Freisinnige haben viel zu verteidigen – SVP und SP/Grüne in Lauerstellung

Die Gemeinderatswahlen in Gempen sind vor allem für die FDP von grosser Bedeutung. Sie hat im April einen Sitz in der Exekutive – und im Sommer den Posten des Gemeindeschreibers zu verteidigen.

Wie verändert sich am 14. April das politische Gempen? Eine grosse Auswahl an valablen Kandidaten sorgt für Spannung.  Foto: Edmondo Savoldelli
Wie verändert sich am 14. April das politische Gempen? Eine grosse Auswahl an valablen Kandidaten sorgt für Spannung. Foto: Edmondo Savoldelli

Tobias Gfeller

Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass in einer Gemeinde mit weniger als tausend Einwohnern die Gemeinderatssitze so umstritten sind und das Stimmvolk eine echte Auswahl hat. Doch in Gempen ist Mitmachen noch Ehrensache – sowohl im Dorfleben wie auch in der Politik. Dementsprechend spannend präsentiert sich auch die Ausgangslage vor den Gemeinderatswahlen am 14. April.

Viel zu verteidigen für die FDP
Nicht mehr antreten wird Gemeindepräsident Roland Sauter von der FDP. Er sitzt seit 1981 durchgehend im Gemeinderat und amtet seit nunmehr zwölf Jahren als Präsident. Die FDP ist gefordert, diesen Sitz zu verteidigen, will sie nicht in ihrer Hochburg Gempen mit nur noch einem Sitz dastehen. Der ehemalige Gemeinderat Roland Weber (2005–2009) tritt in diesem Jahr wieder an und hofft aufgrund seiner Erfahrung und seinem Einsatz in der Gemeinde auf eine Rückkehr in die Exekutive. «Wir brauchen eine funktionierende Infrastruktur. Wenn man diese nicht pflegt, kostet das später einmal viel mehr», sagt Weber.

Die Infrastruktur liegt allen neun Kandidaten am Herzen. Denn sie sei ein wichtiger Standortvorteil und mache Gempen als Wohngemeinde attraktiv. Roland Sauters Sitz könnte auch sein Sohn Stephan erben. Er hofft, mit einer soliden und nachhaltigen Politik für möglichst ausgeglichene Finanzen zu sorgen. «Der öffentliche Verkehr soll weiter attraktiv bleiben.» Der bisherige Patrik Stadler ist sicher ein Kandidat für das frei werdende Präsidentenamt. «Zuerst schauen wir auf die Verteilung der Stimmen», gibt er sich bescheiden.
Wie er sieht auch Parteipräsidentin und Gemeindeschreiberin Regula Gilomen die FDP gefordert: «Wir unternehmen alles, um beide Sitze zu verteidigen.» Sie selbst geht zurück in ihre alte Heimat Biel. Die Gemeindeschreiberei wird generell als ein halber Gemeinderatssitz angesehen, der zwar kein Stimmrecht besitzt, aber an den Sitzungen durchaus auch Inputs geben kann und wann gewählt wird.

SVP mit starkem Zweierticket
Mit einem im Dorf sehr bekannten Zweierticket zielt die SVP auf einen zweiten Sitz im Gemeinderat – womöglich auf Kosten der FDP. Gemeinderatsvizepräsident Martin Dietler ist seit zwölf Jahren Gemeinderat und amtet seit 2005 als Vizepräsident. «Ich weiss, wie der Hase läuft», gibt er sich selbstbewusst. «Die letzten zwölf Jahre verliefen für Gempen sehr erfolgreich.» Doch bei den Finanzen bahnen sich aus Sicht von Dietler schwierigere Zeiten an. «Das laufende Defizit nimmt überhand. Das Steuersubstrat steigt nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren.» Es gelte deshalb vermehrt ein Auge auf die Ausgabenseite zu werfen. Auch für die SVP geht Joëlle Neuhaus-Ehrsam ins Rennen. Als Präsidentin des Gempenfests ist die 30-Jährige im Dorfleben verankert. Sie stehe ein für eine Sachpolitik mit Herz und Verstand. «Ausgaben müssen mit Vernunft und Bedacht getätigt werden.» Eine Wahl von Joëlle Neuhaus liegt aufgrund ihrer Bekanntheit im Bereich des Möglichen.

Reicht es gar für linke Mehrheit?
Die SP tritt gleich mit einer Viererliste an. Mit dem bisherigen Simon Esslinger haben sie sogar einen neuen Kantonsrat in ihren Reihen, was der SP Gempen nochmals Schub verleihen könnte. «SP und Grüne hatten bei der Kantonsratswahl in Gempen fast 34 Prozent Wähleranteil. Daher sollten die zwei Sitze gesetzt sein», gibt sich Esslinger optimistisch. Für eine linke Mehrheit sei es allerdings wohl noch zu früh. «Das wäre ein Erdbeben», analysiert Esslinger das politische Gempen.

Eine Kandidatur für das Präsidium schliesst die SP nicht aus. Vor vier Jahren holte die SP auf Anhieb zwei Sitze. Gemeinderat Siegfried Bongartz habe in seiner Zeit als Politiker stets auf ein offenes Ohr geachtet. «Es ist wichtig, von der Bevölkerung zu hören, was es im Dorf braucht.» Ihm sei das Zusammenleben in der Gemeinde von grosser Bedeutung. «Wir müssen die Vereine und die kulturellen Organisationen unterstützen», so Bongartz. Primarlehrerin Simone Cairoli ist die Familienpolitik wichtig. «Diese muss noch mehr an Bedeutung gewinnen.» Sie fordert zudem mehr Sicherheit auf den Schulwegen. Stephan Häring hat sich gut überlegt, ob er kandidieren will. «Wenn man im Dorf aber etwas verändern will, muss man sich auch einsetzen.» Denn soziale und grüne Anliegen brauche es im Gemeinderat.

Offen bis in den Sommer
Insgesamt versprechen die Gemeinderatswahlen in Gempen viel Spannung. Nimmt man die Resultate der Kantonsratswahlen als Gradmesser, bleibt die Sitzverteilung gleich. Doch in einem Dorf der Grösse Gempens sind Gemeinderatswahlen trotz Proporzsystem Personenwahlen. Je nachdem könnte es im Sommer bei der Wahl ins Gemeindepräsidium und in die Gemeindeschreiberei umso überraschender werden.

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