«Wir sind heute gesitteter als früher»

Am Samstag feiert das Jugendhaus Arlesheim seinen 40. Geburtstag. Am Fest werden auch Künstler aus der Gründerzeit auftreten.

Jugendlich frisch: (v. h. l.) Auszubildender Michael Baur, Florian Werder, Zivildienstleistender Patrick Joseph sowie die künftige stellvertretende Leiterin Ivana Cuk (vorne) stehen in den Vorbereitungen für das Geburtstagsfest. Foto: Caspar Reimer
Jugendlich frisch: (v. h. l.) Auszubildender Michael Baur, Florian Werder, Zivildienstleistender Patrick Joseph sowie die künftige stellvertretende Leiterin Ivana Cuk (vorne) stehen in den Vorbereitungen für das Geburtstagsfest. Foto: Caspar Reimer

«Wir werden die vergangenen 40 Jahre Revue passieren lassen», sagt Florian Werder, heute stellvertretender und ab Februar 2027 Leiter des Jugendhauses Arlesheim. Am kommenden Samstag feiert das Jugi sein 40-jähriges Bestehen mit einem Fest. Eine kleine Ausstellung, die Ahnengalerie, bietet eine Rückschau auf die bewegte Geschichte. «In den Anfängen ging es wild zu und her. Zum Beispiel wurde damals hier drin geraucht, was heute ja undenkbar wäre», sagt Werder schmunzelnd.

Die Anfänge des Arlesheimer Jugendhauses reichen in die frühen 1980er-Jahre zurück – es war die Zeit der sogenannten «Jugendunruhen» und der Debatten um autonome Jugendzentren (AJZ) – eine aufmüpfige Jugend, die für sich mehr Autonomie und Freiraum einforderte. In Arlesheim war es eine Klasse der Sekundarschule, die konkrete Ideen für einen Jugendtreff einbrachte. In einer Projektarbeit wurden verschiedene Standorte genannt, einer davon lag hinter der Böschung an der Birseckstrasse in einem ehemaligen Militärbunker und späteren «Chäs-Chäller» – der Bunker diente als Lager der damaligen Schweizer Käseunion. «Offenbar sah die Gemeinde Arlesheim damals den Mehrwert für diesen Treffpunkt. Das Projekt wurde bewilligt.» Anfänglich sei eine gewisse Skepsis in der Bevölkerung vorhanden gewesen, doch nach und nach wurde das Jugendhaus zu einer festen und in der Bevölkerung akzeptierten Institution, die sich stets etwas vergrösserte.

Erst 2014 wurde das Jugendhaus um einen separaten Kindertreff, der sich spezifisch an Primarschülerinnen und Primarschüler richtet und heute in einem umfunktionierten Container in der Nachbarschaft beheimatet ist, ergänzt. Das Fest am kommenden Samstag wartet mit vielen Attraktionen auf.

Partner des Jugendhauses wie die Gemeinde oder die benachbarte Schule sind mit Ständen präsent. «Eine Gruppe von Breakdancern, die hier angefangen hat, wird auftreten, und die allererste Gilde, die geholfen hat, dieses Jugendhaus aufzubauen, wird als Rockband ein Konzert geben», verrät Werder.

Bevorstehender Leitungswechsel

23 Jahre hat Gaby Meyer als Leiterin das Jugendhaus geprägt. Sie war die Schnittstelle zwischen der Jugendarbeit im ganzen Dorf, den Behörden, anderen Organisationen oder den Eltern der Jugendlichen. Formell ist sie noch bis Januar 2027 Leiterin, doch Werder ist bereits dabei, sich im Team mit drei Sozialarbeitern, einem Auszubildenden und einem Zivildienstleistenden als Nachfolger einzurichten. In der Zeit des Leitungswechsels sei es ihm wichtig, Kontinuität beizubehalten: «Wir wollen für die Jugendlichen ein verlässlicher Partner in ihrer Freizeit sein. Deshalb ist unser Treff 32 Stunden die Woche offen. Die Jugendlichen sollen nicht vor verschlossenen Türen stehen», sagt Werder. Gaby Meyer soll aber auch in Zukunft unterstützend mitwirken, hat sie doch auch die Leitung der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde inne.

Hip-Hop mit Spraykunst, Autonomie und Identitätsfindung

Vieles habe sich geändert in den letzten vier Jahrzehnten, einiges aber, wie etwa der Hip-Hop mit seiner Spraykunst, sei erhalten geblieben, erzählt der Sozialpädagoge: «Niemand hätte damals gedacht, dass es diese Kultur so lange geben würde.» Auch die Themen, welche die Jugendlichen beschäftigen, seien immer ähnlich: «Es geht um Autonomie, Identitätsfindung, die Abgleichung mit Gleichaltrigen und natürlich Geselligkeit.»

Das heutige Jugendhaus sei allerdings «gesitteter» als früher, was auch damit zu tun habe, dass die Besucherinnen und Besucher jünger seien: «Die Hauptklientel ist zwischen 11 und 16 Jahre alt.» Das Jugi sei heute stark mit der Schule vernetzt, der pädagogische Aspekt spiele eine grössere Rolle als früher. «Das ist für mich auch die Motivation meiner Arbeit: den jungen Menschen in dieser Zeit der Entwicklung beizustehen und sie zu unterstützen.»

«40 Jahre Jugi»: Samstag, 12. September, 14 bis 22 Uhr. Ort: Jugendhaus und Gerenmattschulanlage. jugendhaus-arlesheim.ch

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