Szene für Szene durch die Geschichte

Auf einem szenischen Dorfrundgang versetzen die Schauspieler und The-atermacher Danny Wehrmüller und Dominique Lüdi unterhaltsam und informativ das Publikum in die Vergangenheit von Arlesheim zurück.

Gemeinsam unterwegs: Danny Wehrmüller als «Dauner Joggi» und Dominique Lüdi als Lisa. Foto: Tobias Gfeller
Gemeinsam unterwegs: Danny Wehrmüller als «Dauner Joggi» und Dominique Lüdi als Lisa. Foto: Tobias Gfeller

Joggi steht ganz allein auf dem alten Friedhof vor den Gräbern der Industriefamilie Alioth und des Arlesheimer alt Bundesrats Emil Frey. Als hinter dem Baum die Stimme des Geistes von «Wälschelseli» erklingt, friert Joggi das Blut in den Adern. Die ruhelose Seele der Magd, die vor Jahrhunderten auf dem Schloss Birseck gedient hatte und den Schweinen verfüttert wurde, geistert seit ihrem grausamen Tod durch die Wälder von Arlesheim. «Man sagt, sie sei auch immer wieder hier auf dem Kilchmätteli», berichtet Joggi ehrfürchtig.

«Dauner Joggi», wie er sich selber nennt, ist der Hauptprotagonist eines neuen szenischen Rundgangs durch den Ortskern von Arlesheim. Joggi wird gespielt von Schauspieler und Theatermacher Danny Wehrmüller. An seiner Seite schlüpft Schauspielerin Dominique Lüdi in die Rolle der unbekümmerten Lisa, die in Arlesheim zur Schule ging und noch immer auf dem Hof mithilft, und in die Rolle der vornehmen und wohlhabenden Industriegattin Chrischona Alioth-Hornung, die im edlen Pelzmantel gerne über die Erfolge ihrer Familie spricht.

Ausgerüstet mit einem Leiterwagen, nehmen Wehrmüller und Lüdi die Teilnehmenden auf eine Reise durch die Geschichte von Arlesheim mit. In echten und fiktiven Rollen berichten sie über bedeutende Persönlichkeiten und historische Geschehnisse, die Arlesheim bis heute prägen.

Die Säulizunft hat das Projekt initiiert

Initiiert wurde der Dorfrundgang von der Säulizunft Arlesheim. «Die Idee hatten wir aus Reinach und Muttenz, wo Danny Wehrmüller schon solche Rundgänge umgesetzt hatte», erklärt Zunftmeister Lukas Stückelberger. «Das Erhalten und das Weitertragen von Traditionen und Überlieferungen gehören zu den Zielen und den Aufgaben der Säulizunft», sagt Stückelberger.

Mit dem szenischen Rundgang, der am 27. April offiziell Premiere feiert, gelingt dies hervorragend. Wehrmüller und Lüdi sind dafür in die Geschichte von Arlesheim eingetaucht und verleihen den Erzählungen mit ihren schauspielerischen Darbietungen eine besondere Note. Bei der zunftinternen Vorpremiere am Montagabend wurde viel gelacht, zustimmend genickt und auch gestaunt. Die jeweils zur Erzählung passenden Szenerien und Lokalitäten sorgen dafür, dass das Publikum erst recht in die Erinnerungen eintauchen kann.

Welten prallen aufeinander

Wehrmüller macht aus dem liebevollen Joggi mit Sprachfehlern, Wortwitz und Wissenslücken einen sympathischen Charakterkopf. Man verzeiht ihm, dass nicht immer alles ganz korrekt und anständig ist. Derweil erinnert sich Lisa genauer an die Örtlichkeiten und Geschehnisse in Arlesheim. Im Gegensatz zu Joggi hat sie auch die Schule in Arlesheim besucht.

Eine besondere Verbindung herrscht zwischen Joggi und Chrischona Alioth-Hornung. Welten prallen aufeinander. Dass der Industriegattin aufgezeigt wird, dass in der Spinnerei Schappe nicht nur erfolgreich gewirtschaftet, sondern dafür auch die Belegschaft teilweise ausgebeutet wurde, goutiert die feine Dame mit mürrischen Blicken.

Wehrmüller und Lüdi referieren in den verschiedenen Rollen über die Entwicklung der Schulen, den Arlesheimer alt Bundesrat Emil Frey, das Wirken von Fürstbischof Johann Konrad von Roggenbach und Arlesheim unter französischer Herrschaft, als die Dorfbevölkerung vergeblich auf Freiheit hoffte. Szene für Szene wähnt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Das Publikum an der Vorpremiere bedankte sich mit lautem Applaus. «Viel gelernt und sehr gut unterhalten», lautete das Fazit der Zunftbrüder und ihrer Begleiterinnen.

Szenischer Dorfrundgang, Premiere: 27. April, 18 Uhr, Zivilstandsamt. Tickets und Termine: www.saeulizunft.ch

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