Rudolf Steiner in 450 Bänden
Die Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe ist abgeschlossen. Die Verantwortlichen wollen sich künftig mehr der Vermittlung des Werkes widmen.

Unter dem Titel «Rudolf Steiners Gesamtwerk wurde verewigt» berichtete das Wochenblatt im Dezember ausführlich über den damals kurz bevorstehenden Abschluss der seit 1961 erscheinenden Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe. Sie besteht aus 450 Bänden, welche die Rudolf- Steiner-Nachlassverwaltung herausgegeben hat. Das für die Anthroposophie zweifelsohne grosse Ereignis wurde am 17. April mit einem Festakt am Goetheanum gefeiert. «Es gleicht einem Wunder, dass eine der grössten Werkausgaben der Geschichte innerhalb von sieben Jahrzehnten vollendet werden konnte», sagte Cornelius Bohlen, Präsident der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, im Rahmen dieser Feier. Ganz abgeschlossen ist das Werk aber noch nicht: An den letzten drei Bänden der Edition sämtlicher Briefe, am Handbuch zur Gesamtausgabe sowie an der digitalen Edition sämtlicher Notizen wird noch gearbeitet.
Lange Vorgeschichte
Nach dem Tod Rudolf Steiners 1925 war es ein Anliegen Marie Steiners, das Werk ihres Gatten im Rahmen einer Gesamtausgabe herauszugeben. Daher gründete sie 1943 die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung. In den 1950er-Jahren wurde mit der Herausgabe der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe (GA) begonnen. Während Jahrzehnten wurde unter Anthroposophen darüber diskutiert, wie eine Gesamtausgabe Steiners denn aussehen sollte. 1961 legte Hella Wiesberger, nach dem Tod Marie Steiners 1948 eine federführende Mitarbeiterin der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, einen detaillierten Editionsplan für die Gesamtausgabe vor, der im Wesentlichen bis heute gilt. Die grobe Gliederung der Gesamtausgabe in Schriften, Vorträge und künstlerisches Werk entstammt auch Wiesbergers Editionsplan.
Rund 6000 Vorträge sind von Steiner überliefert. Von seinen frühen Reden weiss man teilweise nicht, wer sie aufgeschrieben hatte. Bei einigen handelte es sich gar um Erinnerungsprotokolle oder um Rezeptionen, die ein Journalist oder Redaktor geschrieben hatte. Später schrieben professionelle Stenografen Steiners Reden mit. Hier ist vor allem Helene Finckh zu erwähnen, die an die 2000 Vorträge mitstenografiert hat und als eine Art Co-Autorin der Gesamtausgabe gilt. Zu ihrem Gedenken wurde am Festakt in der Baracke im Goetheanum-Gartenpark eine Dauerausstellung eröffnet. Das Rudolf-Steiner-Archiv wird die Pflege der analogen und digitalen Gesamtausgaben – etwa durch Neuauflagen – fortführen. Vor allem aber will es sich künftig stärker der Erhaltung, Erforschung, Ausstellung und Vermittlung von Steiners Werk widmen.


