KI-Entlastung für KMU
Eine junge Arlesheimerin hat innerhalb von einem Monat zwei KI-Dienstleistungen gebaut. Nun will sie diese verkaufen.

Asula Umbetova geht mit der Zeit. «Ich glaube, jetzt ist der Moment, in dem KI auf grosse Nachfrage trifft», sagt die 19‑Jährige. Deswegen hat die Arlesheimerin zwei KI-Anwendungen gebaut, die sie an lokale Unternehmen vermarkten will. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Mutter, die von Berufs wegen Erfahrung im Marketing und Verkauf hat. Kundschaft hat sie allerdings noch keine. «Wir warten, bis die Sommerferien vorbei sind, dann fangen wir an, Unternehmen anzuschreiben», sagt Umbetova. Im August beginnt Umbetova eine Bäckerlehre. Programmieren kann sie nicht. Als Arbeitswerkzeug für ihre KI-Dienstleistungen hat sie wiederum selbst KI genutzt, genauer gesagt einen Chatbot. «Ich habe ihm Schritt für Schritt erklärt, wie das Resultat aussehen soll», sagt sie. «Ich musste eine genaue Vorstellung davon haben, was ich genau wollte.»
Eine interaktive Mailbox
Zum einen entwickelte sie Treffli.ch, eine Online-Buchungsplattform für Dienstleister, welche die hauseigene Website eigentlich obsolet macht. Kundinnen und Kunden können Angebote vergleichen, freie Termine einsehen und diese direkt buchen. Ein KI-Chatbot beantwortet zudem Fragen zu den Dienstleistungen.
Spannender ist ihre zweite Dienstleistung, Pikettli.ch. Auch diese fungiert im Grunde als Terminbuchung, anders als Treffli jedoch nicht online, sondern per Telefon. «Ich denke, gerade für Handwerksbetriebe ist das attraktiv», sagt Umbetova.
Der Gedanke dahinter: Kleinere Betriebe, die kein Sekretariat haben, verlieren mit jedem verpassten Anruf Aufträge. «Wenn ein Kunde den Betrieb nicht erreichen kann, wartet er nicht auf einen Rückruf. Er ruft einfach das nächste Geschäft an», sagt Umbetova.
Ihre Lösung kann als eine Art interaktive Mailbox verstanden werden. Der Anruf wird von einer KI – die sich auch als solche zu erkennen gibt – entgegengenommen. Anstatt nur eine Nachricht zu hinterlassen, können Anruferinnen und Anrufer gleich Termine vereinbaren.
Reisen Daten in die USA?
«Der Bot antwortet nur auf Basis der hinterlegten Informationen. Wenn ihm etwas fehlt, sagt er das auch», erklärt Umbetova. Dann würden wie bei einem gewöhnlichen Anrufbeantworter die Personalien aufgenommen. Anschliessend könne der Kunde von einem Menschen zurückgerufen werden. Oder aber der Geschäftsinhaber schaue sich das Gesprächsprotokoll an. Denn Umbetova sagt zwar: «Audiodateien werden nicht dauerhaft gespeichert.» Die Gespräche zwischen Kunden und KI werden allerdings transkribiert und dem Geschäft als Chatverlauf zur Verfügung gestellt.
Dass dabei auch einige Personaldaten anfallen, ist bei Terminbuchungen unumgänglich. Name, Adresse, E‑Mail und Telefonnummer müssen wohl standardmässig angegeben werden. «Die Daten werden ausschliesslich zur Bearbeitung der Kundenanfragen verwendet», versichert Umbetova. Gespeichert seien sie lediglich auf einem eigenen Server in der Schweiz. Auf der Website ist jedoch nachzulesen, dass die Telefonie via Pikettli über das US-Unternehmen Twilio Inc. erfolgt. Dieses ist zwar unter einem von der Schweiz anerkannten Datenschutzrahmen zertifiziert, dennoch können während eines Anrufs Daten über die Systeme des US-Unternehmens verarbeitet werden.
«Natürlich wäre es toll, wenn ich mich damit selbstständig machen könnte», sagt Umbetova. Damit stellt die 19‑Jährige unter Beweis, wie sich die Notwendigkeiten, um ein Geschäftsmodell zu starten, verschoben haben. Wo früher noch Know‑how, Kapital und Infrastruktur unabdinglich waren, liegt der Fokus heute mehr denn je auf der Idee, Marketing und dem Vertrieb. Durch KI scheint die Hürde in die Selbstständigkeit tiefer als jemals zuvor. Doch wie das Geschäftsmodell als Ganzes muss auch Umbetova ihre Idee noch unter Beweis stellen. Noch hat die Kundenakquise schliesslich nicht begonnen.


