Welcher Stein soll es sein?
Anhand einer Musterpflästerung auf Höhe Trotte können die zur Auswahl stehenden Steine für den Belag der «neuen» Ermitage-strasse begutachtet und getestet werden.

Im vergangenen September stimmte die Arlesheimer Gemeindeversammlung dem Planungskredit für den Hochwasserschutz Dorf und die Aufwertung der Ermitagestrasse in der Höhe von 760 000 Franken mit 166 zu 40 Stimmen zu. Mit einem Ingenieurbüro wird seitdem die Erneuerung der Werkleitungen ausgearbeitet. Ein Büro für Landschaftsarchitektur beschäftigt sich mit der zukünftigen Gestaltung der Ermitagestrasse, zu der neben der Freilegung des Dorfbachs auch deutlich mehr Grün gehören soll.
Ein zentrales Element der optischen und funktionalen Gestaltung der Strasse stellt deren Oberfläche dar. Bei der Entscheidung, welcher Stein in den kommenden Jahrzehnten die Ermitagestrasse prägen soll, darf die Bevölkerung mitreden. Dafür wird seit Montag auf Höhe Trotte eine Musterpflästerung verlegt. Ab dem kommenden Montag soll diese fertiggestellt sein. Aus über 30 möglichen Steinen hat die Gemeindeverwaltung um Leiter Tiefbau Tobias Räuchle eine Vorauswahl aus sieben Steinen getroffen. Der Gemeinderat hat sich für die finale Auswahl für einen Kaltrum-Granit aus dem bayrischen Raum und dem Gneis-Stein Bodio Nero aus dem Tessin entschieden.
Komfort für Rollatoren, Rollstühle, Kinderwagen und Rollkoffer
Der Kaltrum-Granit wirkt in den Farben Gelb, Gold und Braun, beim Bodio Nero dominieren die Grautöne. Je nach Standort wird zwischen einer klassischen Reihenpflästerung und einer wilderen Pflästerung mit unterschiedlichen Steingrössen variiert. Gemeindepräsident Felix Berchten (Frischluft) empfiehlt, die Steine aus der Nähe zu begutachten und unbedingt darüber zu gehen oder darüber zu fahren, um den Komfort der Unterlage zu testen.
Granit und Gneis überzeugen mit ihrer Robustheit und Widerstandsfähigkeit auf viel genutzten Strassen und strahlen im Vergleich zu Asphalt, Porphyr und dem klassischen «Gwäggi» weniger Hitze ab, erklärt Projektleiter Räuchle. Sorgen, dass der Pflasterbelag mit Rollatoren, Rollstühlen und Kinderwagen schwieriger zu befahren ist, seien unbegründet, versichert der Leiter Tiefbau der Gemeinde. Für den Gemeinderat sei der Komfort gerade für Menschen mit einer Gehbeeinträchtigung ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl der beiden Steine gewesen, versichert Berchten. «Wir sind überzeugt, dass der neue Belag im Vergleich zur jetzigen Situation spürbar mehr Komfort bieten wird.» Dazu kamen als Faktoren die Optik, die langfristige Verfügbarkeit, die Qualität, die Herkunft und mögliche Lärmimmissionen.
Der Entscheid über den Strassenbelag hat für Arlesheim weitrechende Folgen. Die ausgewählte Pflästerung soll später auch auf dem Dorf- und dem Postplatz sowie in ausgewählten Strassenzügen zum Einsatz kommen und damit die Ästhetik im Ortskern mitprägen. Umso wichtiger ist es dem Gemeinderat und der Verwaltung, dass der Entscheid von der Bevölkerung mitbestimmt und mitgetragen wird, betont Berchten. Der Wunsch nach Miteinbezug der Bevölkerung beim Hochwasserschutz Dorf und bei der Neugestaltung der Ermitagestrasse wurde in der öffentlichen Mitwirkung auch mehrfach geäussert. Liegenschaftseigentümer entlang der Ermitagestrasse haben auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, die neue Pflästerung auch auf dem Vorplatz ihrer Parzelle auf Kosten der Gemeinde verlegen zu lassen.
450 Liter Wasser pro Sekunde
Bei der Freilegung des Dorfbachs wird die Bepflanzung eine wesentliche Rolle spielen. Eine simple Betonrinne mit Wasser drin, wie es sie zum Beispiel in Aarau und Bern gibt, wolle man in der Ermitagestrasse nicht, sagt Räuchle. Der rund 1,4 Meter breite Bachlauf soll mit heimischen Pflanzen begrünt werden. 450 Liter Wasser pro Sekunde müssen durchfliessen können, um ein Hochwasser, das gemäss Statistik alle hundert Jahre vorkommt, aufnehmen zu können. Das zusätzliche Wasser würde vom unterirdischen Entlastungsstollen aufgenommen. Das Prinzip einer Schwammstadt, bei der das Regenwasser in die Rabatten abfliesst, ist aufgrund des Gefälles der Ermitagestrasse eine Herausforderung.
Am 19. und 28. August führt die Gemeinde vor Ort zwei Informationsveranstaltungen zur Pflästerung durch. Gemäss aktuellem Planungsstand soll der Baukredit für das Gesamtprojekt an der Frühlings- oder der Sommergemeindeversammlung 2027 zur Abstimmung kommen. Vom 17. August bis und mit 20. September kann man der Gemeindeverwaltung den favorisierten Stein auf verschiedenen Kanälen mitteilen: schriftlich vor Ort an den beiden oben genannten Terminen oder per Post via digitalen Dorfplatz-Crossiety, per E-Mail an kommunikation@arlesheim.bl.ch oder telefonisch an 061 706 95 45.


