Wie Myokine Wunder bewirken

Der Arlesheimer Dieter Völlmin bietet während der Sommerferien ein kostenloses Training mit Kugelhanteln an. Dieses sieht er als besonders geeignet, um Krankheiten vorzubeugen. Entscheidend dabei sind körpereigene Myokine.

An die Hanteln: Dieter Völlmin und Denise Denzer laden zum Gratistraining auf dem Sportplatz Hagenbuchen ein. Foto: Caspar Reimer

Neben ausreichend Bewegung im Alltag reicht es, regelmässig mit einer Kugelhantel – häufig englisch «Kettlebell» genannt – zu trainieren, um bei guter Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen. Zu diesem Schluss kommt, wer Dieter Völlmin zuhört, der sich bis 2022 fünf Jahrzehnte beim Turnverein Arlesheim engagiert hat. Die entscheidende Rolle spielten dabei Myokine, also Botenstoffe, die der Körper bei Muskelaktivität produziert und über die Blutbahnen im ­Körper verteilt. Die dänische Forscherin Bente Pedersen entdeckte diese im Jahr 2007 bei einer Untersuchung darüber, welchen Einfluss Sport auf das Immunsystem hat. Seither haben Forscherinnen und Forscher rund 600 verschiedene Myokine identifiziert. Sie sollen unter anderem vorbeugend gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, ­Osteoporose oder sogar Demenz helfen– indem Hirnzellen erneuert und Synapsen neu verlinkt werden. Völlmin beruft sich unter anderen auf den Basler Zellbiologen Christoph Handschin, der sich mit der Erforschung der molekularen Vorgänge, die trainierten oder kranken Muskeln zugrunde liegen, einen Namen gemacht hat. Der Punkt bei der Sache: «Die Wirkung solcher Myokine entfaltet sich nur, wenn sie vom Körper selbst produziert werden. Sie lassen sich nicht von aussen zuführen. Das Rezept lautet also: trainieren und bewegen. Es bleibt uns nichts anderes übrig.» Eine besonders effektive Methode, um die Produktion von Myokinen anzuregen, bilde das Training mit der Kugelhantel.

Um die Bevölkerung zu diesem Training zu ermuntern, bietet Völlmin während den Sommerferien zusammen mit der Arlesheimer Bewegungspädagogin Denise Denzer auf dem Sportplatz Hagenbuchen Trainingseinheiten an – und zwar gratis. Während er die Planung im Hintergrund übernimmt, zeichnet Denise Denzer für das Training verantwortlich. «Ich möchte herausfinden, ob die Menschen sich auf mehr Bewegung einlassen, wenn ein entsprechendes Angebot zur Verfügung steht und klar ist, welche Prozesse damit im Körper ausgelöst werden können», sagt der 69‑Jährige.

Erstmals seit 35 Jahren gute Blutwerte

Für Völlmin hat sich mit dem Thema Myokine, wie er sagt, «ein ganzes Universum aufgetan». Als er 2023 pensioniert wurde, begann er – um etwas gegen seine Rückenschmerzen zu unternehmen – mit Kugelhantel-Training. Er trainierte einmal die Woche 90 Minuten. «Als ich im Oktober dieses Jahres zu meinem alljährlichen Gesundheitscheck ging, kam der Schock: Erstmals seit 35 Jahren waren all meine Blutwerte wieder in Ordnung.» Auf das Training mit der Kugelhantel war Völlmin über den verstorbenen russischen Trainer Anatoly Gordienko gekommen. Kugelhanteln haben in Russland eine lange Tradition. Und in der Wissenschaftssendung «Einstein» wurde er das erste Mal mit dem Thema Myokine konfrontiert. So ergab sich eines ums andere und der Arlesheimer eignete sich immer mehr Wissen zum Thema an. Völlmin ist es ein grosses Anliegen, dieses Wissen zu verbreiten, denn: «Es reicht heute nicht mehr, einfach zu sagen, Sport sei gesund.» Die Menschen wollten wissen, welche Vorgänge im Körper ausgelöst würden.

Auch kleine Muskeln werden eingesetzt

Wichtig sei nicht die Höhe des Gewichts – es gibt Kugelhanteln von 3 bis 24 Kilo –, sondern verschiedene Übungen mit jeweils vielen Wiederholungen auszuführen. Dabei wird bei richtiger Handhabung und korrekter Ausführung der Übung der ganze Körper gebraucht, auch kleine Muskeln übrigens, die bei einem Training im Fitnesscenter oft vergessen werden. Schwingt man etwa die Hantel in einer kontrollierten Bewegung rund um den Körper, muss dieser immer an verschiedenen Stellen das Gewicht der Hantel ausgleichen: «Das bedingt ein Zusammenspiel der Skelettmuskulatur und fördert die Koordination», sagt Völlmin. Und: «Je intensiver das Training wird, desto mehr produziert der menschliche Körper die Botenstoffe.» Damit der soziale Aspekt nicht zu kurz kommt, gibt es nach jedem Training ein gemütliches Zusammensitzen im «Dolce Vita» beim Schwimmbad.

Öffentliches Probetraining: bis 4. August, jeweils montags um 18 Uhr; Sportplatz Hagenbuchen.

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