Bewegende Trauerfeier für Otto Stich
Nach der Trauerfeier macht sich in Dornach der Gedanke breit, einen Platz oder auch eine Strasse nach Otto Stich zu benennen.

Axel Mannigel
Obwohl auch etliche hochrangige politische Vertreter Otto Stich die letzte Ehre erwiesen, begann Tobias Fontein, Leiter der Römisch-katholischen Gemeinde Dornach, betont schlicht, indem er auf eine namentliche Nennung verzichtete. Das war ganz im Sinne Stichs, der seine Autobiografie mit «Ich blieb einfach einfach» betitelt hatte. So war es Fontein auch ein Anliegen, in seiner Rede ein Bild des Menschen Otto Stich zu zeichnen, der nie die Bodenhaftung und die Verbindung zu seinem Dornach verlor. Daran konnte auch seine Laufbahn, die ihn bis in höchste Ämter führte, nichts ändern.
Das mussten auch seine politischen Mitstreiter, Nachfolger und Gegner anerkennen. Von ihnen waren die beiden SP-Bundesräte Simonetta Sommaruga und Alain Berset sowie zahlreiche alt Bundesräte da. Ebenfalls präsent war SP-Parteipräsident Christian Levrat, alt SP-Präsident Helmut Hubacher, der Solothurner SP-Landammann Peter Gomm, der grüne Basler Regierungspräsident Guy Morin und der SP-Regierungsrat Urs Wüthrich aus Baselland. Dazu natürlich die Dornacher Parteikollegen sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Sie alle konnten sich zusammen mit Pfarrer Fontein an einen Menschen erinnern, dem zeitlebens der Kontakt und das Miteinander mit anderen von zentraler Wichtigkeit waren.
Engagiert, aber nicht immer einfach
Dabei war Stich, im Gegensatz zu seiner Maxime, nicht immer einfach. Denn er war einer, der tat, was er sagte, und sagte, was er dachte. Fontein: «Otto Stich war ein Mann der Öffentlichkeit. Mit seinem Einsatz hat er sich oft auch ausgesetzt. Wer macht das heute noch?» Auch so manche Anekdote zum Schmunzeln brachte der Pfarrer vom Familienmenschen und Naturfreund Stich, der gut über sich selbst lachen konnte, etwa anhand der Karikaturen an der Basler Fasnacht. Wie passend, dass das ‹Ave Maria› auf einem Fasnachtspiccolo gespielt wurde.
Auch sonst blieb man musikalisch gesehen auf dem Boden. Immer wieder trugen die Schwarzbuebe-Jodler zum Gottesdienst bei. Später, nach dem Abendmahl, hielten der Solothurner Ständerat Roberto Zanetti, der Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, Urs Niggli, und der Zunftmeister der Magdalenenzunft, Hans Zeltner, drei Ansprachen. In ihnen beschrieben sie Otto Stich als einen Streiter für soziale Gerechtigkeit (Zanetti), engagierten Vordenker in Sachen Ökologie (Niggli) und treuen Zunftbruder (Zeltner).
Eine Strasse für Otto Stich?
Dass Otto Stich nun ein permanentes Denkmal gesetzt werden soll, scheint nur allzu verständlich. Entsprechend ist in Dornach die Möglichkeit ins Gespräch gebracht worden, einen Platz oder eine Strasse nach dem alt Bundesrat zu benennen. Solch ein Begehren hält René Umher, Präsident der SP Dornach, für «durchaus realistisch». Denn damit würde Stichs Arbeit und Engagement – gerade auch für Dornach – entsprechend gewürdigt.
Auch Gemeindepräsident Christian Schlatter scheint ein solches Vorhaben unterstützen zu wollen. Der «Basellandschaftlichen Zeitung» sagte er am Dienstag: «Falls ein solches Begehren geäussert wird, macht sich der Gemeinderat über den Standort Gedanken». Was es letztendlich wird, eine Strasse, ein Platz oder ein Baum, für diese Entscheidung sei es aber zu früh.


