Klavierlegende zu Gast

Am Sonntag spielt Jörg Demus im Goetheanum. Das Klavierrezital, das Bach, Schubert, Schumann, Franck und eine Eigenkomposition umfasst, stellt für Dornach eine Sensation dar.

Ein grosser Interpret, aber auch Komponist: Im Goetheanum wird seine Sonatine op. 26 erstmals erklingen.  Foto: ZVG
Ein grosser Interpret, aber auch Komponist: Im Goetheanum wird seine Sonatine op. 26 erstmals erklingen. Foto: ZVG

Obgleich Jörg Demus zu den ganz Grossen der klassischen Musikszene gehört, ist er immer noch der bescheidene, höfliche Herr mit dem österreichischen Akzent, der er wohl schon von Jahrzehnten gewesen ist. Geboren wurde Demus 1928 in St. Pölten. Schon mit 11 Jahren nahm ihn die Wiener Staatsakademie für Musik als Schüler auf. 1950 debütierte er in London und Zürich, 1953 in Paris, wo er als Komet gefeiert wurde. Jörg Demus konzertierte in fast allen Musikzentren der Alten und Neuen Welt, arbeitete mit Dirigenten wie Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch oder Seiji Ozawa zusammen und machte sich auch als wacher und kongenialer Liedbegleiter von Weltstars wie Elisabeth Schwarzkopf, Dietrich Fischer-Dieskau oder Peter Schreier einen Namen.
Wie ist es, mit fast 86 Jahren noch Klavier zu spielen? «Ich war vor drei Jahren sehr krank», sagte Demus im Gespräch mit dem «Wochenblatt», «ich dachte: Was mache ich, wenn ich gesund werde und nicht mehr so gut spiele? Ich sagte mir: Du musst besser spielen. Und tatsächlich glaube ich, dass ich manches besser mache als vorher.»


Vielfach ausgezeichnet

Geehrt wurde Demus mit dem Beethoven-Ring von Wien, der Mozartmedaille der Wiener Mozartgemeinde, dem Ehrendoktor der Universität Amherst, dem Schumann-Preis von Zwickau, dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse und der Ritterschaft der französischen Ehrenlegion. Als Sammler von alten Tasteninstrumenten hat er sich für die Rehabilitierung des Hammerklaviers stark gemacht und die Originalklangbewegung unterstützt.
Neben dem Buch «Abenteuer der Interpretation» erschien von ihm ein Werk über die Klaviersonaten Beethovens. In den letzten Jahren trat Demus dazu als Komponist in Erscheinung. Seine Sonatine op. 26 wird in Dornach erstmals erklingen und ist so dem Goetheanum und den japanischen Meisterschülern gewidmet. Denn Demus ist auch ein begnadeter Pädagoge, dessen Meisterkurse begehrt sind. Der zurückhaltende Interpret klassischer und romantischer Klaviermusik ist bis heute für seine ausgesprochen lyrische Anschlagkultur und sein flexibles Rhythmusempfinden bekannt. Nie hatte er die «auftrumpfend-virtuose Geste» heutiger Jungspunde, und zusammen mit Brendel, Badura-Skoda und Ingrid Haebler lief er nie Gefahr, «pianistische Brillanz als Qualität an sich zu zelebrieren» (Wolfgang Sandner, FAZ). Gewisse Kritiker halten ihn für den besten Schumann-Interpreten. Vor rund dreissig Jahren spielte er im Rahmen von «Musik in Riehen» erstmals in der Region. In anthroposophischen Einrichtungen trat er schon oft auf. Demus’ Motto heisst «Ich lebe die Musik, die ich spiele.» In Schaffhausen, wo er vor kurzem konzertierte, überzeugte er damit sein Publikum: Es gab stehende Ovationen.
 Klavierkonzert mit Jörg Demus. Goetheanum, Grosser Saal, Sonntag, 19. Oktober 2014, 16.30 Uhr.

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