Jubiläumkonzert: Carmina Burana

Am 11. September werden im Goetheanum ein 175-köpfiger Chor, die Camerata Cantabile Zürich und drei Solisten die Carmina Burana von Carl Orff aufführen. Das «Wochenblatt» sprach mit der Dirigentin Ly Aellen aus Dornach.

Grosses Projekt: Ly Aellen dirigiert zum 10-jährigen Bestehen des Carmina Vokal-Ensembles das Werk von Carl Orff.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Grosses Projekt: Ly Aellen dirigiert zum 10-jährigen Bestehen des Carmina Vokal-Ensembles das Werk von Carl Orff. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Wochenblatt: Frau Aellen, Sie sind nicht nur Musikerin und Dirigentin, sondern auch ausgebildete Kauffrau, Pädagogin, Zeichnerin und Grafikerin. Wie bringt man das unter einen Hut?
Ly Aellen: Ich finde es schön, wenn man verschiedene Register ziehen kann. Wichtiger ist mir aber die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen, ihnen in der Musik eine Insel zu geben, abseits des Alltags. Es macht mich glücklich, etwas zu bewegen.

Das Carmina Vokal Ensemble entstand nach einer Aufführung von Orffs Carmina Burana im Jahre 2001. Jetzt treten Sie damit im Stadtcasino Basel auf, was einem Ritterschlag gleichkommt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Es gibt kein Rezept. Es war auch nicht erklärtes Ziel, im Stadtcasino zu spielen. Sicher aber ist dieses grosse Konzert für uns der Lohn für 10-jährigen sorgfältigen Aufbau und kontinuierliche Arbeit am Chorklang. Wichtig ist mir dabei, ehrlich und im Jetzt zu wirken, mit Freude, Lust und Liebe.

Es fällt auf, dass Sie einen ganz eigenen, horizontalen Dirigierstil haben. Wodurch zeichnet er sich aus?

Das Leben dirigiert uns immer nach vorwärts, unerbittlich. Die horizontale Ebene ermöglicht den Blick in die Weite. Meine Aufgabe ist es, den Raum zu erfassen, ihn zu öffnen und gleichzeitig alles zusammenzuhalten.

Nebst dem Carmina Vokal Ensemble wirken vier weitere Chöre mit, darunter der Kinderchor Arlesheim. Wie brachten Sie alle zusammen?
Wenn man sich etwas genug wünscht, geht es oft in Erfüllung. Es war mir ein grosses Anliegen, mit diesem Projekt kleineren Chören und einzelnen Sängern und Sängerinnen die Möglichkeit zu bieten, in diesem grossen Werk mitzuwirken. Nachdem unser Team auf Handschlag einstimmig entschieden hatte, dass wir die Sache durchziehen, meldeten sich am nachfolgenden Tag zwei Chöre!

Orffs berühmte Carmina Burana (Lieder aus Benediktbeuern) basieren auf einer mittelalterlichen Handschrift. Was fasziniert Sie an Orffs Umsetzung?

Musik ist eine reine Jetzt-Kunst und Orff hatte die Fähigkeit, die vergangene Zeit ins Jetzt zu bringen. Orff komponierte Musik, die Sprache ist. Zusammen mit den Texten von früher ergibt sich eine Botschaft für heute. Die Musik ist packend und spannend. Der abwechslungsreiche Klangteppich zeigt die Buntheit des Lebens. Die suggestive Perkussion steht für die Intensität des Lebens und die immer wieder ertönenden Bordune und Ostinati sind wie ein roter Faden, der sich durch ein Menschenleben zieht. Das Werk schliesst einen Kreis und öffnet ihn zugleich zur Aufwärtsspirale.

Welche Ansprüche stellt das Werk an Solisten, Musiker und Chor?
Vom Rhythmischen her ist das Werk anspruchsvoll. Es ist wichtig, in den scheinbar chaotischen Passagen Klarheit zu behalten. Die Koordination muss absolut stimmen. Sowohl von den Chor- sowie den Solistenstimmen wird ein breites Register verlangt. Das Werk erfordert viel Kraft, bringt aber auch unendlich viel Freude.

Was hat Sie dazu bewogen, ein solch grosses Projekt anzupacken?

Mir ist bewusst, dass ich diese Art Projekt nicht erfunden habe, doch wie wunderbar ist es, dass nun so viele Menschen zusammen sind und denselben Weg auf ein gemeinsames Ziel hin gehen. Und wer feiert nicht gern Geburtstag in Gesellschaft?

11. September, 16.30 Uhr, Goetheanum Dornach;
17. September, 20 Uhr, Stadtcasino Basel.

Weitere Artikel zu «Dornach und Dorneckberg», die sie interessieren könnten

Sammelt Unterschriften: Die angehende Psychologiestudentin Delia Speiser aus Dornachfordert einen Nachteilsausgleich für Menschen mit Angststörungen. Foto: Désirée Bellwald
Dornach und Dorneckberg19.08.2026

Chancengleichheit mit Angststörungen

Delia Speiser startete im Rahmen ihrer Matura-Arbeit eine Petition für mehr Chancengleichheit bei Angststörungen. Im Gespräch erzählt die Dornacherin, worum es…
Brüder im Einsatz: Während Dario Christ (im Vordergrund) um den Kranz kämpfen konnte, das Duell jedoch verlor, gewann Marino im Hintergrund seinen letzten Kampf und klassierte sich knapp vor seinem Bruder.Foto: eh-presse
Dornach und Dorneckberg19.08.2026

Die Kranzsaison ist zu Ende: Zufriedene Schwinger aus Gempen trotz verpasster Kränze

Am Sonntag endete die Kranzsaison mit dem Nordwestschweizer Teilverbandsfest in Mümliswil und dem Schwägalp-Bergfest. Dabei zeigten die Gebrüder Dario und…
Grosse Unterstützung: Neben über 100 Freiwilligen unterstützen auch zahlreiche Sponsoren das Dorffest. Foto: zVg
Dornach und Dorneckberg12.08.2026

Ein Dorf feiert sich gross

800 Jahre Hobel: Das Organisationskomitee verspricht einen bunten Mix an Attraktionen und Informationen. Über hundert Freiwillige sind im Einsatz.