«Imker sollten sich freiwillig kontrollieren lassen»

Erich Hausammann ist kein Mann, der sich gerne mit dem erhobenen Zeigefinger vor andere Bienenzüchter stellt. Doch wenn es um ein Qualitätssiegel auf Schweizer Honiggläsern geht, fällt es ihm schwer, gelassen zu bleiben.

Zertifiziert: Bienenzüchter-Präsident Erich Hausammann schätzt, dass von den 80 Mitgliedern in seinem Verein nur knapp ein Fünftel auf die Siegel-Imkerei setzt.  Foto: Melanie Aprin
Zertifiziert: Bienenzüchter-Präsident Erich Hausammann schätzt, dass von den 80 Mitgliedern in seinem Verein nur knapp ein Fünftel auf die Siegel-Imkerei setzt. Foto: Melanie Aprin

Kein Mensch würde im Supermarkt eine Plastikflasche Wasser kaufen, wenn das Frischesiegel des Schraubverschlusses beschädigt oder gar nicht vorhanden wäre», sagt der Präsident und Zuchtgruppen-Leiter des Bienenzüchtervereins Dorneck. «Warum bloss sehen die Kunden bei Honiggläsern nicht genauso kritisch hin?», fragt sich der gebürtige Basler, den es schon 1984 ins Laufental verschlug. Hier, im ländlichen Duggingen, begann der Imker aus Leidenschaft schon 1999 mit der Zucht von Honigbienen und war bereits früh überzeugt davon, dass auf die Gläser ein Siegel gehört. «Honig ist ein frisch abgefülltes Lebensmittel. Also braucht es einen Erstöffnungsschutz und nicht nur ein Etikett, auf dem steht, wer den Honig abgefüllt hat und woher er kommt», erklärt der engagierte Bienenzüchter in seinem Haus mit dem schönen Blick in die Natur.


Honiggläser sollten versiegelt sein


Dann steht er auf und bringt einen Haufen Unterlagen: ein achtseitiges Reglement zum Honig-Qualitätssiegel des Verbands der schweizerischen Bienenzüchtervereine (VSBV), eine dreiseitige Checkliste für die Qualitätskontrolle des Honig-Qualitätssiegel-Programms und eine Beilage aus der «Schweizerischen Bienen-Zeitung». Wer sie liest, erfährt im Detail, warum es auch aus Sicht von Bienenforschern und Kantonschemikern eine gute Sache ist, das süsse Gold zu versiegeln. «Es geht dabei nicht allein um den Erstöffnungsschutz», sagt Hausammann und hält ein Formular in die Höhe, mit dem Honigzüchter den Status eines Siegel-Imkers beantragen können. «Wer diesen Antrag unterzeichnet, verpflichtet sich, seinen Betrieb regelmässig kontrollieren zu lassen, keine Mottenkugeln einzusetzen, Zusatzstoffe wegzulassen und seine Bienenvölker innerhalb der Schweizer Grenzen aufzustellen.»

Natürlich habe man dadurch Mehrauslagen, räumt der Präsident ein. Allerdings gestatte das Richtpreise-Reglement dem Siegel-Imker, den Honig im Gegenzug etwas teurer zu verkaufen. Vor diesem Hintergrund ist es auch aus Sicht der Siegel-Imkerin Elisabeth Glaser aus Nuglar durchaus vertretbar, sich kontrollieren zu lassen, und sie wäre froh, wenn es mehr Imker gäbe, die das täten. «Dabei geht es doch nicht darum, das Grundvertrauen zu zerstören oder denjenigen Imkern, die ohne Siegel arbeiten, zu unterstellen, dass sie schlechteren Honig ins Glas füllen.»


Auch eine Frage des Images

Ein Imker sei jedoch ein Tierwirt und landwirtschaftlicher Akteur. Also habe er aus ihrer Sicht auch gewisse Nachweispflichten, was die Frage der Tierhaltung, der Sauberkeit und der Hygiene betrifft. Hausammann kann da nur zustimmen: «Jeder Bauer muss darüber Auskunft erteilen, wie er seine Kühe und Schafe hält oder ernährt. Nur die Imker dürfen schweigen.» Trotzdem hielte er es für falsch, wenn nun der Gesetzgeber auf einmal die Keule schwingen würde. «Unter den jungen Imkern setzt sich auch ohne Vorgaben langsam, aber stetig die Erkenntnis durch, dass es gut ist, ein Siegel zu haben.» Bei den älteren sehe es anders aus: «Diese Bienenzüchter machen einfach so weiter, wie sie es seit Jahren oder Jahrzehnten gewohnt sind.» Das dürfe man nicht verurteilen, müsse aber weiter darauf hinarbeiten, auch die ältere Generation zu einem Umdenken zu bewegen. «Das ist ein hartnäckiger Prozess. Auf lange Sicht gesehen würde er das Image der Imker aber enorm steigern.»

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