Vertreibt eine Baustelle die Zauneidechse?

Die Schrebergärten am Birsweg müssen aufgrund einer Baustelle weichen. Davon betroffen könnte auch die Zauneidechse sein, die laut Naturinventar an diesem Standort vorkommt und geschützt ist.

Fühlt sich in den Schrebergärten wohl: die Zauneidechse. Foto: CH MEdia Archiv/zVg

«Gegen die Aufhebung sind wir machtlos, im Vertrag steht, dass die Gemeinde die Gärten ohne Grund kündigen kann», sagt Harald Kreisl aus Dornach. Seit ­Jahren pflegt und hegt er einen der Schrebergärten am Birsweg. Nun müssen diese weichen, weil die Gemeinde die Werkleitungen saniert und dafür eine Baustelleninstallation platzieren muss. Danach soll die Fläche der Schrebergärten in die Freizeitanlage Glungge integriert werden, um den Aufenthaltsbereich neben dem Kinderbecken grosszügiger zu gestalten.

Kreisl ist Biologe und sorgt sich nun um die Reptilien und Amphibien, die hier laut Naturinventar ihren Lebensraum haben. Er kontaktierte deshalb das Umweltbüro Daniel Knecht und dieses ­machte die Bauverwaltung auf den Schutzstatus der dort vorkommenden Zauneidechse aufmerksam. Kreisl bat die Gemeinde darum, den Gartenbewirtschaftern bis zum Herbst einen Aufschub zu gewähren. Denn die ihnen als Ersatz anerbotene Fläche steht noch nicht zur Verfügung. Die neuen Schrebergärten sollen hinter dem Parkplatz der Sportanlage Weiden entstehen. Proben ergaben nun aber, dass der Boden teils belastet ist. «Der Standort soll so instand gestellt werden, dass er für die Gartennutzung geeignet ist», erklärt Bauverwalter Marc Etterlin gegenüber dem Wochenblatt. Er schliesst nicht aus, dass die ­bestehenden Schrebergärten bis zum Baustart der Strassensanierung im Birsweg über den Kündigungszeitpunkt hinaus erhalten bleiben. Die Kündigung bleibe aber (seit Ende März) rechtskräftig.

Fachgutachten des kantonalen Reptilienbeauftragten

Laut Naturinventar gibt es im hinteren Bereich der Gärten Naturobjekte, die schützenswert sind. Die Baubehörde treffe noch Abklärungen mit dem Reptilienbeauftragten des Kantons Solothurn. «Wir werden prüfen, ob die Zauneidechse vorkommt, und welche Massnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen sind», führt Etterlin aus. Daraus folge eine Interessensabwägung, die vielleicht auch zu einer Plananpassung bei den Bauarbeiten führen könnte. «Sollte es erforderlich sein, werden wir die Baustelleninstallation entsprechend anpassen», meint Etterlin. Dafür hatte sich im Gemeinderat Gemeinderätin Janine Eggs (FWD/Grüne) eingesetzt. Ihr Ratskollege Urs Kilcher (FDP) stellte sich auf den Standpunkt, dass eine Verschiebung der Baustelleninstallation heikel sei, weil sich dadurch die Zufahrt der Baumaschinen verlängere und es zu Verkehrsproblemen mit den Badegästen kommen könnte. Gemeindepräsident Daniel Urech (FWD/Grüne) stellte klar, dass die Gemeinde Vorgaben zum Schutz von Tierarten selbstverständlich einhalten werde. Auf Nachfrage des Wochenblatts sagt Thomas Schwaller, Leiter Amt für Natur und Landschaft des Kantons, der Gemeinderat sei letzte Woche darauf aufmerksam gemacht worden, dass er beim kantonalen Reptilienbeauftragten ein Fachgutachten einholen und dieses beim Entscheid berücksichtigen müsse.

Der Gemeinderat verabschiedete am Montag das Bauprojekt Birsweg einstimmig zur Ausführung.

Umrüstung auf LED-Lampen und neue Konrektoren

Der Gemeinderat beriet an seiner Sitzung vom Montag des Weiteren das künftige Beleuchtungskonzept von Dornach. Die Umrüstung auf die moderne LED-Technik, die sich nach dem Bedarf ausrichtet, ist in drei Etappen vorgesehen und soll dann die Nachtabschaltung aufheben. Der Gemeinderat verabschiedete zuhanden der Gemeindeversammlung einen Investitionskredit von 1,15 Millionen Franken für die Erneuerung der gesamten Strassenbeleuchtung in Dornach bis ins Jahr 2026.

Weiter beschloss der Gemeinderat ­einen Systemwechsel beim Schulleiter-Modell. Reto Fehr wird ab August Gesamtschulleiter, unterstützt durch drei Konrektoren mit jeweils 30 bis 40 Stellenprozent. Sie werden aufgeteilt auf die verschiedenen Schulzyklen und sollen auch noch unterrichten. Bei der Stellenausschreibung sei explizit erwähnt, dass interne Bewerbungen erwünscht seien und die Ausbildung als Konrektor noch absolviert werden könne. Die Bildungskommission begrüsst den Systemwechsel, bestätigte Präsident Ramon Glatz.

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