50 Jahre Orchester Dornach: Versteckte Hommage an die Ukraine

Das Jubiläumskonzert des Orchesters Dornach am Sonntag ist mit der Wahl des ukrainischen Pianisten Andriy Dragan und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1, das ukrainische Melodien enthält, ein unbewusstes Statement.

Geheimtipp unter den Pianisten: Andriy Dragan stammt aus der Ukraine.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Geheimtipp unter den Pianisten: Andriy Dragan stammt aus der Ukraine. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Wahrscheinlich waren sich weder der Vorstand des Orchesters noch der musikalische Leiter Jonathan Brett Harrison der Brisanz ihres Konzerts im Grossen Saal des Goetheanums bewusst. Der Solist, der aus der Ukraine stammende 28-jährige Pianist Andriy Dragan, war nämlich nicht von Anfang an gesetzt. Er lebt seit zehn Jahren in Basel und hat 2011 an der Musikakademie sein Solistendiplom gemacht, 2013 das pädagogische Diplom. Der Musiker studierte zunächst in seiner Heimatstadt Lviv (Lemberg) bei Lidia Krych, später bei Adrian Oetiker in Basel. Zur Vertiefung seiner Musikalität trugen zahlreiche Meisterkurse bei, etwa bei Dmitiri Bashirov oder Alfred Brendel. Schon früh erhielt Dragan für sein Spiel zahlreiche Preise.

Virtuosität hat dienende Funktion
Gerne erinnert sich der bescheiden gebliebene Pianist an den dreistündigen Einzelunterricht bei Brendel. «Die drei Stunden waren wie eine Viertelstunde», sagt er, «Brendel zeigte mir, dass die Liszt-Sonate in h-Moll trotz der geforderten Virtuosität ernst und mit musikalischer Tiefe interpretiert werden muss. Virtuosität steht immer im Dienst der Musik und nicht umgekehrt.» Dragans Interpretation des Liszt-Stücks ist auf seiner Website (www.andriydragan.com) zu hören, genauso wie die Beet-hoven-Sonate As-Dur op.  110. Dragan macht auf die Gefahren des Musikbetriebs aufmerksam, der bei der grossen Konkurrenz und den vielen Wettbewerben oft den Fokus zu sehr auf die Virtuosität lege. «Natürlich kommt es auch immer etwas auf die Show an», relativiert er.

Dabei kommt einem unwillkürlich der grosse Liszt in den Sinn, der zu seiner Zeit so etwas wie ein Popstar war. «Am wichtigsten ist es mir, dass die Menschen, die mich hören, wegen meiner Musik wiederkommen», erklärt Dragan. Dass der Dirigent gerade Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 vorgeschlagen hat, kommt dem Pianisten entgegen. «Es ist zufälligerweise mein Lieblingsstück. Wegen dieses Werks begann ich Klavier zu spielen.» Das Stück brauche Kraft, viel Temperament und Frische. Die Proben, die am 29. Oktober begannen, machen dem jungen Pianisten Spass.

Ein Stück mit spannender Geschichte
Das virtuose Paradestück von 1874/75, in dem auch ukrainische Volksweisen vorkommen, und das ursprünglich dem Pianisten Nikolai Rubinstein gewidmet war, fand bei diesem keine Gnade. Rubinstein schrieb es um und Tschaikowsky widmete es nun Hans von Bülow. Dieser war der Solist bei der Uraufführung in Boston. Nach dem stürmischen Erfolg spielte es auch Rubinstein, der unterdessen seine Meinung geändert hatte, in Paris. Die typischen Akkordpassagen zu Beginn kommen im Originalmanuskript noch nicht vor. Das Konzert, das an den Interpreten höchste Anforderungen stellt, ist das am häufigsten eingespielte Klavierkonzert überhaupt. Nach Tschaikowsky erklingt Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 3 «Eroica».

Tickets gewinnen!
WoB. Für das Jubiläumskonzert des Orchesters Dornach vom kommenden Sonntag, 9. November, 16.30 Uhr im Goetheanum verlost das «Wochenblatt» 2×2 Tickets. Einfach ein  E-Mail mit dem Stichwort «Orchester» an <link mail>wettbewerb@wochenblatt.ch senden. Einsendeschluss: Freitag, 7. November, 14 Uhr; Name, Adresse und Telefonnummer nicht vergessen. Wer sich nicht auf sein Glück verlassen will, benutzt den Vorverkauf über das Goetheanum, die Raiffeisenbank Oberdornach oder Bider & Tanner, Basel. Eintritt: Fr. 28.– bis 39.–; Lehrlinge/Studenten: Fr. 10.– Ermässigung; Jugendliche bis 16 Jahre Fr. 5.–.

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