Mehr als nur ein einzelner Platz
Der Arlesheimer Gemeinderat nimmt einen neuen Anlauf zur Entwicklung des Postplatzes. Aus dem QP Postplatz wird dabei der QP Zentrum.

Fast exakt vor zwei Jahren gab die Stiftung Landruhe bekannt, dass sie sich aus der Planungsvereinbarung für die bauliche und gestalterische Entwicklung des Postplatzes zurückziehen wird. Damit war die 2017 von der Einwohnergemeinde, der Baselland Transport AG (BLT) und der Stiftung Landruhe gemeinsam lancierte Entwicklung geplatzt. Im Quartierplanverfahren «Alte Post» einigten sich die drei Grundstückbesitzer zuvor auf zwei grössere Baukörper, die längs des Postplatzes zur Ermitagestrasse die heutige Gemeindebibliothek, die alte Schreinerei Zehntner, die Doppelgarage und den Pavillon der Stiftung Landruhe ersetzen sollten. Die Kritik am Vorhaben war aufgrund der Dimensionen gross. Ende 2024 präsentierte die Stiftung ein eigenes Projekt für die Erweiterung des Pflegeheims. Weiteres hat die Öffentlichkeit seitdem nicht erfahren.
Nun nimmt der Gemeinderat einen neuen Anlauf und veröffentlichte im Wochenblatt und auf der Website der Gemeinde den ersten von mehreren in den kommenden Wochen geplanten Beiträgen. «Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Gemeinde mit der Frage, wie sich dieses Gebiet und sein Umfeld künftig entwickeln sollen. Dabei wurde immer deutlicher: Es geht längst nicht mehr nur um einen einzelnen Platz. Es geht um das Zentrum von Arlesheim als Ganzes.» Deshalb trage das Projekt einen neuen Namen: «Quartierplanung Zentrum – wo wir einander begegnen». Der neue Name beschreibe besser, heisst es im Artikel der Gemeinde, worum es dem Gemeinderat geht: «Im Zentrum treffen Menschen aufeinander, wohnen, arbeiten, erledigen ihre Einkäufe, besuchen kulturelle Angebote oder nutzen öffentliche Einrichtungen.»
Wertvolle Anregungen von der Begleitgruppe
Seit April ist Gemeinderätin Brigitte Treyer (FDP) für das Ressort Raumplanung zuständig. «Wir befinden uns jetzt an einem Punkt, an dem wir die Öffentlichkeit miteinbeziehen wollen», erklärt Treyer die Kommunikationsoffensive der Gemeinde. Der Name «Postplatz» passe nicht mehr zu dem, was die Gemeinde und die beteiligten Partner realisieren wollten. «Wir möchten dem Quartierplan die Bedeutung eines modernen Zentrums geben», sagt Treyer. Mit dem neuen Namen möchte die Gemeinde auch den Neustart kennzeichnen und Altlasten der früheren Planungen ablegen.
Ein wichtiges Element in den aktuellen Planungen stellt gemäss der Gemeinderätin die eingesetzte Begleitgruppe aus Privatpersonen, Anwohnenden und Kommissionsmitgliedern dar. «Wir haben von der Begleitgruppe aus unterschiedlichen Sichtweisen zahlreiche wichtige Anregungen erhalten, die ins Projekt eingeflossen sind.» Seit dem gescheiterten Quartierplan hätten sich die Rahmenbedingungen, das Umfeld und die Bedürfnisse der Beteiligten und der Bevölkerung verändert, betont Treyer. Dem wolle man Rechnung tragen. Klar sei schon jetzt, dass die Bauvorhaben von den Dimensionen her kleiner daherkommen würden. Die Baukörper sollen sich stärker in die Umgebung einpassen. Das alte Postgebäude soll abgerissen werden. Elemente wie der beliebte «Open Garden» sollen wenn möglich erhalten bleiben. «Wir möchten den Charakter des Dorfes bewahren», versichert Treyer. Mit der BLT, der Migros und der Stiftung Landruhe seien die involvierten Partner noch immer die gleichen und die Gespräche wieder aufgenommen worden. «Ich erlebe die Gespräche als konstruktiv», konstatiert die für das Ressort Raumplanung verantwortliche Gemeinderätin.
Die Stiftung Landruhe sei aktuell mit dem Gemeinderat in «intensiver Abklärung», wie sich das Ende 2024 präsentierte bauliche Vorhaben bezüglich Modernisierung des Altbaus und der Erweiterung des Angebots mit «Alterswohnungen mit Service» auf der Parzelle der Stiftung in den bestehenden beziehungsweise in einem neuen Quartierplan integrieren lässt, teilt Stiftungsratspräsident Marco Derungs auf Anfrage mit. Die Stiftung habe die Gespräche mit dem Gemeinderat nie abgebrochen.
Postplatz soll mehr Teil des Dorflebens werden
Wichtige Elemente der Entwicklung sind das Wohnen im Alter und ein neuer Standort sowie neue Nutzungsmöglichkeiten der Gemeindebibliothek. Der Postplatz, oder eben das neue Zentrum, soll zu einem Ort der Begegnung über alle Generationen hinweg werden. Für Derungs ist klar: «Damit die Stiftung Landruhe für die zukünftigen Bedürfnisse der älteren Bevölkerung im Zentrum von Arlesheim Pflegedienstleistungen und ‹Alterswohnungen mit Service› zur Verfügung stellen kann, ist entscheidend, dass an den vorhandenen Schnittstellen mit der Gemeinde eine Lösung gefunden werden kann, welche die Bauvorhaben der Gemeinde Arlesheim und der Stiftung Landruhe ermöglicht.»
Mit der baulichen und gestalterischen Entwicklung des Postplatzes soll auch die Verbindung ins eigentliche Ortszentrum stärker betont werden. Dadurch würde der Postplatz mehr Teil des Arlesheimer Dorflebens. Für die nächsten Schritte hin zu einem Quartierplan braucht die Gemeinde von der Gemeindeversammlung die Zustimmung für den dafür nötigen Kredit. «Wir wollen vorwärtsmachen. Wir können nicht noch einmal zehn Jahre lang warten», betont Treyer.


