Hip-Hop-Tänzer aus Nuglar vor WM-Start: «Es fühlt sich an, als ob ich schweben würde»

Der 14‑jährige Tänzer Noé Zürcher aus Nuglar konnte bereits viele nationale und internationale Erfolge feiern – jetzt führt seine Reise nach Polen an die Weltmeisterschaft.

Freestyle oder choreografiert: Noé Zürcher fühlt sich auf der Tanzbühne wie zu Hause.Fotos: zvg

Freestyle oder choreografiert: Noé Zürcher fühlt sich auf der Tanzbühne wie zu Hause.Fotos: zvg

Beachtliche Ausbeute: Noé Zürcher nach der GDO-Weltmeisterschaft in San Sebastián in Spanien.

Beachtliche Ausbeute: Noé Zürcher nach der GDO-Weltmeisterschaft in San Sebastián in Spanien.

Noé Zürcher weiss, was er will: «Eigentlich dreht sich bei mir alles ums Tanzen», erzählt der 14‑Jährige mit einer jugendlich frischen und fast schon ansteckenden Leichtigkeit. Vielleicht kommt die Lockerheit daher, dass er dem Tanzen bereits seit seinem vierten Lebensjahr nachgeht. Angesteckt worden sei er damals durch seine ältere Schwester, die regelmässig vom Mama-Taxi und ihm auf dem Kindersitz vom Training abgeholt wurde. Doch kurz darauf habe er bereits selbst mitmachen wollen: «Er konnte beim Zusehen die Füsse nicht lange stillhalten und begann im Hintergrund immer mitzutänzeln», erinnert sich seine Mutter, die ihn bei seiner Leidenschaft von Beginn weg begleitet und unterstützt hat.

Kurz darauf wurden die Trainer auf ihn aufmerksam – sein Talent wurde schnell erkannt und gefördert. Seit rund drei Jahren ist Tänzer Wittha Tonja als Trainer an Noés Seite und fungiert gleichzeitig auch als eine Art Mentor für das Nachwuchstalent. Der Tanzlehrer findet schnell positive Worte für Noé: «Seine Leidenschaft und Zielstrebigkeit sind aussergewöhnlich, das sieht man heutzutage immer seltener.»

Von Hip-Hop bis zum Ballett

Noés Passion für das, was er tut, zeigt sich auch an seinem intensiven Trainingspensum, welches er zusätzlich zu seinem normalen Schüleralltag absolviert. Rund 20 bis 25 Tanzlektionen in den verschiedensten Stilrichtungen und Formationen stehen wöchentlich auf dem Programm. Angefangen hat er mit Hip-Hop – sein Horizont habe sich über die Jahre aber immer erweitert, und so tanzt er neuerdings auch Contemporary und nimmt Ballettunterricht. Dies in Zusammenhang mit einem Kurz-Stipendium in England, das er bei einem internationalen Wettbewerb im Sommer gewonnen hat.

Neben der Schule verbringt er also einen Grossteil seiner Zeit in den Tanzstudios «Move in Arts» in Liestal, wobei er aber keineswegs das Gefühl hat, sonst etwas zu verpassen: «Wenn ich tanze, bin ich in meiner ganz eigenen Welt und es fühlt sich an, als ob ich schweben würde», beschreibt Noé sein Innenleben und Körpergefühl beim Tanzen. Und durch die häufigen Trainings und Wettbewerbe würde er auch viel mit anderen tanzbegeisterten Jugendlichen in Kontakt kommen. «Es ist eine tolle Community, in der man sich gegenseitig unterstützt und wie eine Art Familie miteinander umgeht. Im Sommer war ein Wettbewerb in Spanien und wir gingen danach alle gemeinsam an den Strand. In diesem Moment waren die Platzierungen dann nicht mehr so wichtig», erinnert sich Noé.

Spitzenplätze in diversen Kategorien

Und trotz oder eben genau wegen dieser lockeren Einstellung flattern die guten Resultate in grosser Regelmässigkeit herein. Vor allem die vergangene Saison war besonders erfolgreich: Bei der Weltmeisterschaft des GDO-Verbands (Global Dance Open) im Juli in San Sebastián, wo der Fokus auf choreografierten Shows liegt, erreichte er in mehreren Kategorien Spitzenplätze. Besonders erfreulich sei der Vizeweltmeistertitel mit seinem Duo-Partner Andres gewesen: «Das machte besonders Spass, da wir allgemein sehr eng befreundet sind und uns super verstehen.»

Von 21. bis 24. Oktober steht bereits das nächste Highlight an, nämlich die Weltmeisterschaft des IDO-Verbands (International Dance Open) in Polen, wo der Schwerpunkt auf der Freestyle-Kategorie liegt. Dort wird auf Knopfdruck über einen Song getanzt, der vor der Runde nicht bekannt gegeben wird – man muss also blitzschnell reagieren und sich innert Sekunden passende Moves ausdenken und ausführen. «Das Ziel ist, in die Top 10 zu kommen, das wäre schon ein tolles Resultat», meint Noé, der in der Solo-Kategorie und im Duo antritt, mit Blick auf seine Ambitionen.

Seinem Talent und den regelmässigen Erfolgen geschuldet stellt sich auch schnell einmal die Frage, wie es denn mit Noés beruflichen Plänen aussieht. Doch auch hier ist er ohne grossen Druck unterwegs und sagt mit der bereits erwähnten Lockerheit, dass er das einfach auf sich zukommen lasse. «Das nächste Ziel ist es, ans Sportgymnasium zu gehen, der Rest wird sich zeigen.»

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