Grosse Visionen in Liesberg

Die Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland AG (Kelsag) feiert in Liesberg ihr 50‑jähriges Bestehen und spricht von zukunftsweisenden Plänen.

In Eintracht: Die Jodler des Jodlerklubs Bergbrünneli neben Kelsag-Geschäftsführer Edmund Frey Kuron (2.v.l.), Dominik Eggenschwiler (Mitte) von der Eggenschwiler Transporte AG und Kelsag-Verwaltungsratspräsident Franz Saladin (2.v.r.). Foto: Mic
In Eintracht: Die Jodler des Jodlerklubs Bergbrünneli neben Kelsag-Geschäftsführer Edmund Frey Kuron (2.v.l.), Dominik Eggenschwiler (Mitte) von der Eggenschwiler Transporte AG und Kelsag-Verwaltungsratspräsident Franz Saladin (2.v.r.). Foto: Michael Meury

«Es ist ein besonderes Jahr für die Kelsag.» Das Unternehmen feiert nicht nur sein 50‑jähriges Bestehen, wie Verwaltungsratspräsident Franz Saladin zur Eröffnung der Generalversammlung im Liesberger Seemättli verkündet. Es fasst dieses Jahr auch mehrere Pionierprojekte ins Auge, welche die Abfallentsorgung in der Region und darüber hinaus massgebend verändern könnten. «1976 standen die Gründergemeinden vor einer Herausforderung, die sie allein nur schwer hätten bewältigen können», führt Saladin aus. Die Abfallentsorgung verlangte damals eine zunehmend professionelle und deshalb überregionale Zusammenarbeit. Auch heute mangle es nicht an Herausforderungen. Doch der Fokus habe sich gewandelt.

Weltweit erste Pyrolyse-Pilotanlage in Liesberg

«Ging es früher darum, Abfall sicher zu entsorgen, steht heute die Nutzbarmachung von Wertstoffen und die Kreislaufwirtschaft im Vordergrund», sagt Saladin. «Eines unserer wichtigsten Zukunftsprojekte ist deshalb die Verwertung von Biomasse.» Die bestehende Anlage in Liesberg sei in die Jahre gekommen, was dem Unternehmen einen «Innovationsschritt» ermögliche. Man arbeite an der Nachfolgelösung mit dem Ziel, 2026 in Liesberg die weltweit erste Pyrolyse-Pilotanlage in Betrieb zu nehmen. Diese Anlage testet die Umwandlung von Abfällen in verwertbare Rohstoffe. Es sei wichtig, hier einen Fuss in der Tür zu haben, meint Saladin. «Denn sollte diese Technologie einst erfolgreich umgesetzt werden, wird dies weit über unsere Gemeindegrenzen hinaus ausstrahlen.» Ein weiteres Projekt – für die Bevölkerung weitaus spürbarer – läuft seit April. Gemeinsam mit ihrer zweitgrössten Aktionärsgemeinde Laufen will die Kelsag die Grüngutsammlung revolutionieren. «So können die Kosten künftig verursachergerecht verrechnet werden», erklärt Kelsag-Geschäftsführer Edmund Frey Kuron.

Viele Laufnerinnen und Laufner fühlen sich dadurch aber vor den Kopf gestossen. Aufgrund heftiger Kritik sah sich der Stadtrat deshalb gezwungen, die bisherige Sammelstelle mit Badgesystem vorerst parallel weiterlaufen zu lassen und eine temporäre Arbeitsgruppe zu gründen, die eine mehrheitsfähige Lösung finden muss. Das typische «Bushaltestellensyndrom», kritisiert Frey Kuron die Laufner Ressentiments. «Alle wollen eine, aber nicht direkt vor dem eigenen Haus.» Vor der eigenen Haustür der Kelsag findet aber ein weiteres Riesenprojekt seinen Abschluss, das selbst noch einige Fragen offenlässt. Während des Winters pflanzten die Industriellen Werke Basel (IWB) 7600 Panels für ihre neue Photovoltaikanlage auf die alte Deponie «Hinterm Chestel».

Trotz gescheiterter Einsprachen, gefolgt von einer Übereinkunft über Naturschutzmassnahmen, schauen skeptische Umweltverbände wie der WWF der IWB und der Kelsag dabei genau auf die Finger. Auch weil die Deponie im Verbreitungsgebiet der gefährdeten Gelbbauchunke liegt. «Wie sich Flora und Fauna auf der Deponieoberfläche wiederentwickeln, werden wir aber erst über die Jahre sehen können», erklärt Frey Kuron.

Der Japankäfer und das Dornacher Grüngut

Ein weiteres kleines Tierchen machte dem Betrieb zu schaffen. Frey Kuron sagt: «Wenn sich die Verbreitung des Japankäfers so weiterentwickelt, dürfen wir höchstwahrscheinlich aus der Region Basel – konkret Dornach – bald kein Grüngut mehr nach Liesberg bringen.» Finanziell weit mehr ins Gewicht als der Käfer fiel aber der Rückbau der beiden Liegenschaften an der Delsbergstrasse. «Wegen einer teuren Asbestsanierung konnte das Budget dort nicht eingehalten werden», erläutert der Geschäftsführer.

Gesamthaft schrieb die Kelsag vergangenes Jahr einen Verlust von fast 70000 Franken. In dem Unternehmen, das in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgte, scheint aber die Eintracht fürs Erste wiederhergestellt zu sein. Ein Votant rundet die Versammlung mit den Worten ab: «Es ist toll, dass wir heute wieder auf angenehme Art miteinander umgehen können.»

Weitere Artikel zu «Dornach und Dorneckberg», die sie interessieren könnten

Die Pflanzenflüsterin: Madeleine Michel aus Hochwald hat sich der Kräuterkunde verschrieben. Foto: Fabia Maieroni
Dornach und Dorneckberg23.07.2026

«Es ist fast, als sprächen sie mit mir»

Bei einer Kräuterwanderung hat es ihr den Ärmel reingezogen. Nun ist Madeleine Michel selbst Kräuterexpertin. Ihr Motto: Es ist gegen fast alles ein Kraut…
Der Vergangenheit Respekt zollen: Der Fahnenträger der Magdalenen-Zunft schwingt seine Flagge über dem niedergelegten Kranz.Fotos: Juri Junkov
Dornach und Dorneckberg23.07.2026

Eine Gedenkfeier unter Spardruck

Zum 527. Mal wurde am Sonntag der Schlacht zu Dornach gedacht. Wegen Budgetkürzungen fiel die Gedenkfeier bescheidener aus als in Vorjahren.
Blühende Gartenlandschaft: Die Schnappschuss-Fotografin Angelika Christofori vor ihrem Haus in Dornach. Foto: Désirée Bellwald
Dornach und Dorneckberg15.07.2026

«Mich kann man jederzeit in die Natur stellen und ich bin glücklich»

Schnappschuss-Fotografin Angelika Christofori aus Dornach erzählt, wie sie zur Naturfotografie kam, was sie bewegt und antreibt.