Einfach die Aussicht geniessen
Die Burg Reichenstein öffnete zum Nationalfeiertag ihre Tore. Für einmal gab es allerdings kein Feuerwerk zu bestaunen.
Am Vorabend des Nationalfeiertages lud die Burg Reichenstein zum Tag der offenen Tore, wobei eher ein Abend lang die schweren Burgtore aufgeschwungen wurden. Von einer Hoffnung aus der «Werbebotschaft» für diesen Abend war schon von vornherein klar, dass sie nicht eintreten wird: die perfekte Sicht auf sämtliche Feuerwerke der Region. Die Aussicht war zwar fantastisch. Zu sehen gab es leider «nur» die vertrocknete braune Landschaft rund um den Arlesheimer Hausberg. Davon liessen sich die Burgfräulein und die Burgherren aber nicht abschrecken. Den Fussmarsch hoch unternahmen Wanderfreudige, Familien mit Kindern und historisch Interessierte. Oben angekommen konnten schon mal der Burger und die Getränke bestellt werden, bevor man sich auf Entdeckungsreise begab.
Burgfräulein und Ritter
Wem vom Aufstieg und von den sowieso heissen Tagen warm war, konnte in den Burgmauern eine angenehme «klimatisierte» Luft verspüren. Die Burg versprüht den Charme, den man sich aus dieser Zeit in der Fantasie ausmalt: feste Mauern, schwere Holztäfelungen, steile und unregelmässige Treppen. Vor allem die Kinder hatten grosse Freude, sich wie Burgfräulein oder Ritter zu fühlen. Für Aaron und seinen Ferienfreund war es drinnen «dunkler als erwartet». Obwohl mittlerweile elektrisches Licht eingezogen ist, sind die Räume bewusst nicht hell erleuchtet. Dennoch sieht Aaron das, was er sehen möchte: einen Ritterhelm und oben im Turm die grosse Rittertafel. Ein Gemälde an der Wand zeigt eine Szene von einem Ritterturnier. Genauso, wie sich das die Kinder vorgestellt haben. Sie eilen weiter den Turm hoch. Zwei Besucherinnen interessieren sich mehr für die Details, wie etwa das gobelinbestickte Kissen auf einem der Stühle.
Aufgefallen sind anderen Burgentdeckerinnen und -entdeckern auch die geschnitzten Stühle oder die Sammlung der bekannten Buchreihe «Burgen der Schweiz» des emeritierten Basler Professors Werner Meyer. Einzelne wagen auch Schritte auf die Terrassen der Burg. Doch ein Blick zwischen die Balken, auf denen die Füsse stehen, zeigt den tiefen Abgrund. Etwas, was nicht alle einfach so wegstecken.
Im Hof der Burg und auch schon auf dem Weg dahin standen Festbankgarnituren, wo sich das Publikum im Schatten auf die Geburtstagsfeierlichkeiten der Eidgenossenschaft einstimmen konnte. Die Burger brät Patrik Vögtli, der einerseits Geschäftsführer der Stiftung und andererseits auch Burgwart ist. «Die Bevölkerung soll Zugang zur Burg haben», erklärt er den Tag der offenen Tore.
Neues Buch über die Burg
Vögtli wendet die Kartoffeln, die er dazu brät, und berichtet von vergangenen Veranstaltungen, die zur Freude der Bevölkerung durchgeführt wurden. Er selber wird nur noch bis zum 1. Januar 2028 Geschäftsführer der Stiftung sein. «Es läuft», sagt er nicht ohne etwas Stolz. Ab dann übernehmen die Stiftungsrätinnen und -räte seine Arbeit. Er setzt Tomaten und Senf auf die Burger und nimmt bereits weitere Bestellungen entgegen, während seine Frau die Getränke reicht und das Kuchenbuffet bedient. Die Tage der offenen Tore gibt es regelmässig am 1. Januar, am 1. Mai und am 31. Juli. Wer nicht mehr so lange warten mag, der kann sich an gewissen Wochenenden für ein «Leben wie zu Ritters Zeiten» anmelden. Aber auch für verschiedene Anlässe steht die Burg zur Verfügung. Einen grossen Anlass kündigt Vögtli bereits an: Über die Burg Reichenstein wird ein neues Buch erscheinen, das im Herbst Vernissage feiern wird.






