Bahnhofsgeschichten: Theaterneubau macht Freude – Latrine sorgt für Ärger
Der Neubau des Neuen Theaters am Bahnhof ist finanziell gesichert. Heute wird voraussichtlich die Baugenehmigung erteilt, der Spatenstich soll im Sommer erfolgen.

Lukas Hausendorf
Das neue Neue Theater am Bahnhof Dornach-Arlesheim nimmt bald schon sehr konkrete Formen an. Das Baugesuch wurde am 7. März publiziert und heute läuft die Einsprachefrist ab, womit höchstwahrscheinlich der Startschuss für den Neubau an der Ecke Bahnhofstrasse/Arlesheimerweg gefallen sein dürfte. Dies nur im Konjunktiv, weil nicht bekannt ist, ob nach Redaktionsschluss noch eine Einsprache gegen das Baubegehren eingegangen ist. Bis Mittwochvormittag war dies nicht der Fall. Und es spricht auch wenig dafür, dass das Projekt auf Widerstand stossen könnte.
Der Kontakt zur Nachbarschaft ist laut Projektleiter Cyrill Häring einvernehmlich und die Resonanz bislang positiv. Die Finanzierung des Projektes ist ebenfalls gesichert. Inklusive der Beiträge der öffentlichen Hand – Dornach beteiligt sich mit 500 000 Franken – sind bis jetzt über 2,1 Millionen Franken zusammengekommen. «Für das Gebäude reicht das. Bei der Einrichtung sind wir aber noch auf Spenden angewiesen», meint Daniel Urech, Gemeinderat und Präsident der Stiftung Kultur am Bahnhof, die das Projekt ausführt. Dornach wird der Stiftung nun die erste Finanzierungstranche über 250 000 Franken auszahlen. Der Beitrag des Kantons Solothurn, der ebenfalls eine halbe Million beisteuert, wird per Baubeginn ausbezahlt werden. Der Spatenstich erfolgt voraussichtlich nach den Sommerferien. Morgen Freitag wird der Stiftungsrat die Planung weiter konkretisieren.
Kostenpflichtiges Unisex-WC
Eine Bahnhofstoilette zu unterhalten ist keine sehr dankbare Aufgabe. Am Bahnhof Dornach-Arlesheim war Vandalismus ein Dauerthema, die Wartung entsprechend zeit- und kostenintensiv. Die Standortgemeinden bezahlten dafür in den letzten fünf Jahren zusammen durchschnittlich rund 21 000 Franken. Das Gebäude, in dem die WC-Anlagen untergebracht sind, gehört aber der SBB, die sich diesen Service Public die letzten 20 Jahre von der öffentlichen Hand finanzieren liessen. Nun wollen die SBB den Toilettenbetrieb selbst übernehmen. Für die Modernisierung der Anlage will die öffentlich-rechtliche Bundesbahn nun wiederum die Standortgemeinden zur Kasse bitten. Aus bislang zwei getrennten Damen und Herren Toilette wird künftig ein Vandalismussicheres, rollstuhlgängiges Unisex-WC. Und kostenpflichtig.
Gemeinderat rümpft die Nase
Das stösst dem Gemeinderat genauso sauer auf, wie die Forderung der Bahn, sich den Ausbau ihrer sanitären Infrastruktur durch die öffentliche Hand bezahlen zu lassen. Denn die SBB sind nicht verpflichtet, am Bahnhof eine Latrine zu betreiben, obwohl es im öffentlichen Interesse ist, dass an einem Umsteigeknotenpunkt, der täglich von tausenden Pendlern passiert wird, eine Möglichkeit zur Notdurftverrichtung besteht. Die SBB nützen die Situation systematisch aus. In Liestal und Laufen wurden mit der gleichen Taktik bereits Erstellungsbeiträge über mehrere zehntausend Franken abgerungen.
Der Dornacher Gemeinderat wies die Vereinbarung zurück und verlangt von den SBB im Gegenzug für die Entschädigung von 26 000 Franken, die man sich mit Arlesheim teilen wird, die Errichtung eines gratis Pissoirs in Ergänzung zur kostenpflichtigen Unisex-Latrine. «Andernfalls müssen wir uns in der Unterführung bald die Nase zuhalten», mahnte Daniel Urech (FWD).


