Das Sechsuhr-Läuten fehlt

Der Kirchenrat hat das morgendliche Betzeit- geläut am Wochenende um eine Stunde verschoben und damit im Dorf Empörung ausgelöst.

Quelle des Unmuts: Die Glocken aus dem Hobler Kirchenturm sollen am Samstag und Sonntag nicht erst um sieben Uhr, sondern wie an den Werktagen bereits um sechs Uhr in der Früh läuten.  Foto Bea Asper
Quelle des Unmuts: Die Glocken aus dem Hobler Kirchenturm sollen am Samstag und Sonntag nicht erst um sieben Uhr, sondern wie an den Werktagen bereits um sechs Uhr in der Früh läuten. Foto Bea Asper

Unbewusst horchte ich dem anhaltenden Klang der Kirchglocken zur gewohnten Betzeit und dachte, wie gut, ist es erst sechs Uhr», erzählte Gemeindepräsident Georg Schwabegger. Es war aber sieben Uhr, und das Ungewohnte hat ihn – wie auch viele andere Einwohner von Hochwald – «sehr erstaunt». Der Kirchenrat hat das morgendliche Geläut am Samstag und Sonntag um eine Stunde verschoben – ohne grossen Nebengeräusche, nicht einmal der Gemeinderat wusste Bescheid. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert, im Dorf gab es einen Aufruhr und bei den Katholiken eine Unterschriftensammlung. Sie fordert den Kirchenrat auf, seinen Entscheid rückgängig zu machen. Wie aus zuverlässiger Quelle zu erfahren ist, machen sich dabei nicht nur die typischen Kirchgänger Sorgen, dass eine Tradition mit Füssen getreten wird. Sogar Kirchenkritikern fehlt das Sechsuhr-Läuten. «Seit der Kirchenrat an der Uhr gedreht hat, fehlt etwas im Dorf», heisst es. Vollzogen wurde der Entscheid im Luzernischen. Die Einstellungen zum Läuten erfolgen per Fernbedienung von der Firma Muff Kirchturmtechnik AG. Diese Unternehmung geniesst seit langem das Vertrauen des Kirchgemeinderates bei der Funktion und der Wartung der Kirchglocken. Und prompt haben die Mitarbeitenden den Auftrag des Kirchgemeinderates ausgeführt.

Kirchgemeindeversammlung entscheidet

Kirchgemeindepräsident Bruno Vögtli-Meier sagt auf Anfrage, dass der Kirchenrat durchaus bereit sei, die vier Kirchenglocken wieder eine Stunde früher läuten zu lassen. In seinem Rückkommensantrag habe er aber beschlossen, den Entscheid an das Volk zu delegieren. «Wir werden an der kommenden Kirchgemeindeversammlung darüber abstimmen lassen, ob das morgendliche Betzeitläuten an den Wochenenden um sechs Uhr oder um sieben Uhr erklingen soll», kündigt er an. Der Kirchenrat war bei seinem ursprünglichen Entscheid davon ausgegangen, der Bevölkerung eine Freude zu bereiten. Da er die Änderung als gering einstufte, hatte er nicht das Gefühl, alte Traditionen zu brechen. «Es handelt sich ja nur um das morgendliche Läuten vom Wochenende», gibt Vögtli zu bedenken und führt aus: «Ein Mitglied der Kirchgemeinde hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass das Geläut um sechs Uhr nicht mehr zeitgemäss sei. Geruhsamer Schlaf sei wichtig für die Erholung der arbeitenden Bevölkerung, argumentierte er und forderte den Rat auf, die Zeichen des Wandels zu erkennen und mit dem Zeitgeist zu gehen.»

Wie dieser in Hochwald tickt, wird sich nun am 18. Juni an der Kirchgemeindeversammlung weisen.

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