Das Tagebuch der Anne Frank:Ein musikalisches Seelen-Porträt
Das Neue TheaterDornach bringt ab dem17. Januar «Das Tagebuch der Anne Frank» auf die Bühne. Sopranistin Meike Hartmann gibt einen Einblick in die Besonderheiten dieser Mono-Oper.

Anne Franks Geschichte ist weltbekannt: Das jüdische Mädchen aus einer Frankfurter Familie, das sich in einem Amsterdamer Hinterhaus während über zwei Jahren vor den Nazis versteckte. Ob in der Schule, in Büchern und Filmen oder vor Ort im Museum – die meisten sind wohl schon in der einen oder anderen Form mit Anne Franks Schicksal in Berührung gekommen. Dieses ist vor allem durch ihr Tagebuch so gut dokumentiert und greifbar, in dem sie an ihre fiktive Freundin Kitty schrieb und aus ihrem Leben berichtete. Dieses endete im Alter von nur 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Auch wenn man meint, ihre Geschichte zu kennen – im Neuen Theater wird Anne Franks Leben auf eine ganz spezielle Art und Weise auf die Bühne gebracht: Gezeigt wird die Mono-Oper vom russischen Komponisten Grigori Frid. Es ist eine Vertonung von 21 Kapiteln aus Anne Franks Tagebuch.
Identifikationspotenzialund Nahbarkeit
In der Aufführung im Neuen Theater Dornach verkörpert die deutsche Sopranistin Meike Hartmann die Figur der Anne Frank. Begleitet wird sie am Klavier von Nadia Belneeva, am Schlagzeug und der Perkussion von Christian Rombach und am Bass von Melda Umur Sciancalepore. Besonders Sängerin Hartmann kennt das Stück gut, hat sie es doch bereits an mehreren Theaterhäusern gespielt, zuletzt aber vor acht Jahren. Sie meint: «Ich konnte bei der Umsetzung hier in Dornach viele neue Facetten des Werks kennenlernen und neu entdecken. Hinzu kommt, dass wir den Fokus der Erzählung auch etwas anders gelegt haben.» In der Regie sitzt der ehemalige Chef des Hauses Georg Darvas, der das Neue Theater für über zwei Jahrzehnte mitleitete. Speziell bei der Aufführung sei vor allem der geweitete Rahmen der Erzählung, sodass sich die Mono-Oper nicht nur historisch auf den Nationalsozialismus, sondern auch allgemein auf Flucht, Kriege und Konfliktherde beziehen kann – wie es sie heutzutage tragischerweise wieder zur Genüge gibt.
Bei vergangenen Inszenierungen sei das Stück besonders auch bei Jugendlichen auf Resonanz gestossen, meint Hartmann. Das mag auf den ersten Blick überraschen, gibt es doch nur noch wenige Holocaust-Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung über die Schreckenstaten berichten können. Hartmann meint diesbezüglich: «Einerseits bietet Anne Frank durch ihr junges Alter Identifikationspotenzial und andererseits herrscht aktuell wieder Krieg in Europa, was das Thema wieder näher rückt.» Die Theatervorstellung ist aber keineswegs nur eine düstere Angelegenheit – im Gegenteil: Im Tagebuch werden auch witzige und komische Alltagssituationen beschrieben bis hin zu den ersten Schmetterlingen im Bauch für ihren Leidensgenossen Peter, dessen Familie sich ebenfalls im Hinterhaus versteckte.
Humanität im Zentrum
Wie es sich wohl angefühlt haben muss, auf engstem Raum für über zwei Jahre in einem Versteck zu leben, wird mit einem entsprechenden Bühnenbild anzudeuten versucht: Eine drehende Bühne mit verschiebbaren Wänden, die sich vom fast schon heimeligen Versteck zum Käfig entwickeln kann, verrät Hartmann. Dazu kommt die klangliche Komponente: «Die Musik ist unglaublich farbenreich und untermalt und verstärkt die Emotionen. Es ist insgesamt ein intensives Seelen-porträt der Anne Frank.»
Das Stück liegt Hartmann am Herzen, das ist im Gespräch mit ihr schnell zu spüren. Sie erzählt, welchen persönlichen Bezug sie zum «Tagebuch der Anne Frank» hat und was sie damit verbindet: Als Studentin war sie für einige Zeit in Amsterdam und wurde von einer Gesangslehrerin unterrichtet, deren Familie damals ebenfalls Jüdinnen und Juden im Dachstock versteckte.
Als dann gegen Kriegsende die Alliierten kamen und somit die Wehrmachtssoldaten zu den Gesuchten wurden, sei ein junger Soldat, knapp erwachsen, Schutz suchend vor der Tür gestanden – und auch ihm haben sie geholfen, erzählt Hartmann: «Dieser Akt der Humanität zeigt, dass es schlussendlich immer der jeweilige Mensch ist, dem geholfen wird. Diese Botschaft sollte im Zentrum stehen.»
«Das Tagebuch der Anne Frank» im Neuen Theater Dornach, Premiere am Samstag, 17. Januar, 19.30 Uhr. Weitere Informationen und Tickets: www.neuestheater.ch


