Freie Wähler im Höhenflug – SP und FDP müssen Wunden lecken
Mit neu vier Sitzen werden die Freien Wähler zur tonangebende Kraft im Dornacher Gemeinderat. SP und FDP büssen je ein Mandat ein, während die SVP den Wiedereinzug in die Exekutive geschafft hat.

Lukas Hausendorf
Für die Sozialdemokraten war es ein schwarzer Wahlsonntag. Mit einer starken Sechserliste und der leisen Hoffnung auf einen Sitzgewinn gingen sie in den Wahlkampf und stehen nun als Verlierer da. Parteipräsident René Umher verpasste die Wiederwahl, dafür zieht im Juni Barbara Vögtli neu in den Gemeinderat ein. Der Wahlausgang bleibt für die SP nicht ohne Folgen. Umher wird auf sein Suppleanten-Mandat verzichten und morgen seinen Rücktritt vom Parteipräsidium, das er sieben Jahre lang inne hatte, bekannt geben. Damit übernimmt er die Verantwortung für die Wahlschlappe und macht unbelasteten Kräften Platz. «Jetzt ist der richtige Moment, neuen Kräften eine Chance zu geben», sagt er.
Wer seinen Platz einnimmt, ist noch nicht entschieden. Grund für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten dürften die Freien Wähler sein. Die Ortspartei hat am Sonntag erneut an Popularität gewonnen und vertritt nun knapp 40 Prozent der Dornacher Wähler. Sie sind die klaren Gewinner der Gemeinderatswahlen. Gemeindepräsident Christian Schlatter, der vergangenen Juni nicht ohne Schwierigkeiten das Amt von Kurt Henzi (FDP) übernommen hatte, musste viel Kritik einstecken.
Gemeindepräsident mit Spitzenresultat
Das Volk scheint diese Kritik aber nicht zu teilen und bestätigte ihn am Sonntag mit dem Spitzenresultat von 1235 Stimmen als Gemeinderat. Insgesamt gingen 1659 Dornacher an die Urne, die Stimmbeteiligung lag bei 41,9 Prozent. «Das war das Highlight des Wahltags», so FWD-Präsidentin Ursula Kradolfer, die ihren Sitz mit 800 Stimmen ebenfalls souverän verteidigte. Das zeige, das Schlatter ein Gemeindepräsident für ganz Dornach sei, so Kradolfer.
Das Spitzenresultat ist auch als deutliches Zeichen an die anderen Parteien zu verstehen – ein Gegenkandidat bei den Präsidiumswahlen im Juni scheint wenig Chancen gegen Schlatter zu haben.
Für die Freien Wähler im Amt bestätigt wurde Daniel Urech (830). Thomas Gschwind (659) sichert sich den vierten Sitz für die Freien Wähler. Als stärkste Kraft im Gemeinderat wird die Partei die politischen Geschicke des Dorfes in der kommenden Legislaturperiode massgeblich prägen. Vorrangig wird das Ziel sein, das strukturelle Haushaltsdefizit wieder in den Griff zu bekommen. Die Freien Wähler deuteten bereits an, dass der Steuerfuss kein Tabu ist. Zuerst müsse bei der Gemeinde aber die Luft raus gelassen werden, relativiert Kradolfer mit Blick auf die laufende Aufgabenüberprüfung.
SVP holt sich Sitz von Freisinnigen
Im bürgerlichen Lager kam es erwartungsgemäss nicht zu grösseren Verschiebungen. Die CVP konnte den Sitz von Daniel Grossenbacher, der nicht mehr antrat, verteidigen. Neu gewählt wurde Roger Dahinden (371). Die SVP, die ein Zweierticket ins Rennen schickte, reüssierte mit Sandra Theurillat, womit die rechtskonservative Partei nun wieder in der Exekutive vertreten ist, nachdem sie an den Wahlen vor vier Jahren gar nicht mehr angetreten ist. «Schon die Kantonsratswahlen zeigten, dass das Potenzial vorhanden ist», sagt Beat Balzli, Präsident der SVP Amtei Dorneck-Thierstein.
Der Erfolg der SVP geht zulasten der Freisinnigen, die nun wieder mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten sind. Im Amt bestätigt wurde Rainer Stadler (684), neu gewählt ist Alain Amhof (694). Nicht wiedergewählt wurde Parteipräsident Urs Bendel, der den persönlichen Verlust mit Fassung trägt. Er zieht sich nun auch aus der Baukommission zurück, der er 20 Jahre lang angehörte und zuletzt präsidierte. Hier wäre nun Platz für einen Vertreter der Freien Wähler, von denen nicht nur die FDP fordert, in den Kommissionen mehr Verantwortung zu übernehmen.


