man sich einschreiben wollte. Gegenüber dem Wochenblatt äusserten mehrere Personen aus dem Publikum ihren Frust über die aktuelle Situation und das für sie unzureichende Engagement der Politik, auch wenn Einzelne durchaus Verständnis für die teils langwierigen Prozesse und den potenziell begrenzten Handlungsspielraum zeigten, die sich aufgrund unterschiedlicher und teilweise komplexerer Zuständigkeiten zwischen Gemeinde und Kanton ergeben würden. Genau hier würde das private Engagement aber anknüpfen, um gebündelt zu sprechen, weiter Druck aufzubauen und gewisse Dinge selbst anzureissen, statt machtlos danebenzustehen. Ehrsam und Vasella verkündeten als Fazit rund 20 neu eingeschriebene Arbeitsgruppenmitglieder, womit man gespannt sein darf, wie es mit dem privaten Engagement gegen die Raserei auf dem Dorneckberg in naher Zukunft weitergehen wird.
Kanton kündigt Massnahmen an
WOB. Der Kanton Solothurn hat gestern Mittwoch Massnahmen auf der kurvenreichen Strecke angekündigt. Um Unfällen vorzubeugen und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen, werden im Verlauf der Monate Mai und Juni umfassende Markierungs- und Signalisationsarbeiten vorgenommen, schreibt die Staatskanzlei. Von einer Temporeduktion auf 60 km/h will der Kanton nichts wissen: «Besondere örtliche Gefahren oder nachweisbare Sicherheitsgründe» lägen nicht vor.


