Der Luchs ist da!
Was schon länger vermutet wurde, ist nun Gewissheit: Der Luchs konnte in Gempen nachgewiesen werden.

Vor über einem Jahr soll der Luchs in Gempen beinahe einem Motorradfahrer vor die Maschine gelaufen sein. Doch war es wirklich ein Luchs? Die Raubkatze, auf deren Speiseplan hauptsächlich Reh- und Gamswild steht, wird auf dem Dorneckberg schon länger vermutet, eindeutige Sichtungen fehlten aber.
Jetzt ist das anders. Am 24. September tappte um 20.58 Uhr das Tier im Gempner Wald in die Fotofalle. Für Revierförster Roger Zimmermann, der sie aufgestellt hatte, ein schöner Erfolg. «Was wir schon lange vermutet haben, ist damit bewiesen», freut er sich. Das Jungtier ist bislang der nördlichste Luchsnachweis im Kanton Solothurn und ein Indiz dafür, dass die Nordwestschweiz mittlerweile ganz besiedelt ist. Das ist auch ein Stück weit Zimmermanns Verdienst. Seit Jahren setzt er sich für den Luchs ein. Im Kanton Solothurn hat er gar mitgeholfen, das Luchsmonitoring umzusetzen. Der Gempner Luchs ist für den aktiven Jäger und Förster auch eine Bestätigung dafür, dass die Bemühungen der Forstwirtschaft Früchte tragen. «In den letzten Jahren haben wird Ruhezonen geschaffen, das ist nun ein Zeichen dafür, dass es funktioniert.»
Habitat mit Tücken
Schlecht hätte es der Luchs in Gempen nicht, sollte er sich tatsächlich auf dem Dorneckberg niederlassen. «Er such Felsen und Höhlen, von daher könnte es für ihn interessant sein», meint Hans Wampfler, Luchsverantwortlicher des Bezirks Dorneck-Thierstein. Dank des guten Rehbestands dürfte er auch nicht verhungern. Die Jagdgesellschaften könnten darum mit einer Jagdpachtreduktion rechnen, weil der Luchs ihr Schusskontingent drückt.
Allerdings bestehen bei Fachleuten auch gewisse Zweifel daran, ob die Raubkatze tatsächlich so weit am Rand ihres Verbreitungsgebiets heimisch werden kann. Obwohl Gempen ein «ideales Habitat» für den Luchs wäre, wie Fridolin Zimmermann von der Berner Raubtierforschungsstelle Kora sagt. Und das obwohl der Wald hier sehr fragmentiert sei. Damit könne der Luchs aber gut leben. Problematisch ist vielmehr, dass sein Streifgebiet, das sich für Männchen auf bis zu 300 Quadratkilometer ausdehnen kann, hier letztlich durch Flüsse, Siedlungen und Hochleistungsstrassen zerschnitten wird. Das wurde 2004 einem Luchs in Muttenz zum Verhängnis, der überfahren aufgefunden wurde. Der Gempenluchs ist seither der erste, der im Gebiet Dorneck nachgewiesen werden konnte. Bleibt nur zu hoffen, dass ihm nicht das gleiche Schicksal widerfährt.
Im Jura zu Hause
Das Juragebirge, das sich in der Schweiz vom Aargau bis in die Waadt erstreckt, ist mittlerweile fast lückenlos vom Luchs besiedelt. Im gesamten französischen und Schweizer Jura geht die Forschungsstelle Kora von 120 Tieren aus. «Die Population zeigt eine positive Entwicklung in den letzten Jahren», meint der Monitoring-Verantwortliche Fridolin Zimmermann.
Für neue Jungtiere hat es da nicht mehr so viel Platz, die suchen sich ihren Lebensraum zunehmend in den noch kaum besiedelten Jurarandregionen. Auch im Oberbaselbiet, etwa bei Eptingen, dem Blauen und Passwang konnten die Pinselohren bereits sicher nachgewiesen werden. Wie viele es genau sind, wollen das Kora, Bund und Kantone jetzt genau wissen. Im Winter werden in den Kantonen Baselland, Solothurn und Jura während 60 Nächten an 93 Standorten Fotofallen aufgestellt.


