Altes Klavier für junge Hände

Ein 70 Jahre altes Klavier, gebaut in Thüringen, erfreut die Jugendlichen im Jugendhaus Arlesheim. Ein Mitarbeiter hatte das Schmuckstück in einer Brocki entdeckt.

Freuen sich sichtlich über das neue Klavier: Florian Werder (links) und Patrick Gubler. Foto: zVg
Freuen sich sichtlich über das neue Klavier: Florian Werder (links) und Patrick Gubler. Foto: zVg

Im Jugendhaus Arlesheim, das etwas versteckt hinter Bäumen und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulhaus Gerenmatten liegt, erfreut ein neu angeschafftes Klavier die Herzen der Jugendlichen und Hausbetreiber. «Es wird gerne genutzt. Insbesondere von zwei Virtuosen, die sich darauf entfalten können», sagt Florian Werder, stellvertretender Leiter des Jugendhauses. «Wir hatten zuvor bereits ein Piano, dessen Tasten aber infolge der regen Nutzung kaputtgingen. Man sagte mir, dass eine Reparatur zu teuer wäre.»

Werder ging also mit offenen Augen durch Brockenstuben und wurde in der «Brocki auf dem Wolf» in Basel fündig. Dem Klavier war die Visitenkarte des in Laufen lebenden Klavierbauers Patrick Gubler beigelegt. «Er hat es zu günstigen Konditionen geschafft, dass das Klavier heute wieder einen sehr schönen Klang hat.» Gubler selbst zeigt sich begeistert über die Anschaffung: «Dieses Klavier ist kein Massenprodukt der Moderne, sondern ein echtes Charakterstück mit Seele. Es wurde von der Leitung des Jugendhauses bewusst ausgewählt. Dafür gebührt ihnen Lob.»

Aus einer anderen Zeit

Das Instrument wurde zwischen 1956 und 1958 von der Firma A. Geyer Klavier in Thüringen gebaut. «Instrumente aus der DDR wurden immer ein bisschen belächelt. Das Klavier entstand aber zu Anfangszeiten der ostdeutschen Republik, als man sich beim Bau noch an der vorherigen Zeit orientierte: Leipzig war einst die Wiege des deutschen Klavierbaus», so Gubler. Charakteristisch für diese traditionellen Instrumente sei ein ausgesprochen warmer Klang. «Das ist etwas, was man bei neuen Klavieren nicht mehr findet», so der 61‑Jährige. «Die heutigen Instrumente sind mit ihrem verdichteten Hammerfilz auf Power ausgelegt.» Klavierbauer orientierten sich heute an Steinway, dessen Instrumente sich durch einen hellen, prägnanten Ton auszeichneten. «Welcher Klang nun besser gefällt, ist natürlich auch Geschmackssache», so der Klavierbauer.

Nachdem Gubler das Klavier gestimmt hatte, sei er über den guten Zustand, in dem sich das Thüringer Schmuckstück befand, überrascht gewesen. Das liege wohl daran, dass das Instrument nicht über lange Zeit Heizungsluft ausgesetzt gewesen sei. «Das schadet dem Instrument.» Deshalb sei der jetzige Standort ideal, da im Jugendhaus nicht übermässig geheizt werde.

Jugendliche Laufkundschaft

Gubler, dessen Grosseltern einst in Arlesheim lebten und dort ein Gourmetgeschäft betrieben, arbeitet neben seiner Tätigkeit als Klavierbauer in einem Altersheim. «Von der Arbeit als selbstständiger Klavierbauer lässt es sich heute nicht mehr leben.» Wie andere Branchen hat sich auch diese stark gewandelt: Die Firma A. Geyer Klavier gibt es als A. Geyer Pianos noch, wobei die Instrumente heute überwiegend in China angefertigt werden.

Werder freut sich, dass nun wieder ein intaktes Klavier die Räumlichkeiten des Jugendhauses musikalisch belebt. «Das Piano ist ein Angebot unter mehreren», sagt er, der seit bald zehn Lenzen im Jugendhaus arbeitet und im kommenden Jahr die Leitung als Nachfolger von Gaby Meier übernehmen wird. Das Jugendhaus Arlesheim kann sich – teilweise im Gegensatz zu anderen Jugendhäusern – nicht über Besuchermangel beklagen. «Weil wir gleich neben einem Schulhaus sind, haben wir natürlich Laufkundschaft», sagt der 44‑Jährige.

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