Familienbetrieb mit über 200 Hochstammbäumen: Chirsi-Zyyt auf dem Zehntenhof
Auf dem Hof der Familie Heller herrscht aktuell Betrieb rund um die Uhr.

Seit vier Wochen sind Martin Heller und seine Tochter Nadine Massimino-Heller vom Zehntenhof in Nuglar-St. Pantaleon hochmotiviert bei der Arbeit an ihren Kirschbäumen, welche gut und gerne die Zahl 200 überschreiten. Es sei zurzeit sehr heiss zum Arbeiten, sagt Heller, der wie seine Tochter trotz allem mit Elan und Herzblut bei der Arbeit ist. «Ohne das geht es nicht», sagt Massimino-Heller, welche den Hof seit zwei Jahren als Pächterin führt und diesen im kommenden Jahr von ihrem Vater als Besitzerin übernehmen wird. «Ich freue mich darauf», blickt die gelernte Landwirtin in die unmittelbare Zukunft.
IP-zertifizierter Familienbetrieb
Vater Martin und Tochter Nadine, die beim Besuch des Wochenblatts Langstieler als Konservenkirschen pflücken, erzählen quasi nebenbei, wie der Zehntenhof organisiert ist. «Wir sind ein klassischer, IP-zertifizierter Familienbetrieb», sagt Vater Martin mit Stolz. Sie seien unabhängig von den Grossverteilern, ergänzt das Duo, um auch auf den Umfang des Betriebs hinzuweisen. «Wir haben sicher über 200, zum Teil über 100 Jahre alte, Hochstamm-Kirschbäume, in etwa gleich viele Zwetschgenbäume und rund 100 Apfelbäume. Diese befinden sich auf unserem 30 Hektaren grossen Grund. Diese Felder werden nur natürlich, nur mit Mist und Gülle, gedüngt», sagt Massimino-Heller.
Wichtig sei zudem, dass die Natur dabei ihre Vielfalt beibehalte. Heller ist es wichtig, die «toten» Bäume am Feld so zu belassen. Das sei ausgezeichnet für die Biodiversität. «Hier oben bei uns im Bezirk Dorneck haben wir nicht zuletzt deshalb viele eher seltene Tierarten. Ich beobachte bei meinen Bäumen regelmässig den Grünspecht, den Mittelspecht oder den Buntspecht, die im Totholz Lebensraum finden. Ein Glanzlicht ist zudem immer wieder, den Gartenrotschwanz und der Neuntöter zu sehen», so Heller.
«Kirschen ohne Dach»
Rund die Hälfte der rund 200 Hochstämmer – alte und junge –, die eine lange Zukunft vor sich haben, stehen auf unebenem Terrain. Es ist bergig vor Ort, was die Arbeit zuweilen anspruchsvoll macht. Trotzdem: Man sieht, dass es der Familie und ihrem Personal Spass macht, die «sonnigen Kirschen ohne Dach» zu pflücken. Diese haben einen Durchmesser von 21 und mehr Millimetern und beinhalten die Sorten Holinger (zum Brennen), Langstieler und Muttenzer (für Konserven) sowie die modernen Tafelsorten Cordia, Regina, Star, Christiana oder Schöne von Heidegg. Weitere Sorten, auch nicht mehr genau bestimmbare, oder auch Herzkirschen gehören weiter zum Angebot.
Dass die Bäume beziehungsweise die Kulturen des Zehntenhofs aufgrund der Hitze leiden, steht ausser Frage. «Die aktuell sehr lange Trockenperiode setzte allem zu, wobei der Wind mit dem damit verbundenen Austrocknen des Bodens das Seine dazu beiträgt», hält Heller trocken fest. «So heiss und so extrem lange habe ich noch nie erlebt.»
Handarbeit als gelebte Tradition
Die schonende Produktion ist auf dem Zehntenhof gelebte Tradition. So wird generell viel von Hand erledigt, unter anderem das Ausmähen rund um die Bäume, welche notwendigerweise auch gespritzt werden, dies nach IP-Pflanzenschutzrichtlinien. «Sonst würde die Kirschen- und die Essigfliegen die ganze Ernte vernichten», sagt Heller weiter. Die in etwa zu 50 Prozent eingesetzten Biomittel bringen die Hellers in der Nacht aus, dies zur Schonung von Insekten wie etwa den Bienen.
Die Kirschen werden zum Preis von 6.50 Franken pro Kilo angeboten, unter anderem auch im «Hoflädeli» beim Hof direkt bei der Kirche in St. Pantaleon. Verkauft werden dort auch viele weitere Leckereien wie Fleischprodukte, Konfitüren, Gelees, Tomatensugo, Tannenschössli- oder Löwenzahn-Aufstriche sowie spezielle Kerzen, um nur einiges zu nennen.
Der Obstbau und vor allem die Kirschen sind im Übrigen nur ein Teil des Broterwerbs der Familie. Sie halten parallel auch eine Vielfalt an Tieren wie Pferde, Mutterkühe oder Schafe. Die Tiere werden alle im Herdenverband gehalten und es wird darauf geachtet, dass alles ausgeglichene Gruppen sind, wo sich jedes Tier wohlfühlt. Rege verkauft werden am Hof auch kleine Heuballen zu 22 Kilogramm. Diese seien im Speziellen bei Pferdebesitzern gefragt, sagen die beiden Landwirte.


