Damit Mutter und Kind zusammenbleiben
Vor fast 15 Jahren nahm das Mutter-Kind-Haus in Gempen die erste Frau auf. Am Samstag kommender Woche gewährt ein Tag der offenen Tür Einblicke.
Es ist nicht übertrieben, zu sagen: Das Mutter-Kind-Haus der Stiftung Ita Wegman liegt an einem Ort, der beinahe paradiesisch anmutet. «Die wunderschöne Lage hat auf die Mütter, die bei uns sind, eine positive Wirkung», sagt Katharina Guldimann, Mitbegründerin und Leiterin des Hauses, gelegen am Hang etwas oberhalb von Gempen. Die Mütter, welche bis zu vier Wochen im Mutter-Kind-Haus leben, leiden nach der Geburt ihres Kindes an Erschöpfungszuständen. Im Fachjargon spricht man von einer postpartalen Depression, die sich von kurzzeitigen Stimmungstiefs in den ersten Tagen nach der Geburt unterscheidet.
«Es ist ein Gefühl der Leere und der Überforderung. Das wirkt sich auf die Mutter-Kind-Beziehung aus. Deshalb ist es wichtig, dass die Mutter unterstützt wird, zur Ruhe kommt, ohne deswegen vom Kind getrennt zu werden», sagt die erfahrene Hebamme. In einer psychiatrischen Klinik sei die Mutter in der Regel allein: «Das mag zwar im ersten Moment die einfachste Lösung sein, schafft aber neue Probleme.» Zwei Drittel der Mütter, die bei Guldimann Hilfe suchten, hätten bereits zuvor in ihrem Leben schon an einer depressiven Episode oder einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) gelitten.
Aus der Klinik nach Gempen
Guldimann liegt das Wohl von Mutter und Kind am Herzen: «Ich arbeitete viele Jahre, auch in leitender Funktion, auf der Familienstation der damaligen Ita-Wegman-Klinik. Dort waren unter anderem vier Betten für Frauen in Erschöpfungszuständen eingerichtet», erzählt sie. In einem Prozess der Umstrukturierung, welcher später im Zusammenschluss der Kliniken Ita Wegman und Lukas zur heutigen Klinik Arlesheim mündete, wurde die Familienstation anno 2010 geschlossen. «Ich suchte nach Möglichkeiten, das Angebot für Mutter und Kind irgendwie weiterzuführen. Es kam mir zugute, dass ich viele Kontakte hatte und dass es zuvor schon ein Projekt gab, das vorsah, die Familienstation in externen Räumen einzurichten.»
Im Juni 2011 gründete Guldimann mit zwei Mitstreiterinnen die Stiftung Ita Wegman Mutter-Kind-Haus. Über ein Inserat stiess die Stiftung auf das ehemalige Bauernhaus am Höfliweg in Gempen, wo sie sich in einer Siebenzimmerwohnung, welche sich über das erste und das zweite Stockwerk erstreckt, einmieten konnte. «Die Besitzer des Hauses, Herr und Frau Balzli, waren uns sehr wohlgesonnen. Das war für uns ein grosses Glück.» Am 17. Oktober 2011 konnte das Mutter-Kind-Haus eröffnet werden, und tags darauf trat bereits die erste Mutter ein.
Hilfe beim Schlafenlegen
Das Haus in Gempen unterscheidet sich von dem, was landläufig unter einem Mutter-Kind-Haus verstanden wird: Während dort Eltern in schwierigen Lebenslagen, etwa mit einer Suchterkrankung, Hilfe finden und es darum geht, das Kindeswohl sicherzustellen, steht im Haus der Stiftung Ita Wegman die Beziehung zwischen Mutter und Kind im Zentrum. «Wir entlasten die Mütter etwa beim Schlafenlegen des Kindes. Sie vertraut uns in dem Moment das Kind an, ist aber doch nicht wirklich getrennt von ihm. Unser kleiner, familiärer Rahmen macht das möglich.»
Das Haus verfügt über eine Wohnküche, eine gemütliche Stube, einen Therapieraum, vier Einzelzimmer, mehrere Bäder und ein Büro. Die therapeutischen Anwendungen reichen von Wickel und Kompressionen über Ganzkörpereinreibungen bis zu Heileurythmie – das Haus in nach anthroposophischer Medizin ausgerichtet. Im Haus arbeiten Pflegefachfrauen, Hebammen, zwei Sozialpädagoginnen, eine Pädagogin, zwei Köchinnen und eine Putzfachkraft. Guldimann ist als Leiterin mit voller Tatkraft dabei, doch wird sie in zwei Jahren pensioniert. «Deshalb suchen wir eine Nachfolge, die idealerweise stufenweise bei uns als Leiterin einsteigen würde.»
Die Frage der Finanzierung
«Wer soll das bezahlen?» Diese Frage kam Guldimann bei der Gründung des Hauses immer wieder zu Ohren. Tatsächlich bekommt die Stiftung keine Unterstützung durch die öffentliche Hand und die Krankenkassen. «Eigentlich müssen die Mütter ihren Aufenthalt selbst bezahlen, was aber meist gar nicht möglich ist. Ein Aufenthalt von drei Wochen kostet schliesslich zwischen 7000 und 8000 Franken.» Die Mütter müssen daher einen Finanzierungsantrag stellen.
«Wir haben einzelne private Spenderinnen und Spender sowie Stiftungen, die uns unterstützen. Aber wir sind darauf angewiesen, dass immer auch neue Spenden dazukommen», so Guldimann. Am Samstag kommender Woche lädt die Stiftung zu einem «Sommertag der offenen Tür ein». Zwischen 14 und 17 Uhr gibt es unter anderem Musik und Führungen durch das Haus. Eine Woche später findet in Dornach zudem der Vortrag «Herausforderung Muttersein: Impulse von Ita Wegman für die Gegenwart» statt.
«Die wunderschöne Lage hat auf die Mütter, die bei uns sind, eine positive Wirkung.»






