«Wir begannen mit drei Rebsorten – heute sind es 16»
Seit 30 Jahren bewirtschaftet die Familie Rediger das Hofgut Birseck. Im Januar hat die junge Generation die Betriebsleitung übernommen. Mit einem Fest für die Bevölkerung wird der Generationenwechsel gefeiert.

Das Hofgut Birseck ist allein wegen seiner Lage etwas Besonderes: Mit den historischen Gemäuern – das Pächterhaus geht auf das 17. Jahrhundert zurück – fügt es sich malerisch an den Arlesheimer Dorfkern. «Diese direkte Bindung ans Dorf ist für uns ein Standortvorteil», sagt Daniel Rediger, der seit Januar gemeinsam mit seiner Ehefrau, Géraldine Rediger, die Betriebsleitung des Hofguts von seinen Eltern übernommen hat. Mit einem Hoffest am kommenden Wochenende wird einerseits der Generationenwechsel, andererseits die Tatsache, dass sich das Hofgut Birseck nun 30 Jahre in Bewirtschaftung der Familie Rediger befindet, gefeiert.
1996 wohnten und arbeiteten Erich und Helene Rediger auf dem Arlesheimer Widenhof, der heute von der Stadtgärtnerei Basel betrieben wird. «Wir wurden darauf aufmerksam, dass die Familie Iselin einen neuen Pächter für ihr Hofgut sucht. Wir konnten kurzfristig, noch ohne Pachtvertrag, einsteigen», erinnert sich Erich Rediger. 1997 wurde die «Stiftung Ermitage Arlesheim und Schloss Birseck» gegründet, das Hofgut ging in deren Besitz über und im Jahr 2000 erhielt das Landwirtsehepaar einen Pachtvertrag. «Zuvor bewirtschafteten wir das Hofgut vom Widenhof aus. Nach dessen Sanierung zogen wir im Jahr 2001 ein», so Rediger senior.
Von drei zu 16 Rebsorten
Seine Ehefrau Helene Rediger erinnert sich an eine rührende Episode aus den Anfangszeiten: «Wir verkauften auf dem Arlesheimer Gemüsemarkt offene Oliven; eine Bekannte brachte mich auf diese Idee. Ein Italiener kam zu uns an den Stand. Er war so gerührt, dass ihm die Tränen kamen. Offene Oliven waren damals in der Schweiz eine Seltenheit. Sie schlugen ein wie eine Bombe.»
Noch heute würde sie gefragt, ob sie Oliven verkauften. «Doch die gibt es ja mittlerweile auch in den grossen Lebensmittelläden.» Stark gewandelt habe sich seit 1996 das Weingeschäft, wie Erich Rediger berichtet: «Wir begannen mit drei Rebsorten. Heute sind es 16.» Bis Ende 2025 bewohnten Erich und Helene Rediger das Hofgut, während Daniel und Géraldine Rediger mit ihrem älteren Sohn, dem zweijährigen Mathou, in einer Wohnung im Dorf lebten. Mit der Pensionierung von Erich Rediger und der Abgabe der Betriebsleitung haben die Paare den Wohnort getauscht. Die junge Familie hat mit dem drei Monate alten Elio noch einen weiteren Zuzug erhalten und benötigt schon deshalb mehr Platz.
Grundsanierung steht an
«Für die Zukunft wollen wir uns noch stärker als eigenständiges Weingut präsentieren», sagt der Winzer und Weinbautechniker Daniel Rediger. Im Herzen der anstehenden Sanierung, die das Fest am Wochenende unterstützt, steht deshalb eine neue Kelterei unter dem Hofplatz: Trauben werden künftig im Dorf gepresst. Zudem steht in den nächsten Jahren eine Sanierung des gesamten Hofguts – das Ensemble steht im Inventar der schützenswerten Kulturdenkmäler – an: Stiftung, Pächterschaft und Denkmalpflege haben gemeinsam ein Sanierungsprojekt entwickelt. Neben anderen baulichen Massnahmen wird das Pächterhaus von Grund auf saniert, wobei die räumliche Struktur erhalten bleibt. Es entstehen zwei Wohnungen: die Pächterwohnung und eine Wohnung für das pensionierte Pächterpaar.
Viel Unterstützung
Dass Géraldine Rediger dereinst auf einem Bauernhof leben und arbeiten würde, hätte sie vor noch 15 Jahren nicht für möglich gehalten. «Meine Eltern arbeiteten in der Gastronomie, mit Landwirtschaft hatte ich gar nichts am Hut. Ich sagte früher sogar, dass ich niemals einen Bauern heiraten würde. Jetzt ist es doch anders gekommen», sagt die 30-jährige Toggenburgerin schmunzelnd.
Seit sie und ihr Mann im Jahr 2023 aus der Ostschweiz in die Region kamen, sei der Entschluss gereift, die Pacht des Hofguts zu übernehmen. Einfach ist es beileibe nicht, die Arbeit beansprucht die junge Familie voll und ganz: «Als Landwirtschaftsbetrieb ist es von grossem Vorteil, wenn man wie wir mit Weinbau, Landwirtschaft und Events mehrere Standbeine hat», sagt der 35-Jährige. Ohne Unterstützung gehe das freilich nicht: Neben dem pensionierten Pächterpaar helfen Angestellte und Freiwillige im Haus, ums Haus und in den Reben mit. Das Hoffest vom Wochenende wird durch den Verein Freunde der Ermitage unterstützt sowie durch Manpower der Säulizunft Arlesheim.
Hoffest: Sa, 5. September, 11 bis 22 Uhr; Sonntagsbrunch (mit Anmeldung): So, 6. September, 10 bis 14 Uhr. www.hofgut-birseck.ch.


