Abschied von prägendem Zweiergespann
Speziell sind sowohl für den zurückgetretenen Gemeindepräsidenten Roland Sauter wie für die scheidende Gemeindeschreiberin Regula Gilomen die Zahlen 32 und 16.

Heiner Leuthardt
Beim Gespräch zum Rücktritt von Gemeindepräsident Roland Sauter und Gemeindeschreiberin Regula Gilomen regnete es heftig. Unbekümmert davon strahlen die beiden FDP-Mitglieder Zufriedenheit aus und das unbeschwerte Lachen der Gemeindeschreiberin, das viele Gempner vermissen werden, lassen den griesgrämigen Sommermorgen vergessen. Kaum vergessen gehen wird das grosse Engagement des prägenden Zweiergespannes.
Der Zufall spielte mit, dass beide nach jeweils 16 Jahren zurücktreten. «Es ist gut, dass wir praktisch gleichzeitig aufhören», sind sie sich einig. Der 67 Jahre junge Politiker gibt nach 32 Jahren im Gemeinderat, davon 16 Jahre als Vizepräsident und 12 Jahre als Präsident, sein Amt gerne in die Hände seines Parteikollegen Patrik Stadler. Vollblutpolitiker aber bleibt er mit ungebrochenem Elan.
Zurück in die Region Biel
«Ich hätte an sich gerne bis zur Pensionierung weiter gearbeitet», meint die quirlige 61 Jahre junge Gemeindeschreiberin. «Aber mein Mann ist pensioniert und jetzt zieht es uns zurück in unsere alte Heimat, die Region Biel.» Ihr Mann war es auch, der die Familie durch seine Arbeit in die Region Basel brachte. «Ein Inserat zum Mieten eines Hauses und die grosszügige Schulanlage mit Spielplatz brachten uns vor 32 Jahren von Arlesheim nach Gempen.» Die junge Familie fühlte sich hier sofort wohl. Ausgehend von Kommissionsarbeiten hatte Regula Gilomen vor 16 Jahren die Wahl entweder in den Gemeinderat einzutreten oder Kanzlistin zu werden.
«Für mich war klar, dass ich nicht in den Gemeinderat will.» Kanzlistin war sie aber nur für einen Monat, dann trat ihre Vorgängerin zurück und sie wurde als Gemeindeschreiberin gewählt. Roland Sauter betont, dass «die Regula» immer gut, schnell und umsichtig gearbeitet habe und stets für die Gempner da gewesen sei. Durch ihre Zeit im Kantonsrat sei sie zudem gut vernetzt. Er selber, der den elterlichen Carosseriebetrieb in Gempen übernahm, ist ein «homo politicus», der sich bereits in seiner früheren Wohngemeinde Reinach politisch betätigte und über eine rasche Auffassungsgabe verfügt, wie die Gemeindeschreiberin lobt. 1961 kam er mit den Eltern nach Gempen. U. a. war er in der Feuerwehr, der er auch als Kommandant vorstand. Wegweisend war sein Engagement in der Baukommission und als Präsident der Baukommission des Schulhauses. Im Gemeinderat blieb Roland Sauter dem Bauwesen treu.
«Allen Recht getan …»
Die beiden Zurücktretenden – Regula Gilomen arbeitet noch bis zu ihrem Wegzug in vier Monaten – beurteilen die gemeinsame Zeit als arbeitsintensiv und spannend. In diesen 16 Jahren wuchs Gempen von 530 auf 860 Personen. Das bedeutete Investitionen in die kommunale Infrastruktur, Ausbau der Wasserversorgung, Baulandumlegungen, Zusammenarbeitsfragen im Schulwesen, um nur einige Themen anzutippen. Diese seien meist intensiv, aber immer fair diskutiert worden.
In der Gemeindekanzlei war Regula Gilomen besonders mit der Einführung der EDV und der Ausarbeitung einer zukunftsorientierten Arbeitsorganisation gefordert. «Dank der Unterstützung von qualifizierten Fachleuten ist dies gelungen», freut sie sich. Das Gespräch fliesst, Erinnerungen werden wach, auch die Einsicht, dass nicht allen Recht getan werden kann. «Ich weiss, dass es Leute gibt, die mit meiner Arbeit nicht in allen Teilen zufrieden sind», weiss Roland Sauter. Regula Gilomen nickt zustimmend und ergänzt, dass man «in den 16 Jahren viel erreichen konnte. Eines aber liegt mir besonders am Herzen, dass man den Wert der Dorfgemeinschaft erkennt und pflegt, sich für Gempen engagiert und sich wieder grüsst, wie vor 32 Jahren.» Roland Sauter nickt zustimmend.


