Faszinierende Klänge auf chinesischen Instrumenten
Die Pipavirtuosin Yang Jing vermochte mit ihrem European Chinese Ensemble im Heimat-museum zu begeistern. Die Musiker boten einen beglückenden Einblick in die fernöstliche Musiktradition.

Thomas Brunnschweiler
Im Rahmen des Zyklus «volk/folk» kam am letzten Sonntagmorgen östliche Musik zum Zuge. Yang Jing ist nicht nur eine international gefragte Musikerin, sondern auch Komponistin und Kulturbotschafterin, die europäische und chinesische Klangwelten zusammenbringt. Sie musizierte zusammen mit Daruan-Spieler Simon Iten und Schlagzeuger Vincent Glanzmann, der sich nie in den Vordergrund drängte. Die chinesische Musik ist geprägt durch 12 Töne und die Pentatonik, was theoretisch 60 Tonarten ergibt. Konfuzius (chinesischer Philosoph, 551–479 v. Chr.) betrachtete die Musik als Instrument zur Erzielung kosmischer Harmonie. Der Charakter der chinesischen Melodik ist nicht sprunghaft, sondern wellenförmig. In den ersten beiden Stücken spielte Yang Jing die Guzheng, die Wölbbrettzither, die mit Hilfe von Fingerplektra gezupft wird und aussieht wie eine liegende Harfe. Die Solistin spielte das traditionelle «Mondlicht über Blüten beim Frühlingsfluss» und «Rosenschatten» mit vollkommen harmonischen Armbewegungen.
Unbekannte Instrumente
Bei den beiden nächsten Stücken spielte sie das Guqin, die chinesische Griffbrettzither mit 7 Saiten, die eine dreitausendjährige Geschichte hat. Die Kunst, sie zu spielen, gehört sogar zum Unesco-Welterbe. Das Stück «Café Langtemp» von Bänz Oester verbindet östliche und westliche Harmonien und evoziert die verschlafene Atmosphäre eines Provinzcafés.
Die Pipa ist ein viersaitiges, lautenähnliches Instrument. In einem Solo («Shanshui») konnte Yang Jing ihre Virtuosität unter Beweis stellen: Mit vier Fingern zupfte sie pianissimo Tremoli und Vibrati, mit dem Daumen gestaltete sie fortissimo die Melodie. Es folgten zwei chinesische Gedichte, vorgetragen von Kurt Heckendorn und begleitet von der Solistin. Als Nächstes stellte Yang Jing die Erhu vor, ein zweisaitiges Streichinstrument ohne Bünde und ohne Griffbrett. «Mondschatten auf den zweiten Brunnen» bestach durch weiche Melodik und Liedhaftigkeit. Das furiose «Pferderennen», ein mongolisches Volkslied im Galopptempo und eingestreutem Pizzicato, vermochte zu begeistern. Eine Erinnerung an ihre Wohnadresse in China war die «Qinxusstrasse No. 48», ein melodisches Pipastück mit modernen Klangelementen. Das neu arrangierte Stück «Eindruck der alten Seidenstrasse» geht auf die Tonleiter der Han-Dynastie zurück, die am Kaiserhof für Unterhaltungsmusik eingesetzt wurde. Das Stück rief Bilder einer ziehenden Karawane hervor.
Das letzte Stück verband chinesische Klangwelt mit jazzigen Rhythmen. Yang Jing und ihre beiden Begleiter wussten dank hochkarätiger Qualität und sympathischem Auftritt das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Dementsprechend anhaltend war auch der Applaus.


