Ein Stück Gempner Geschichte
Am vergangenen Samstag wurde in Gempen der Sagen- und Flurnamenweg eingeweiht. Der neue Rundwanderweg erzählt an 20 Stationen die Geschichte der jeweiligen Flurnamen und ortsbezogene Sagen.
Samstag, 10 Uhr vormittags: Gemeindepräsidentin Eleonora Grimbichler begrüsst die Anwesenden und bedankt sich bei allen, die am neuen Sagen- und Flurnamenweg mitwirkten und diesen ermöglichten. Dann tritt Elisabeth Kutzli nach vorne und beginnt zu erzählen. Sofort macht sich Spannung im Raum breit. Leicht nach vorne geneigt, hören Kinder wie Erwachsene gebannt zu. Kutzli erzählt von einem unheimlichen blauen Licht, das von verschiedenen Menschen beobachtet worden sei. Genannt hätten sie es das Hilsensteinlicht oder das Hilsensteinfeuer. Gesehen worden sei das Licht wiederholt im Dornacher Ramstel von verschiedenen Einwohnerinnen und Einwohnern von Gempen. Noch heute betrete man vereinzelt Orte, die irgendwie anders sind, einem teilweise gar unheimlich erscheinen, wenn man die nötige Stille dazu einkehren lasse, erklärt Kutzli.
Diesen Orten widmet sich der am vergangenen Samstag eingeweihte Sagen- und Flurnamenweg in Gempen.
Ein dorfübergreifendes Projekt
Im Rahmen einer Projektwoche beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Primarklassen von Mirjam Reinprecht und Anja Altermatt im Jahr 2023 mit Flurnamen. Dazu erstellten die Schüler verschiedene Medienformen, in denen sie die jeweilige Geschichte eines Ortes wiedergeben – es entstanden Texte, Audio- und Videodateien, die sie gemeinsam mit Kutzli erarbeiteten. Kutzli beschäftigt sich bereits seit rund 50 Jahren, also bereits seit ihrem Umzug aus dem Kanton Bern nach Gempen, mit den dort lokal verankerten Geschichten und Sagen. Auch an der Gempner Heimatkunde arbeitete sie. Dass der Weg nun am vergangenen Samstag eingeweiht wurde, ist das Ergebnis einer gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit mit den Ortschaften Büren und Hochwald sowie dem Engagement des Bürgerrats von Gempen. Dieser stellte nämlich im Rahmen des jährlichen Naturtags die von den Schülern gefertigten Holzschilder auf. In die Schilder brannten die Schüler die Namen der jeweiligen Orte ein und mittels dort angebrachter QR-Codes lässt sich nun an den einzelnen Stationen jeweils die Geschichte des Ortes abrufen. Die so abrufbaren Texte erarbeiteten ebenfalls die Schülerinnen und Schüler.
Die Hoffnung auf sanfteren Wandertourismus
Das Projekt habe sich sofortigem Zuspruch sowohl in der Bevölkerung als auch im Gemeinderat erfreut, erinnert sich Gemeindepräsidentin Grimbichler. Das führt Grimbichler zum einen auf ein allgemeines Bedürfnis nach Rundwanderwegen in der Region zurück. «Gempen wird zeitweise regelrecht gestürmt», erklärt sie. Dies sei nicht immer zum Erfreuen der Anwohnerinnen und Anwohner, wenn Picknickdecken kurz vor der Mahd ins hohe Gras ausgebreitet würden oder ins Weizenfeld getreten werde, um Fotos zu schiessen. Die Gemeinde erhofft sich daher, dass mit neuen Rundwanderwegen die Menschen dazu veranlasst werden, den vorgegebenen Wegen zu folgen.
Zum anderen aber sei auch die Erinnerung an die Herkunft der verschiedenen Flurnamen ein Anliegen. Diese Geschichten neigen dazu, sich im Laufe der Zeit zu verfälschen, deshalb sei mit dem neuen Rundwanderweg auch ein Stück Identität und Geschichte von Gempen festgehalten worden.
Mehr als Schauergeschichten
Dass diese Geschichten mehr als nur erdachte Schauererzählungen seien, davon ist die ausgebildete Heilpädagogin Kutzli überzeugt: «Wenn wir bewusst durch die Natur gehen, in der Stille und nicht immer Stöpsel in den Ohren haben, gibt es dort mit forschendem Blick noch immer viel zu entdecken.»
Mit forschendem Blick kann ab sofort auch der neue Rundwanderweg in Gempen begangen werden.






