Müll und entwendete Kerzen in der Kapelle St. Wendelin

Die Kapelle St. Wendelin in Nuglar existiert seit mehr als 300 Jahren. Protestanten und Katholiken feiern darin bis heute Gottesdienste. Wanderer nutzen das Kulturgut als Ausgangspunkt für Rundwege durch die idyllische Region. Idylle herrschte auch im Inneren der Kapelle. Bis Diebstähle und Müll diese trübten.

Kulturgut: Die Kapelle St. Wendelin in Nuglar, in der jeden Dienstagmorgen ein katholischer Gottesdienst gefeiert wird. Foto: zvg/Schönenberger
Kulturgut: Die Kapelle St. Wendelin in Nuglar, in der jeden Dienstagmorgen ein katholischer Gottesdienst gefeiert wird. Foto: zvg/Schönenberger

Franz Meier (75) lebt nicht in Nuglar, sondern in St. Pantaleon. Der Kapelle St. Wendelin an der Ausserdorfstrasse 43 in Nuglar fühlt sich der Sankt Pantaleoner aber dennoch verbunden. Schon als Bub habe er dort Gottesdienste gefeiert, erzählt der heutige Pensionär, der seit vielen Jahren Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde von Nuglar-St. Pantaleon ist.

Meier erinnert sich gerne an diese Gottesdienste: «Das waren Schulmessen, an denen alle Schulkinder von Nuglar und St. Pantaleon teilnehmen mussten. Denn das Schulhaus stand seit eh und je in Nuglar, weshalb der Weg zur Kirche in St. Pantaleon für eine Schulmesse zu weit war.» Auch heute kann Meier, wenn er mag, immer noch Gottesdienste in der Sankt-Wendelin-Kapelle besuchen: «Unsere Gemeinde zelebriert sie dort genauso regelmässig wie die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde von Büren, Nuglar-St. Pantaleon und Seewen.» Zur Freude von Gläubigen aus Nuglar, die die morgendliche Dienstagsmesse von Pfarrer Kilian Maduka in der Sankt-Wendelin-Kapelle nur ungern versäumen.

«Die Kapelle strahlt Ruhe aus»

Elisabeth Glaser gehört zu diesem Kreis der Gläubigen. Sie erklärt, was alle an dem kleinen Gotteshaus so lieben: «Die Kapelle strahlt in ihrer Einfachheit Ruhe aus», sagt sie und ergänzt: «Es keimen Zuversicht und Hoffnung auf, wenn wir im Inneren sitzen.» Umso entsetzter hätten alle reagiert, als sie im Januar davon gehört hätten, dass man neben dem Altar in der Kapelle eine Pfütze gefunden habe. Auch Müll verunstaltete den Chorraum mit dem Altar, der für Christen seit jeher das rituelle Zentrum ihres Glaubens darstellt. Wenig später wurden dann auch noch Kerzen aus dem Gotteshaus gestohlen. Der Gemeinderat von Nuglar-St. Pantaleon reagierte schnell: «Er fasste den Beschluss, die Kapelle von 17 Uhr bis morgens um sieben abzuschliessen», sagt Kirchenpräsident Meier und erinnert daran, dass die Kapelle nicht nur ein Gotteshaus ist, sondern auch ein historisches Kulturdenkmal im Besitz der Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon. «Dieses Gotteshaus und Kulturdenkmal war bis zu den Vorfällen im Januar und Februar rund um die Uhr geöffnet», fügt er hinzu. Deshalb hätten sich auch viele Wanderer gerne hineingesetzt. «Das können sie zum Glück auch künftig tun, weil die Kapelle tagsüber geöffnet bleibt», betont Meier und verweist darauf, dass die Kapelle nicht nur ein schöner und traditionsreicher Bau sei, «der von der Denkmalpflege des Kantons Solothurn unterstützt wird». Die Kapelle sei darüber hinaus «ein guter Patz zum Aufwärmen, weil in der kalten Jahreszeit immer die Heizung läuft». Man habe es folglich mit einem Ort zu tun, «der vielen Menschen aus ganz verschiedenen Gründen Freude bereitet».

«Es geht auch um Respekt gegenüber Gläubigen»

Einen solchen Ort absichtlich zu verschmutzen und zu entwürdigen – das gehöre sich einfach nicht, sagt Meier und betont, dass es hier schliesslich auch um den Respekt gegenüber den Gläubigen gehe: «Selbst wenn heutzutage viele Menschen meinen, ohne die christliche Religion auskommen zu können, und es deshalb auch in unserer Gemeinde nur noch wenige Gläubige gibt, die regelmässig zum Beten in die Kapelle kommen, so bleibt dieses Gotteshaus zu Ehren des Heiligen Wendelin trotzdem ein heiliger Ort.» Und deshalb bitte er auch alle Menschen, die in der Kapelle oder in einem anderen Gotteshaus in der Umgebung Hinweise auf eine Straftat wie Vandalismus oder Diebstahl bemerkten, sich bei der Gemeinde oder der Polizei zu melden. Fände man den oder die Täter, wäre die Idylle in St. Wendelin hoffentlich für immer wiederhergestellt und die Kapelle bliebe das, was sie auch aus Sicht der Dorfbewohnerin Elisabeth Glaser stets gewesen ist: «Die Sankt-Wendelin-Kapelle ist Zeugnis einer Zeit, in der Regeln galten, die das Zusammenleben ordneten.» Müll neben dem Altar und gestohlene Kerzen gehörten nicht dazu.

 

Im 18. Jahrhundert errichtet

map. Die Wendelinskapelle steht seit Anfang des 18. Jahrhunderts am damals südlichen Dorfausgang von Nuglar. Der Bau wurde 1711 bewilligt und geht auf eine Stiftung von Magdalena Wysen aus Nuglar zurück. Die Pfarrkirche in St. Pantaleon war schon damals zugleich die Pfarrkirche von Nuglar. Dank der Gabe von Wysen erhielt nun auch Nuglar ein eigenes Gotteshaus, weshalb die Kapelle laut einem Protokoll von 1713 anfänglich zu Ehren der Heiligen Maria Magdalena gesegnet wurde. Der heutige Name der Kapelle geht auf den Heiligen Wendelin zurück. Er war der Patron der Schäfer, Bauern und des Viehs, aber auch Patron für gedeihliche Witterung und gute Ernte.

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