«Emotional ist das Schwarzbubenland nahe an der Metropolitanregion dran»
Die FDP Gempen lud am Montag zum Podium, an dem «Metro Basel»-Direktor Christoph Koellreuter die aktuelle wirtschaftliche Lage der Region darstellte.

Tobias Gfeller
Eine Metropolitanregion könnte vielseitiger nicht sein. Da liegt im wirtschaftlichen Zentrum der Kanton Basel-Stadt. Ausgerüstet mit
einem dominierenden Life-Sciences-Standort muss sich der Kanton nur wenig Sorgen machen über zu tiefe Steuereinnahmen. Verkaufen Novartis, Roche und Co. ihre Medikamente, so klingelt es auch in der Kantonskasse.
Andererseits ist da das grenznahe Ausland. Im Gebiet Lörrach und St- Louis herrschen ganz andere Arbeitsbedingungen wie hierzulande in der Schweiz. An eine 35 Stundenwoche ist hierzulande nicht zu denken. Das Fricktal und der Kanton Solothurn befinden sich zwischen mehreren Metropolitanregionen. Christoph Koellreuter, Direktor der Think-Tank-Plattform «Metro Basel», skizzierte in seinem aufschlussreichen Referat die einerseits vorhandenen Divergenzen, andererseits aber auch die Gemeinsamkeiten der Wirtschaftsregion Basel, die über die Stadt hinaus von der Pharmabranche geprägt wird.
Wissensvorsprung zentral
Stärken und Schwächen sowie Chancen und Herausforderungen kennt wohl kein Zweiter in der Region besser als Koellreuter. Dass sein liberales Gedankengut gerade bei den Freisinnigen gut ankommt, erklärt sich von selbst. «Auf was kommt es an, dass eine Industrie, die sehr hohe Kosten verursacht, global konkurrenzfähig bleibt, ohne ins kostengünstige Ausland zu ziehen?», fragt er die knapp dreissig Gäste in Gempen. Der Wissensvorsprung sei dabei zentral. «Es gilt, geschickter und gescheiter zu sein.» Doch dies nütze wenig, wenn die fiskalischen Rahmenbedingungen nicht attraktiv genug sind. Koellreuter meint damit einen Steuersatz, der die hiesigen Unternehmen nicht vertreibt und staatliche Regulierungen, die nicht überborden.
Dorneck bietet gute Wohnqualität
Für die unterschiedlichen Regionen zeichnet er ein differenziertes Bild an Problemen. Das Schwarzbubenland habe zwar nicht direkt Bezug zu Arbeitsplätzen in den Life Sciences, doch profitiert gerade der Bezirk Dorneck als Wohnort für gut verdienende Mitarbeiter der Branche. «Auch als Zulieferstandort ist das Schwarzbubenland wichtig», so Koellreuter. Probleme sieht er in der Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr und dem Auto. Auch was die Steuerbelastung angeht, liege das Schwarzbubenland nur im Durchschnitt der Metropolitanregion Basel.
Vorne sieht Koellreuter das Gebiet im Norden des Kantons Solothurn als Erholungsgebiet mit Wohlfühlfaktor. Das Schwarzbubenland hat in einigen Punkten zwar noch viel aufzuholen, «doch emotional ist das Schwarzbubenland sehr nahe an der Metropolitanregion Basel dran – das gefällt mir.»


