Goethes «Faust» als Sommerfestival

Mit einem Faustfestivalsommer bringt das Goetheanum Goethes «Faust» mit drei Wochenendaufführungen auf die Bühne. Ein Rahmenprogramm lädt dazu ein, sich vertieft mit dem zeitlosen Werk auseinanderzusetzen.

Prominentes Duo: Schauspieler Urs Bihler (der Mephisto spielt) und Regisseurin Andrea Pfaehler. Foto: Caspar Reimer
Prominentes Duo: Schauspieler Urs Bihler (der Mephisto spielt) und Regisseurin Andrea Pfaehler. Foto: Caspar Reimer

Die in Arlesheim lebende Regisseurin Andrea Pfaehler und der in Dornach wohnende Schauspieler Urs Bihler lernten sich auf der Theaterbühne kennen: Im Jahr 2000 spielten die beiden Künstler anlässlich der Eröffnungsinszenierung des Neuen Theaters am Bahnhof Dornach – heute Neues Theater – gemeinsam. «Seit dieser Shakespeare-Aufführung sind wir befreundet und unsere Wege haben sich immer wieder auf künstlerischer Ebene gekreuzt», erzählt Pfaehler.

Seit 2020 zeichnet Pfaehler für die Regie der «Faust»-Produktion am Goetheanum verantwortlich und in diesem Rahmen arbeitet sie wieder mit Bihler zusammen – so auch am bevorstehenden «Faustfestivalsommer am Goetheanum». An drei Wochenenden im Juli werden Goethes «Faust» 1 und 2 gezeigt. Bihler hat sein Leben ganz dem Theater gewidmet, Bühnen in Zürich, Berlin, Paris und Basel bespielt. «Einen Schauspieler mit so einer reichen Theatererfahrung dabeizuhaben, ist eine grosse Bereicherung für diese Inszenierung», sagt Pfaehler. Bihler spielt bei der Inszenierung die Rolle des Mephisto, wobei er sich diese mit anderen Schauspielern teilt. «Ich muss nicht die ganze Last der Rolle tragen», sagt der 81‑Jährige schmunzelnd. Trotz seines Alters – und sehr hohen Temperaturen während des Interviews – strahlt der Mann, der ein gehobenes Baseldeutsch spricht, eine Präsenz aus, wie sie erfahrenen Schauspielern eigen ist. «Ich darf die Sahnehäubchen der Rolle des Mephisto spielen», erzählt er und sagt weiter: «Die Bedeutung der Rolle liegt darin, dass ich dabei etwas ausleben kann, was im Alltag mit schlechten Gefühlen verbunden wäre – nämlich das Böse, das Zynische, das Verschlagene. In meiner Rolle als Mephisto kann ich das lustvoll und intelligent darstellen. Der Teufel soll lebensfroh sein.» Bihler stellte Mephistopheles – wie Goethes Figur mit vollem Namen heisst – bereits 1966 zum ersten Mal am Bühnenstudio Zürich dar: «Das war meine erste Begegnung mit der Rolle.»

Von 17 auf 9 Stunden gekürzt

Im Rahmen des Festivalsommers wird das Werk am Goetheanum nun bereits zum 100. Mal gespielt. Als Erste inszenierte Marie Steiner im Jahr 1938 eine Gesamtaufführung. Für Pfaehler besteht zwischen Goethe und Rudolf Steiner eine Art Seelenverwandtschaft. Steiner befasste sich in seinen jungen Jahren eingehend mit Goethe: «Es sind meiner Meinung nach zwei Universalgenies, die sich bei vielen Themen treffen. In Goethes ‹Faust› wird quasi künstlerisch dargestellt, was Steiner später erforschte.» Mit ihrer Inszenierung wolle sie einerseits nah an Goethes Original bleiben, andererseits die Zeitlosigkeit des Inhalts aufzeigen: «Die Figur des Mephisto hat gerade heute ihre Gültigkeit. Wir alle haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen.»

Das Schauspielensemble zeichnet sich durch eine breite Altersspanne aus: Die Darstellerin der Figur Gretchen, Sangita Singh, hat gerade die Schauspielschule abgeschlossen. «Die Altersspanne ist eine grosse Bereicherung für die künstlerische Umsetzung des Werks», sagt die Regisseurin. Die ungekürzte Originalfassung von Goethes «Faust» beträgt rund 17 Stunden Spielzeit, wurde aber für die Inszenierung auf neun Stunden gekürzt: «Die Zeit reicht trotzdem aus, um voll und ganz in die Atmosphäre dieses grossen Werks einzutauchen.»

Rahmenprogramm, Tanz und Picknick

Zum Faustfestivalsommer gehört denn auch ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Podiumsgesprächen: So wird Goethes Werk unter dem Aspekt «Wirtschaft und Zukunft – Faust und Unternehmertum» beleuchtet, wobei Themen wie Eigentum, Macht, Krieg und Frieden im Fokus stehen. Ein anderes Rahmenprogramm geht den Menschen Faust philosophisch an: Unter dem Leitsatz «In deinem Nichts hoff ich das All zu finden» geht es da um den «wahren Menschen in Verbindung mit dem Bösen», so die Veranstalter. Weiter gibt es ein Rahmenprogramm für junge Menschen unter 30 Jahren. Ebenso ist rund um das Goetheanum für das kulinarische Wohl der Besuchenden gesorgt – es gibt auch Tanz und aus altem Bühnenstoff genähte Picknickdecken. Regisseurin Pfaehler bringt es auf den Punkt: «Dass in einem Dorf wie Dornach eine so hochkarätige Veranstaltung stattfindet, ist doch bemerkenswert.»

Faustfestivalsommer am Goetheanum: 10.–12., 17.–19. und 25./26. Juli am Goetheanum Dornach. Weitere Informationen und Tickets: www.faust.jetzt

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