«Engel» schliesst für immer
Mit einem «Menü des Loslassens» gab Gastronom Bruno Ritter seinen Gästen eine letzte Chance, nach 305 Jahren Abschied vom Gasthof Engel zu nehmen.

Jay Altenbach
Am Sonntagmittag haben die Angestellten des Gasthofs Engel zum letzten Mal ihr Bestes gegeben. Das ganze Wochenende über war der Gasthof ausgebucht, nein eigentlich die letzten vier Monate, denn alle wollten noch ein letztes Mal im Engel essen, erzählt Bruno Ritter. Am Sonntagabend um 17 Uhr wurde dann der Betrieb offiziell eingestellt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liessen für einmal sich verwöhnen: «Die letzten Gäste des Gasthof Engel sind wir!» Nach einem feinen Nachtessen, zubereitet und serviert vom Partyservice Mathis, haben einige Angestellte mit ihren Angehörigen ein erstes und letztes Mal im Engel übernachtet. Am Montag wurde dann noch einmal zusammen gefrühstückt, bis definitiv die Zeit zum Abschiednehmen gekommen war.
In den letzten Wochen war das ganze Team bis an die Grenzen gefordert. Viele Gäste haben tatsächlich Abschied genommen. Der Gospelchor Dornach hat noch ein letztes Mal ein Lied im Garten gesungen und sich von den Angestellten verabschiedet. Der Turnverein, die Zunftbrüder, die Bürgergemeinderäte, die Rotary- und Kiwanisclubs und viele mehr, sie alle müssen nun nach einer neuen Bleibe für ihre Treffen suchen. Sabina Wermuth von der Barbaresco Bar wurde bereits verschiedentlich angefragt. Monika und Regina Räber vom Café-Restaurant Museum sind bereit, für spezielle Anlässe ihr Lokal abends zu öffnen. Sie hätten aber im Moment nicht vor, ihre Öffnungszeiten anzupassen. «Der Arbeitstag ist lang genug», erklärt die gelernte Metzgerin Regina Räber dezidiert, deren Café bereits um sieben Uhr morgens öffnet.
Küchenchef bleibt
Die neuen Bewohner des Haus Engel werden Mitte Oktober einziehen. Auch ihnen fällt es nicht leicht, ihr angestammtes zu Hause zu verlassen. Dreizehn Jahre waren die Gerontologin Françoise Lewis und Heimleiter Sean Lewis mit ihrer Wohngruppe für persönlichkeitsveränderte Menschen ab 50 Jahren im «Suppenegge», 150 Meter vom Gasthof Engel entfernt, zu Hause. Seit Monaten plant das Heimleiter-Paar den Umzug und brütet über den Einsatzplan der 26 Teilzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Bereits sind alle zusätzlichen Pflegeplätze vergeben. Lewis bedauert, dass sie keine Menschen ohne psychische Leiden aufnehmen könne. «Es wäre für beide Seiten zu schwierig, unter einem Dach zu leben.»
Glücklich ist das Ehepaar mit ihrem neuen Küchenchef, der vom Gasthof ins Heim wechselt bzw. im Engel bleibt. Er wird zusammen mit den Betreuten Menüs zubereiten und im Haus nach dem Rechten schauen. Grössere Umbauten sind zurzeit nicht geplant, da das Haus bereits rollstuhlgängig ist. Die Gerontologin will auch im Haus Engel den familiären Charakter für die 23 Bewohner im Betreuungskonzept aufrechterhalten. Viele kleine Nischen im Haus sollen den neuen Bewohnern ein behagliches Gefühl vermitteln und ihnen den Alltag im neuen grösseren Haus erleichtern. Die neun Bewohner des Haus Felicitas am Magdalenenweg, welches ebenfalls vom Ehepaar Lewis geführt wird, sind von diesen Veränderungen nicht betroffen.
Liquidation
Wer sich jetzt noch ein Souvenir vom Gasthof Engel ergattern will, hat eine letzte Chance: Am 22. und 23. September, findet von 10 bis 19 Uhr eine Restaurant-Liquidation im Gasthof statt.


