Wie Arlesheim zu seinem Schwimmbad kam
Für die dritte Sitzung der Lesung «Us em alteArlese» versammelten sich vielerlei Interessierte, die in die Nostalgie der alten Geschichten aus Arlesheim eintauchten.

Eingestimmt wurde das Publikum mit Klängen von Heidi Gürtler auf dem Handörgeli. Danach ergriff Bürgergemeindepräsidentin Veronika Käch das Wort. Gemeinsam mit ihr führten ihr Vorgänger Stephan Kink, der ehemalige Bürgergemeindepräsident, der Schauspieler Daniel Buser und die Kulturschaffende Heidi Thüler das Publikum durch den Abend. Was ursprünglich mit den Anekdoten des Schriftstellers August Sumpf begann, wurde zu einer «Lesung» aus allerlei Protokollen, geschriebenen Geschichten von verschiedenen Arlesheimern und Zeitungsartikeln – so wurden unter anderem auch Artikel des Wochenblatts durchforstet.
«Für was braucht man denn Überhaupt noch eine Bürgergemeinde?», fragte Stephan Kink. Veronika Käch erzählte darauf aus einem Protokoll die Geschichte der Armen aus Arlesheim, die aufgrund der Bürgergesetze in der Verantwortung der Bürgergemeinde Arlesheim standen. So habe 1950 ein Arlesheimer sich in Basel so sehr betrunken, dass er in eine Arbeitserziehungsanstalt in Liestal geschickt werden musste. Als sein Aufenthalt in der Anstalt schliesslich vorbei war, kaufte ihm die Bürgergemeinde neue Schuhe und Kleider. Der Mann habe daraufhin die Wertsachen sofort wieder verkauft und sich damit neuen Alkohol gekauft.
Die «wassersüchtigen» Arlesheimer
Mit einem grossen Sprung nahm Buser die Zuhörenden weg von den Alkoholsüchtigen weiter zu den «Wassersüchtigen». August Sumpf beschrieb sich und seine Jugendfreunde als «wassersüchtige Buben». Es sei für ihn wie eine Krankheit gewesen – eine teure – die sich, wie er in seinem erwachsenen Alter beobachtete besonders unter den Reichen verbreitete. Er habe sich in seinen «Strolchentagen» einfach an die Birs gelegen und mit seinen Freunden wahren Reichtum erlebt. Doch heute müssten sich alle, die an der Birs schon nur vorbeilaufen, die Nase zukneifen.
Sumpf gibt dem Fortschritt die Schuld in seinem Buch «Plaudereye», denn der Fortschritt nehme alles: Boden, Wasser und die Ruhe. Das Problem, dass die Birs aufgrund der Industrieabwasser immer stärker belastet war, war in ganz Arlesheim Mitte des 20. Jahrhunderts klar. Im Protokoll der Generalversammlung des Verkehrsvereins – Arlesheims, kurz VVA, aus dem Jahr 1944 wurde die Birs als «undefinierbare Brühe» beschrieben. Doch das Bedürfnis nach einem öffentlichen Bad bestand weiterhin, zumindest für die jungen Männer, die für die Rekrutenschule schwimmen lernen mussten.
Als Alternative versuchten Delegierte des VVA mit den Besitzern der Ermittage – den Iselins – eine Lösung zu finden. Der VVA hatte vor, dort wo der alte «Insektenweiher» war ein Schwimmbad zu errichten. Doch alle Versuche, Herrn Iselin zu überzeugen, hätten ins Nichts geführt und seien sofort abgebrochen worden, als dieser mit der Schliessung der Ermittage drohte.
Die Resolution kam 1950, als die Gemeinde für einen Neubau eines Schwimmbads abstimmte. Dieses wurde dann 1953 eröffnet. An das neue Schwimmbad und dessen Sportanlagen erinnerte am Sonntag Journalist Freddy Widmer, der in «Arlese» aufgewachsen war. Im Schwimmbad hätte man alle angetroffen von Schulkameraden und Freunden, bis zu neuen Bekanntschaften, erzählte er. Seine Zeit im Schwimmbad wurde besonders dadurch bereichert, dass seine eigenen Freunde als Hilfsbademeister arbeiteten und sie somit die Freiheit der eigenen Regeln geniessen durften, solange der Chef ausser Haus war.
Ein Mann, der dem Dom Konkurrenz machte
Mit einem gewaltigen Sprung wurde das Publikum weg vom «Plantschbad» und hin zu der Erinnerung an ein «Arlesheimer Original» geführt. Dies war der ehemalige Wegmacher Ernst Schaad, der von seinem Schwiegersohn und seiner Tochter Peter und Louise Amport-Schaad vorgestellt wurde. «Über zwei Meter gross und über 100 Kilo schwer: Ein Mann mit Schaufeln als Händen», beschrieb Peter Amport-Schaad. Sein Schwiegervater hätte zwar die Physikalische Statur eines Bären gehabt, hätte aber mit überraschendem Feingefühl und Kreativität für sein Leben gern kleine «Güggeli» geschnitzt. Diese Güggeli seien in ganz Arlesheim verteilt, eines davon stehe heute noch auf seinem Stammtisch «mit seinem Hinterteil nach Liestal an die Regierung gerichtet.» Die Lesung wurde nochmals mit einem Sprung abgerundet, dieser führte zurück zu August Sumpf. Dessen Buch «Us em frienere Arlese – Plaudereye» wurde offiziell von seiner Grossenkelin vorgestellt und ist ab jetzt erhältlich für die Öffentlichkeit.
«Us em alte Arlese»
WOB. Ausgangspunkt der Veranstaltungsreihe bietet das Buch «Us em frienere Arlese» von August Sumpf, der von 1887 bis 1962 lebte und das damalige Leben und den Alltag im Dorf festhielt. Die ersten beiden Sitzungen fanden im 2024 beziehungsweise im 2025 statt.


