«Ich dachte sicher nie ans Aufhören, aber es war eine sehr schwere Zeit»

Am Samstag findet der «Goldwurst-Power Stab Event» statt. Seit 2024 nennt sich der Anlass auch «Anatoli Gordienko Memorial», nach dem verstorbenen Trainer der Basler Stabhochspringerin Lea Bachmann, die ebenfalls am Start ist. Wir konnten uns mit ihr vorgängig unterhalten.

Feierte erst kurz vor der EM ihr Comeback: die Basler Hochspringerin Lea Bachmann vom LAS Old Boys Basel/Team Goldwurstpower. Foto: zvg / Alex Grymanis
Feierte erst kurz vor der EM ihr Comeback: die Basler Hochspringerin Lea Bachmann vom LAS Old Boys Basel/Team Goldwurstpower. Foto: zvg / Alex Grymanis

Lea Bachmann, was bedeutet das Springen in Arlesheim für Sie?

Lea Bachmann: Ich freue mich bereits sehr auf den Anlass, denn es ist ja eine Art Heimmeeting für mich – veranstaltet von meinem langjährigen Sponsor (Team Goldwurstpower, Anm. der Redaktion) und nahe bei Basel. Auf dem Dorfplatz zu springen, ist anders als im Stadion, wo gleichzeitig noch viel anderes läuft. So haben wir die ganze Aufmerksamkeit auf uns gerichtet und die Leute sind sehr nah dabei. Solche Wettkämpfe sind etwas Besonderes und zu Hause umso mehr.

Vor zwei Jahren waren Sie letztmals in Arlesheim

Ja, aber damals war ich mit meiner Leistung nicht zufrieden. Es war generell eine sehr schwierige Saison, da mein Trainer im März verstarb und ich es nach dem Verlust mental länger nicht auf die Reihe bekam zu springen. Wenn man nicht 100 Prozent bereit ist, sind in dieser technisch schwierigen Sportart gute Leistungen nicht möglich. 2025 konnte ich nicht teilnehmen, da ich zwei Tage vorher am Diamond Meeting in Zürich sprang und mir die Ärzte nach dort aufgetretenen leichten Ermüdungserscheinungen im Hinblick auf die anstehende WM rieten, nichts zu riskieren. 2025 war für mich ein gutes Jahr, ich sprang mit 4,58 Metern persönliche Bestleistung und nahm erstmals an einer WM teil.

Dann folgte eine bittere Zeit

Wegen einer Oberschenkelverletzung Anfang Januar musste ich die Hallensaison absagen. Dann kam ich gut und voller Hoffnung zurück und erlitt Anfang Mai einen Längsriss der Achillessehne. An der Wade hatte ich auch eine muskuläre Verletzung und das war fatal, weil man sich darauf konzentrierte und trotz MRI die weitaus gravierendere Verletzung an der Achillessehne übersah und entsprechend nicht richtig behandelte. Erst nach einem zweiten MRI fand man den Riss der Achillessehne. Dadurch verlor ich sehr viel Zeit bei der Reha.

Wie ist es Ihnen da mental ergangen?

Ich dachte sicher nie ans Aufhören, aber es war eine sehr schwere Zeit. Mich beschäftigte, dass ich aufgrund ärztlicher Versehen sehr wertvolle Zeit verlor. Ich versuchte jedoch das Beste aus der Situation zu machen und investierte viel Zeit in die Reha und ins Training, um möglichst die Form zu erhalten und bereit zu sein, wenn Springen endlich wieder möglich ist. Als ich nach zweieinhalb Monaten die ersten Sprünge ohne Schmerzen bestreiten konnte, ging es mir immer besser und das war eine grosse Erlösung.

Es wurde auch ein Wettlauf gegen die Zeit im Hinblick auf die EM.

Ich hätte zu Beginn der Beschwerden nie gedacht, dass es effektiv eng werden könnte mit der EM. Tatsächlich konnte ich erst knappe drei Wochen vor der EM wieder aus modifiziertem Wettkampfanlauf zu springen beginnen. 10 Tage vor Birmingham sprang ich 4,40 Meter. Es war knapp, aber es hat gereicht.

Kam die EM nicht doch zu früh?

Dass ich mich nicht für das Finale qualifizieren konnte, schmerzt. Die Bedingungen in der Qualifikation waren nicht einfach, es hatte Wind. Auch andere Athletinnen, die man weiter vorne erwartete, hatten Mühe. Es fehlten halt schon viele Trainings. Das wirkt sich auf die Konstanz der Sprünge aus und du wirst anfälliger auf äussere Bedingungen. Aber es hätte funktionieren können. Ich wäre nicht nach Birmingham gegangen, wenn ich nicht davon überzeugt gewesen wäre, Chancen auf das Finale zu haben.

Sie leben und trainieren aktuell auch in Deutschland.

Mein Ziel sind die Olympischen Spiele 2028. Aus dem Grund habe ich mir in Deutschland, in Zweibrücken, eine Zweitwohnung gemietet, damit ich unter professionellen Bedingungen trainieren kann.

Was erwarten Sie am Samstag?

Ausser Angelica Moser, die amtierende Europameisterin, ist die gesamte Schweizer Spitze dabei. Mein Ziel ist, so hoch wie möglich zu springen, Spass zu haben und ich hoffe, dass die jungen Athletinnen gut springen und möglichst lange im Wettkampf dabei sind. Ich gehe grundsätzlich in jeden Wettkampf, um persönliche Bestleistung zu springen. Ein Resultat über 4,50 Meter in Arlesheim wäre nach der ganzen Geschichte sehr schön.

Sie arbeiten an der Uni Basel an Ihrer vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Doktorarbeit «Grenzen strafrechtlicher Haftung für KI-Systeme».

Dank meiner Sponsoren kann ich zwar die Ausgaben für den Sport decken, meinen Lebensunterhalt könnte ich ohne einen normalen Job aber nicht ganz finanzieren. Neben meinem Vollzeitjob als Doktorandin und dem Stabhochspringen, das doch etwa 20 Stunden pro Woche einnimmt, bleibt allerdings für etwas anderes kaum Zeit, das hat mich aber nie gestört. Man muss Prioritäten setzen im Leben und die liegen derzeit im Sport und bei meiner Doktorarbeit. Auch wenn die Belastung teilweise sehr hoch ist, ist es ein guter Ausgleich.

«Es war eine schwierigeSaison, da mein Trainer verstarb und ich es mental länger nicht auf die Reihe bekam zu springen.»

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