Durch Vorlesen und Schmusen Lernmotivation bei Kindern fördern

Am Dienstagabend der vergangenen Woche kamen weit über 100 Eltern in die Mensa der Kreisschule Büren, um nachdenklich und selbstkritisch einem Vortrag zum Thema Lernmotivation zu lauschen.

Elternbildung: Die Referentin Maya Mulle erklärte die Zusammenhänge zwischen Familienleben und Lernmotivation.  Foto: Melanie Aprin
Elternbildung: Die Referentin Maya Mulle erklärte die Zusammenhänge zwischen Familienleben und Lernmotivation. Foto: Melanie Aprin

Auf der Einladung der Schulleitung aller Kindergärten und Primarschulen vom Dorneckberg hatte das Thema noch sehr akademisch geklungen: «Eltern gestalten die Familie als Lernort». Beim 90-minütigen Vortrag selbst ging es dann aber realitätsnah zu. «Wir wollen Eltern aufzeigen, wie sie durch gewöhnliche gemeinsame Aktivitäten mit ihren Kindern im Alltag die Basis für Lernmotivation legen», hatte die Referentin Maya Mulle bereits im Vorfeld angekündigt. Mulle ist seit fünf Jahren Geschäftsführerin des Vereins Elternbildung Schweiz mit Sitz in Zürich. Dort leitet die Mutter zweier erwachsener Kinder die Fachstelle Elternmitwirkung und muss bisweilen auch unbequeme wissenschaftliche Erkenntnisse aussprechen. «Heute glauben viele Eltern, ihre Kinder über etliche Hobbys und andere Beschäftigungsformen zum Lernen hinführen zu müssen», sagt sie. Dieser Glaube sei falsch. «Wenn Kinder mit normalen Ritualen wie gemeinsamen Mahlzeiten oder Spielen aufwachsen, unterstützt das die Lernmotivation von alleine.»


Familie als gesundes Lernfeld

Wichtiger als möglichst viele externe Anreize sei «eine gute emotionale Beziehung, wie sie beispielsweise durch regelmässiges Vorlesen oder Schmusen» aufgebaut werde. Vor allem aber brauchen Kinder «Freiräume und Zeit, um selbst Ideen zu entwickeln». Denn erst aus Langeweile entstünden Ideen.
Derlei Sätze passen zu den Erfahrungen der Schulleiterin Jacqueline Wirz-Nebel, die ebenfalls zweifache Mutter ist. Sie kritisiert, dass «die Familien heute oft verplant» seien, obwohl «die Familie der zentrale Lernort ist und bleibt». Nicht die Schule, sondern nur die Familie könne «Kindern ein gesundes Lernfeld mit Entspannung und Nichtstun» verschaffen. Lernmotivation entstehe nicht vorrangig in der Schule, sondern daheim, «wenn sich ein Kind beachtet und geliebt fühlt, wenn es neugierig sein darf und Bestätigung in seinem Handeln erfährt». Mögen viele Eltern dies intuitiv wissen – so manchen Besucher der Veranstaltung dürfte es dann doch überrascht haben, dass neben dem, was die Schüler und Schülerinnen an Interesse, Begabungen und Lernmotivation mitbringen, die Schule nach Angaben der Fachfrau Mulle «bei Primarschulkindern höchstens zu etwa 30 Prozent einen Einfluss auf die Entwicklung haben kann».

Die restlichen 70 Prozent seien «Sache des Elternhauses». Dass es dort nicht immer optimal zugehen kann, ist auch der Referentin bewusst. «Kinder wachsen heute in verschiedenen Familienformen auf», sagt sie am Rande der Veranstaltung. Ihr gehe es nicht darum, «Lebensentwürfe zu bewerten oder Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen». Sie wolle vermitteln, wie Väter und Mütter «in ihrem jeweiligen jetzigen Umfeld das Optimale bieten können».

Weitere Artikel zu «Dornach und Dorneckberg», die sie interessieren könnten

Sammelt Unterschriften: Die angehende Psychologiestudentin Delia Speiser aus Dornachfordert einen Nachteilsausgleich für Menschen mit Angststörungen. Foto: Désirée Bellwald
Dornach und Dorneckberg19.08.2026

Chancengleichheit mit Angststörungen

Delia Speiser startete im Rahmen ihrer Matura-Arbeit eine Petition für mehr Chancengleichheit bei Angststörungen. Im Gespräch erzählt die Dornacherin, worum es…
Brüder im Einsatz: Während Dario Christ (im Vordergrund) um den Kranz kämpfen konnte, das Duell jedoch verlor, gewann Marino im Hintergrund seinen letzten Kampf und klassierte sich knapp vor seinem Bruder.Foto: eh-presse
Dornach und Dorneckberg19.08.2026

Die Kranzsaison ist zu Ende: Zufriedene Schwinger aus Gempen trotz verpasster Kränze

Am Sonntag endete die Kranzsaison mit dem Nordwestschweizer Teilverbandsfest in Mümliswil und dem Schwägalp-Bergfest. Dabei zeigten die Gebrüder Dario und…
Grosse Unterstützung: Neben über 100 Freiwilligen unterstützen auch zahlreiche Sponsoren das Dorffest. Foto: zVg
Dornach und Dorneckberg12.08.2026

Ein Dorf feiert sich gross

800 Jahre Hobel: Das Organisationskomitee verspricht einen bunten Mix an Attraktionen und Informationen. Über hundert Freiwillige sind im Einsatz.