Gempner Gemeinderat: Parteipolitisch bleibt die Sitzverteilung unverändert
Die FDP konnte den Sitz des abtretenden Gemeindepräsidenten Roland Sauter mit seinem Sohn Stephan verteidigen. Das Resultat lässt für die Wahl des Gemeindepräsidenten alles offen.

Tobias Gfeller
Auf den ersten Blick scheint alles wie gehabt. Die FDP konnte ihre zwei Sitze im Gempner Gemeinderat halten und die SVP verfehlte den angestrebten zweiten Sitz. Doch bei genauerer Betrachtung des Wahlergebnisses sind gewichtige Verschiebungen erkennbar, die sich aber noch nicht in Form von Sitzgewinnen- und Verlusten manifestieren.
FDP bleibt hauchdünn stärkste Kraft
Die Verbindung von SP und Grünen kommt mit einem Wachstum von 4% Wähleranteil gegenüber 2009 auf insgesamt 537 Parteistimmen und behält mit Simon Esslinger und Siegfried Bongartz zwei Sitze. Die SVP schafft 474 Parteistimmen (+1,6%), die FDP bleibt mit 546 Parteistimmen (–5,6%) noch ganz knapp die stärkste Kraft im Dorf.
FDP-Präsidentin Regula Gilomen ist trotz markanter Verluste im Vergleich zur letzten Gemeinderatswahl zufrieden: «Es bleibt mit vier bisherigen Gemeinderäten eine politische Stabilität in Gempen erhalten, die gerade jetzt von Bedeutung ist.» Gilomen spricht damit ihren eigenen Rücktritt als Gemeindeschreiberin an, mit dem auch viel Know-how auf Verwaltungsebene verloren geht. Die FDP wird als neue Gemeindeschreiberin Angela Weber nominieren. Deren Ehemann Roland Weber verpasste die Rückkehr in den Gemeinderat, was Regula Gilomen durchaus überraschte: «Ich rechnete eher mit Roland Weber als mit Stephan Sauter. Wir hatten halt drei sehr geeignete Kandidaten zur Verfügung.»
Seitens der SVP ist man nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Gemeinderatsvizepräsident Martin Dietler schaffte den Wiedereinzug zwar locker. Joëlle Neuhaus-Ehrsam verpasste aber trotz 192 Stimmen den Einzug ins Gremium. «Die Zusammensetzung des Gemeinderats widerspiegelt nicht den Wählerwillen», findet Dietler. Die beiden SVP-Kandidaten kamen auf viele Einzelstimmen, weil sie beide doppelt gelistet wurden. Der Partei fehlten aber schlichtweg die nötigen Listenstimmen, um den zweiten Sitz zu bekommen.
Zweikampf, Dreikampf oder Einigung?
Die SP ist bis auf neun Parteistimmen zur FDP aufgeschlossen und erhofft sich viel Schwung für ein mögliches Duell um das Gemeindepräsidium. Dieses Rennen ist nach dem Resultat am Sonntag weitestgehend offen. FDP-Präsidentin Regula Gilomen kündigt bereits an, dass Patrik Stadler antreten wird. «Die Nomination ist nur noch Formsache.» Sie rechnet indes mit einem Gegenkandidaten.
Der Gegenkandidat könnte SP-Gemeinderat und Neo-Kantonsrat Simon Esslinger sein, der bereits vor vier Jahren angetreten, aber gegen Roland Sauter gescheitert ist. Esslinger hält sich bedeckt. «Wir diskutieren das an der Parteisitzung von nächster Woche.» Er lässt aber durchblicken, dass «eine SP-Kandidatur mit diesem Wahlergebnis fast ein Muss ist». Esslinger hält eine Einigung innerhalb des Gemeinderats auf eine Person für unwahrscheinlich – aber auch nicht für ganz ausgeschlossen.
Martin Dietler sieht sich als SVP-Gemeinderat weiterhin als das Zünglein an der Waage, der bei umstrittenen Geschäften die Mehrheitsverhältnisse entscheidet. «Ich mache zu einer allfälligen Präsidiums-Kandidatur noch keine Aussage», so Dietler. Erst müsse er im Privaten wie auch im Geschäftlichen Abklärungen treffen, da das Präsidentenamt ein zeitraubendes Mandat sei. Dietler lässt erkennen, dass ihn eine Kandidatur durchaus reizen würde, sagt aber auch: «Was abschliessend rauskommt, müssen wir abwarten.»


