Mendelssohns «Walpurgisnacht» im Goetheanum

Applaus für Chor, Solisten und Dirigent: (v. l.) David Bröckelmann, Salomé Jantz,
Applaus für Chor, Solisten und Dirigent: (v. l.) David Bröckelmann, Salomé Jantz,

Peter Koller

Zum ersten Mal gastierte der Studienchor Leimental im Grossen Saal des Goetheanums. Zur Aufführung gelangte, dem Genius loci folgend, «Die erste Walpurgisnacht» von Mendelssohn, eine höchst eindrückliche Vertonung der gleichnamigen Ballade Goethes, in welcher der Komponist alle Register seiner Tonkunst zieht. Die Wiedergabe des Werks geriet unter der souveränen Leitung von Sebastian Goll für die Ausführenden wie für das Publikum zu einem grossen Erlebnis. Die Altistin Anja Kühn, der Tenor Andreas Winkler und der Bass Frank Wörner gestalteten im Wechsel mit dem ausgezeichnet disponierten Chor die dramatischen Sätze mit eindringlicher Wucht und feurigem Ausdruck, die lyrischen Teile mit geschmeidiger Einfühlsamkeit und das hymnische Schlussgebet mit wohlklingender Feierlichkeit.

Das Capriccio Barockorchester zeigte sich in bester Spiellaune und meisterte den virtuosen Part mit grosser Präzision und klanglicher Differenziertheit. Höhepunkt war der Chor der Wächter, in dem so richtig «die Hölle los» war: Mit schier naturalistischer Tonmalerei wurde das Publikum «mit Zacken und mit Gabeln und mit wilden Klapperstöcken» in Schrecken versetzt, bis das chromatische «Geheule von Kauz und Eule» noch einen draufsetzte. Langanhaltender Applaus für die tolle Leistung!

Im ersten Teil des Programms wurde Schuberts Bühnenstück «Rosamunde, Fürstin von Zypern» halbszenisch auf die Bühne gebracht. Dem relativ knappen musikalischen Anteil standen etwas gar umfangreiche Dialogpassagen, gesprochen von Salomé Jantz und David Bröckelmann, gegenüber. Der Chor sang seine kurze, aber zauberhafte Musik sehr gepflegt, speziell gilt das für den anspruchsvollen Geisterchor «In der Tiefe wohnt das Licht», der sinngemäss als Männerchorsatz komponiert ist. Alles in allem ein verdienstvoller Beitrag, die geniale Musik des 26-Jährigen weiterleben zu lassen.

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