Briefannahme verweigert: «Retour par sa femme. Il est en prison»
Das Heimatmuseum zeigt in einer Sonderausstellung die Geschichte des regionalen Postwesens am Beispiel alter Briefe. Alfred Schneiter hat sie gesammelt und ist ihren Spuren nachgegangen.

Roland Bürki
Die alte, dem heiligen Mauritius geweihte Dorfkirche birgt seit ihrer Umgestaltung zum Heimatmuseum des Schwarzbubenlandes anno 1949 viele Schätze aus der Vergangenheit dieser Region. Etwa Exponate zur Schlacht von Dornach, die Originalstatue des Heiligen Nepomuk, archäologische Funde oder natur- und wirtschaftsgeschichtliche Sammlungen. «Sonderausstellungen wecken mit ihren ganz speziellen Exponaten das Interesse der Bevölkerung immer wieder aufs Neue», freut sich Dr. Hans Voegtli, Präsident des Heimatmuseums, ganz besonders auf die Sammlung historischer Briefe von Alfred Schneiter (81) aus Hofstetten-Flüh. Sie seien Zeugen der wechselhaften Geschichte der Post zwischen 1695 und 1918 im Schwarzbubenland und im Laufental.
Vom Standesläufer zur eidgenössischen Post
Hört man Alfred Schneiter, dem früheren Landwirt und Mitglied in kommunalen Behörden sowie im Schweizerischen Obstverband, aufmerksam zu, erfährt man, wie vielfältig sich die Postdienste im fürstbischöflichen Laufental und im solothurnischen Schwarzbubenland entwickelt haben. In seiner Jugendzeit hat Schneiter mit dem Sammeln von Briefmarken begonnen und sich später während vier Jahrzehnten immer mehr in die Geschichte des regionalen Postwesens vertieft: Da überbringen bis ins 17. Jahrhundert kantonale Standesläufer oder Postreiter und -kutscher die Briefschaften, dann folgt 1798 bei der französischen Besetzung der Schweiz die Helvetische Post. Genf und das Fürstbistum Basel mit dem Laufental werden gar Teile des französischen Postgebietes bis 1803 die Mediationsverfassung den Kantonen die Posthoheit zurückgibt. 1849 entsteht schliesslich die eidgenössische Post mit elf Postkreisen.
Raritäten zum Bestaunen
Schneiters Sammlung, die an der «Bellinzonafil 08» mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden ist, lässt den Betrachter staunen über die Aussagekraft eines früher beförderten Briefs. So finden sich Sendungen aller Poststellen der Region mit den allerersten Balkenstempeln oder zwei Briefe von 1870 eines Soldaten aus der Danziger Bucht nach Arlesheim im Kanton Laufen(!). Verfolgen lässt sich manchmal auch der Weg eines Briefes bis zur Rücksendung, wo dann auch der Grund mit Tinte hingekritzelt ist: «Retour par sa femme, il est en prison (zurück durch seine Frau, er ist im Gefängnis)». «Dokumente sammeln ist die Krone des Briefmarkensammelns», sagt Schneiter zu seiner Sammel- und Forschungstätigkeit.
Feinsäuberlich hat er denn auch auf den 80 Datenblättern vermerkt, was über die einzelnen Briefe, die Wertzeichen und die Zeitepoche zu sagen ist. Und das ist viel, wie der Sammler pointiert feststellt: «Die ungestempelte Marke flüstert, die gestempelte spricht und der Brief schreit.» Um das Schreien richtig zu verstehen, habe ihr Mann sich aber zuerst mit der früher gebräuchlichen deutschen Spitzschrift auseinandersetzen müssen, sagt Gattin Küngold Schneiter zu einem Hobby, das auch sie immer wieder fasziniert: «Vor allem dann, wenn Alfred seine Zuhörer bei Vorträgen in seinen Bann zieht.»
Mit der Vernissage vom Mittwoch, 25. September, 18 Uhr, wird die Sonderausstellung «Geschichte des Postwesens in Briefen» eröffnet. Sie ist bis zum 27. Oktober 2013 jeweils am Sonntag von 15 bis 17 Uhr offen.


