«Mich kann man jederzeit in die Natur stellen und ich bin glücklich»

Schnappschuss-Fotografin Angelika Christofori aus Dornach erzählt, wie sie zur Naturfotografie kam, was sie bewegt und antreibt.

Blühende Gartenlandschaft: Die Schnappschuss-Fotografin Angelika Christofori vor ihrem Haus in Dornach. Foto: Désirée Bellwald
Blühende Gartenlandschaft: Die Schnappschuss-Fotografin Angelika Christofori vor ihrem Haus in Dornach. Foto: Désirée Bellwald

Mit der Natur hat Angelika Christofori bereits seit frühester Kindheit ein enges Band geknüpft: «Wir waren ja immer draussen.» Wann immer ihre Eltern sich frühmorgens zum Wanderausflug bereit machten, sei auch sie selbstverständlich aufgestanden und mitgegangen. Heute fotografiert Christofori mit ihrem Mobiltelefon Naturelemente. Von kleinsten Tautropfen über Insekten bis hin zu Pflanzen und Vögel lichtet sie ab, was ihr vor die Linse kommt. «Mich kann man ja jederzeit in die Natur stellen und ich bin glücklich», erklärt Christofori lachend. Diese grosse Leidenschaft für die Natur zeigt sich auch an ihrem üppig blühenden Garten: Von verschiedenen Wildblumen über Vogeltränken bis hin zu Sandlinsen als Brutplatz für bodennistende Wildbienen ist dort alles durchdacht und im Sinne der Tier- und Pflanzenwelt gestaltet.

Mit Herz für Mensch und Natur

Christoforis Engagement richtet sich nicht nur an die wilde Natur, sondern auch an den Menschen. So arbeitete sie als studierte Physiotherapeutin zunächst mit Kindern, ehe sie dort ansetzen wollte, wo es sie wirklich brauchte: bei den älteren, betagten Menschen, die auf Hausbesuche angewiesen sind. Dort begleitete Christofori teilweise schwerstkranke Menschen aus dem Leben hinaus. Wie sie eine emotional so anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen wusste? Durch die eigene Lebenserfahrung und ihre Berührungen mit dem Tod. «Wenn man einmal durch den Prozess der tiefsten Trauer ging, ist man hinterher unglaublich stark», erklärt sie, und man wisse, wie sich der Sterbeprozess anfühlt, könne sich in die Betroffenen hineinversetzen und mit ihnen gemeinsam diesen Weg gehen.

Christofori ist Mutter zweier Töchter. Mit einer von ihnen sei ihr Mann, Gerhard Christofori, zum Zeitpunkt des Interviews gerade unterwegs zum Fotografieren. «Ein bisschen witzig finde ich es ja schon, dass Sie mich und nicht meinen Mann interviewen», schmunzelt sie. Der eigentliche Profi sei er, dessen Kamera-Equipment im Rucksack nie unter zehn Kilogramm wiege.

Das Kleine gross machen

Ihrer grossen Naturliebe verleihen Angelika und Gerhard Christofori gemeinsam im Vorstand des Natur- und Vogelschutzvereins Dornach Ausdruck. Ihr Mann Gerhard, Präsident des Vereins, schiesse die Fotos für die Website und veröffentlichte auch schon ganze Bildbände mit eindrucksvollen Vogelfotos. Angelika ist spezialisiert auf Schnappschüsse: «Es gibt immer etwas zu sehen und wenn mich etwas auf irgendeine Weise speziell oder witzig dünkt, dann knipse ich und lade die Bilder in meiner Whatsapp-Story hoch.» Oder sie sendet sie dem Wochenblatt zu.

Ihr Interesse können kleinste Tautropfen auf Blumen wecken, ebenso wie der Lichteinfall der Sonne in die Samenstände eines Löwenzahns. Dabei gehe es ihr vor allem darum, die kleinen, vermeintlich alltäglichen Dinge in den Vordergrund zu stellen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welch grosses Wunder die Natur selbst im Kleinsten ist. Eine eigene Website habe sie nicht. Zu gross sei ihr der Aufwand und im Grunde gehe es ihr ja vor allem darum, mit Menschen in ihrem Umfeld Naturerlebnisse zu teilen. Insbesondere mit jenen, die nicht mehr mobil genug sind, um die Erfahrungen selbst zu machen.

Das Werk im Kleinen gegen die Hoffnungslosigkeit der weiten Welt

Dass es um die Natur nicht gut steht, beschäftigt Christofori sehr, «aber ich habe gelernt, dass das Einzige, was der Hoffnungslosigkeit entgegenwirkt, das Handeln im Kleinen ist». Mit regelmässigen Aktionen engagiert sich der Natur- und Vogelschutzverein Dornach für den Erhalt der Natur: Darunter Baumpflanzaktionen ebenso wie Wiederansiedelungsprojekte. Unter anderem unterstützt der Verein in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auch aktiv die Verbreitung des Steinkauzes.

Für Vögel haben Angelika und ihr Mann Gerhard Christofori besonders viel übrig. «Wenn man Vögel beobachtet, taucht man in eine komplett andere Welt ab. Man ist aktiv und vollkommen im Moment und vergisst dabei alles andere.» Nebst dem Bewusstsein für die Wunder der Natur ist Christofori gerade das auch ein Anliegen: die Achtsamkeit und das Bewusstsein für den Moment aktiv zu leben.

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