Concordia Dornach geht in die Nachwuchs-Offensive
Die neue, vereinsinterne Musikausbildung ist ein Versuch, das Corps für die Zukunft zu retten. Nachwuchsprobleme bei Bläsern hat man aber nicht nur in Dornach.

Thomas Brunnschweiler
Blasmusikvereine haben mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Das Freizeitverhalten von Jugendlichen ist heute ein völlig anderes als vor 50 Jahren. Junge Menschen binden sich nicht mehr gerne an einen Verein. Im Birstal ist die Situation von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Der Dornacher Musikverein Concordia hat sich entschieden, sich nicht mehr nur auf den Nachwuchs aus der Jugendmusikschule zu verlassen, sondern eine eigene Ausbildung anzubieten. Dazu wurde eine Ausbildungskommission gegründet und vier Vereinsmitglieder mit der Ausbildung von Jungmusikern oder Wiedereinsteigern beauftragt.
Fehlender Bezug zum Dorf
«Wir haben mehrmals versucht, eine Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule Dornach auf die Beine zu stellen. Es begann jeweils gut, verlief aber immer wieder im Sand», sagt Philip Egger, Präsident der Concordia Dornach. «Der Kontakt zu Jakob Kolb, dem Leiter der Musikschule, ist gut, aber der Bezug der Lehrerschaft zum Dorf fehlt. Oft haben die Lehrer auch höhere Ansprüche an ihre Schüler und bilden eigene Ensembles.»
So entschloss man sich, einen Flyer zu drucken und zu verteilen, der für die vereinsinterne Ausbildung wirbt. Anders als in Dornach läuft es in Münchenstein. Dort ist Thomas Schild, der Leiter der Musikschule, gleichzeitig der Dirigent des Musikvereins. «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis», erklärt er, aber auch er betont, dass das Mittelsegment der 25- bis 45-Jährigen fehle. Olivier Humair, der Präsident der Musikgesellschaft Konkordia Reinach, kann sich über die Zusammenarbeit mit der Musikschule nicht beklagen. «Es gibt zwar keine offizielle Verbindung, aber es besteht eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule, die sich auch im Verleihen von Instrumenten zeigt», erklärt er. Ähnliche Probleme wie in Dornach gibt es in Aesch. Daniele Menteli, Präsidentin des dortigen Musikvereins, sagt: «Die Musiklehrer haben wenig Interesse am Musikverein. Die Jugendmusikschule ist sich ihrer Aufgabe zu wenig bewusst; man könnte bei der Steuerung der Instrumentenwahl einiges besser machen.»
Professionell oder nicht?
Thomas Schild steht der vereinsinternen Ausbildung in Dornach skeptisch gegenüber: «Die Ausbildung innerhalb eines Vereins ist nicht professionell.» Dieses Argument will Salomé Derrer vom Vorstand des MV Concordia Dornach nicht gelten lassen: «Alle unsere Ausbildner sind durchaus professionell, sie haben sowohl die praktischen wie theoretischen Kurse besucht.» Es gehe auch gar nicht nur um Jugendliche, man wolle auch Erwachsene ansprechen, etwa Mitglieder von Guggemusiken, die sich weiterbilden wollen. Der Dornacher Gemeindepräsident Kurt Henzi hat die Initiative der Concordia positiv aufgenommen. «Ich betrachte dieses Vorgehen nicht als Konkurrenz zur Jugendmusikschule». Auch Jakob Kolb, Leiter der Jugendmusikschule Dornach, findet den Vorstoss der Concordia verständlich. «Ich habe schon vor vier Jahren geraten, Wiedereinsteiger zu mobilisieren», sagt er. «Aber auch wir haben Nachwuchsprobleme bei den Bläsern.» Nicht teilen kann Kolb die Meinung, dass die Lehrerschaft Desinteresse am Dorfleben habe, obwohl er zugeben muss, dass bei den teilweise kleinen Pensen ein stärkeres Engagement auch nicht möglich ist. «Auch unsere Konzerte sind ein Beitrag zum Dorfleben und sie werden sehr gut besucht.» Kolb zeigt sich auch nach wie vor offen für eine Zusammenarbeit mit der Concordia.


