«wiicle»: Arlesheimer entwickeln App fürs Autoteilen

In einer WG in Arlesheim entstand die Idee, eine App fürs Autoteilen im priva-ten Umfeld zu entwickeln. Die Gründer wollen damit einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten.

Fahrbereit: Mit ihrer App sorgen Gradlon von Känel, Stefan Zwyssig, Beatrice von Känel (von links) und Nora Seling (auf Dach), WG-Mitbewohnerin und finanzielle Unterstützerin, für ein sorgenfreies Autoteilen. Foto: ZVG
Fahrbereit: Mit ihrer App sorgen Gradlon von Känel, Stefan Zwyssig, Beatrice von Känel (von links) und Nora Seling (auf Dach), WG-Mitbewohnerin und finanzielle Unterstützerin, für ein sorgenfreies Autoteilen. Foto: ZVG

Autos sollten – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – nicht einfach auf einem Parkplatz oder in einer Garage vor sich hinvegetieren, sondern auch wirklich genutzt werden. Das ist einer der Grundgedanken von Gradlon und Beatrice von Känel sowie Stefan Zwyssig, die gemeinsam eine neuartige App zum Teilen von Autos entwickelt haben. Die Idee unterscheidet sich vom heute gebräuchlichen Carsharing, bei welchem eine Firma oder eine Person ihr Auto auf Zeit vermietet. «Beim Carsharing bin ich nicht Besitzer des Autos. Ich leihe es aus und gebe es zurück. Mit unserer App kann man sehr wohl ein eigenes Auto besitzen, teilt es aber mit anderen», erklärt Gradlon von Känel.

Die Idee ist dabei den dreien nicht einfach vom Himmel vor die Füsse gefallen, sondern aus dem Alltag gegriffen: Von Känels und Zwyssig wohnten einst gemeinsam in einer grossen WG nahe dem Arlesheimer Dorfzentrum. «Weil sich nicht jeder von uns ein Auto leisten konnte, begannen wir damit, ein Auto zu teilen.» Was simpel klingt, hat sich in der Praxis als nicht ganz so einfach erwiesen: «Das Teilen selbst funktionierte schon. Mühsam aber war das Drumherum – Fahrten eintragen, Kilometer zusammenrechnen und am Ende herausfinden, wer wem wie viel schuldet.» Dabei stellten sich immer wieder die gleichen Fragen: Wer ist zuletzt gefahren? Wer hat getankt? Wer bezahlt wie viel? Ist das Auto frei?

Die Bewohner der WG – von Känels und Zwyssig waren freilich nicht nur zu dritt – behalfen sich unter anderem mit Gruppenchats oder Onlinekalendern, um die Nutzung des Autos untereinander zu organisieren. «Keine der Lösungen hatte sich als wirklich handhabbar erwiesen. Aus dieser Problematik ist das Bedürfnis erwachsen, selbst etwas zu erfinden», so Beatrice von Känel.

Crowdfunding-Kampagne gestartet

Seit Januar wird die in Arlesheim entwickelte App mit dem Namen wiicle – eine kunstvolle Ableitung aus dem englischen «we & vehicle» – in der Betaversion getestet. «Da sie für Privatpersonen gedacht ist, war es uns wichtig, sie möglichst einfach zu gestalten.» Die drei Entwickler haben Ahnung von der Sache, betreiben sie doch gemeinsam die auf Design und Software spezialisierte, ebenfalls in Arlesheim ansässige Firma Sunnyside Up GmbH.

Gradlon von Känel verantwortet die technische Infrastruktur und Weiterentwicklung, Beatrice von Känel Produkt, Kommunikation und Strategie. «Das Unternehmen haben wir zu Beginn des letzten Jahres gegründet, und die App war das erste Projekt, welches wir in diesem Rahmen entwickelt haben.» Für die eigentliche Programmierung zeichnet Stefan Zwyssig als gelernter Informatiker und Softwareentwickler verantwortlich: «In der aktuellen Version geht es vor allem darum, die Fahrkosten zu registrieren und aufzuteilen sowie den Abstellort des Autos festzuhalten. In der Weiterentwicklung soll etwa die jährliche Aufteilung von Kosten wie Service, Versicherung oder Steuern hinzukommen.»

Gestern Mittwoch hat das Team eine Crowdfunding-Kampagne gestartet: Mit dem Geld soll die nächste Entwicklungsphase finanziert werden – so etwa die Integration von Elektrofahrzeugen sowie Lösungen für Gemeinden, Wohnbaugenossenschaften und Areale, die ihren Bewohnerinnen und Bewohnern das private Autoteilen einfacher zugänglich machen möchten. «Wir möchten vor allem Gemeinden als Multiplikatoren gewinnen. Denn auch diese haben sicher ein Interesse daran, dass weniger Autos einfach herumstehen und dass sie effizienter genutzt werden», sagt Beatrice von Känel.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Mit der App will das Team seinen Teil zur Ressourcenschonung beitragen: «Gerade dieser Sommer hat ja gezeigt, dass Handeln notwendig ist. Mit dem Autoteilen kann ein Schritt in diese Richtung gemacht werden», sagt Gradlon von Känel. Zwyssig ist inzwischen aus der WG ausgezogen, doch drei neue Personen sowie drei Kinder und ein Hund sind hinzugekommen. Die drei sind, wie Gradlon von Känel es ausdrückt, polyvalent, also vielseitig unterwegs. Zwyssig hat einst sogar auf dem Bau gearbeitet, die Frau im Bunde ist als Lehrerin in Dornach tätig. «Für uns ist das Autoteilen eine naheliegende Möglichkeit, Ressourcen und Kosten sinnvoll zu teilen. Die App wird in unserer WG aktiv genutzt.»

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